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Woman meets boy

Flirrende Liebesgeschichte: „AEIOU“ mit der wunderbaren Sophie Rois

Da baut sich Spannung auf: Sophie Rois als Anna und Milan Herms als Adrian in einer Szene des Films „AEIOU – Das schnelle Alphabet der Liebe“.

Eine sonnendurchflutete Leichtigkeit geht von diesem Film aus – etwas Flirrendes, Unbeschwertes, Befreiendes. Dabei beginnt er in einem düsteren Berliner Synchronstudio, in dem Anna wieder mal einen freudlosen Tag der Unterforderung verbringt und dann auch noch ein Kollege übergriffig wird. Und das ist noch längst nicht alles: Am späten Abend entreißt ihr ein dreister Dieb auf dem Bürgersteig vor der Paris Bar in Charlottenburg die Handtasche.

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Dann aber passiert das Unwahrscheinliche, das man in Nicolette Krebitz‘ Film „AEIOU – Das schnelle Alphabet der Liebe“ schnell zu akzeptieren beginnt: Anna (Sophie Rois) begegnet dem Taschendieb ein paar Tage später unverhofft wieder.

Sie hat sich gegen ihre eigene Überzeugung bereit erklärt, einem Teenager Sprachunterricht zu geben – daher der etwas artifizielle Filmtitel mit den Vokalen. Sie soll den jungen Mann für eine Theateraufführung in der Schule trainieren. Von irgendwas muss Anna ja leben, wenn die Schauspieljobs mit zunehmendem Alter weniger und immer unerfreulicher werden.

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Und dann steht der 17-jährige Problemschüler Adrian (Milan Herms) in ihrer Wohnung. Er ist der Dieb.

Alles fängt mit „Ah“ an

Beide wissen, wen sie vor sich haben. Aber sie ignorieren die Geschichte von der gestohlenen Tasche. Dafür kommentiert Anna als Erzählerin ihr eigenes Leben aus dem Off: Alles fängt mit A an, sagt sie. Das „Ah“ eines schreienden Babys, das „Ah“ des Verstehens und ebenso das „Ah“ der Lust.

Ganz zart, beinahe unmerklich und zu Annas eigener Überraschung beginnt etwas zwischen den beiden. Sie werden zu einer Art Paar – auch wenn Anna anfangs nicht recht weiß, was sie mit dem jungen Burschen an ihrer Seite anfangen und ob sie wirklich mit ihm Händchen halten soll.

Regisseurin Nicolette Krebitz hat das Thema Liebe schon einmal in der Variation „Girl meets wolf“ variiert – und das ist wörtlich zu verstehen. Eine junge Frau – Typ: mausgraue Sekretärin – fängt einen Wolf und hält ihn in der Mietwohnung einer Plattenbausiedlung. Krebitz erzählte in „Wild“ von der weiblichen Sehnsucht nach Glück und Freiheit jenseits zivilisatorischer Regeln.

Woman meets boy

Dagegen ist die Konstellation der Begehrenden in ihrem „AEIOU“-Film geradezu konventionell geraten – und dann doch wieder nicht: Denn wann sehen wir im wirklichen Leben ein solches Paar, eine Frau um die 60 und einen Teenager? Auch hier werden gesellschaftliche Normen mal eben außer Kraft gesetzt.

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Man könnte sogar noch einen Schritt weitergehen: Grenzt das, was Anna mit ihrem Sprechschüler erlebt, womöglich an Missbrauch? Bei der Berlinale, wo der Film Premiere hatte, war diese Überlegung zu lesen – aber sie wird der zwanglosen Lust dieses Films nicht gerecht.

So sicher ist sich Krebitz dessen, was in dieser Geschichte passieren wird, dass sie deren Verlauf gleich zu Beginn in kurzen Schlaglichtern verrät. Wer da noch zweifelt, den dürfte die Langversion überzeugen.

Unangestrengter Flow

Die in sich selbst verkapselte Anna fürchtet nichts so sehr den Tabubruch, sie mag nur nicht an eine Verbindung mit diesem leicht gestörten Schlawiner glauben. Aber dann entwickelt die Handlung einen gänzlich unangestrengten Flow. Berührungen und Umarmungen erscheinen plötzlich wie selbstverständlich.

Anna wird von ihrem eigenen Schwung mitgerissen auf eine Reise, die sie bis nach Südfrankreich führt. Allmählich erwacht sie aus ihrer Erstarrung, wie auch ihr fürsorglicher und genießerischer Freund, Vermieter und bester Zuhörer Michel (Udo Kier in einer feinen Nebenrolle) beobachtet.

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Die Tage an der Côte d‘Azur fühlen sich so leicht an wie in einem Film der Nouvelle Vague. Diese französische Erneuerungsbewegung des Kinos stand für Krebitz tatsächlich Pate. „Sie sind außer Atem“, kommentiert Anna beziehungsreich in der dritten Person Plural aus dem Off – und zitiert damit den Titel von Jean-Luc Godards Kinodebüt „Außer Atem“ (1960), in dem allerdings viel mehr Tragik eingewoben war. In ihrem Film stirbt niemand wie einst Jean-Paul Belmondo auf dem Pariser Kopfsteinpflaster.

Anna und Adrian spurten durch malerische Gassen. Sie baden nackt im Meer. Sie beklauen reiche Touristen, was für die beiden eher ein Spiel ist. Und jetzt strahlt wirklich die Mittelmeersonne, und das Leben ist so unkompliziert, wie man es sich nur wünschen kann. Handys haben Anna und Adrian übrigens nie in der Hand.

„AEIOU“ ist zuerst ein Film für die wunderbare Sophie Rois, die bei aller knarzigen Rauheit Verletzlichkeit und Sensibilität durchscheinen lässt. Gegen ihren Auftritt hat es Milan Herms nicht leicht, sich zu behaupten.

Schließlich geraten die beiden ins Visier der Polizei. Ob die Ermittlungen die beiden Liebenden wohl auseinanderbringen?

„AEIOU – Das schnelle Alphabet der Liebe“, Regie: Nicolette Krebitz, mit Sophie Rois, Milan Herms, Udo Kier, 104 Minuten, FSK 6

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