Bitte Ruhe im Kino: der Horrorthriller „A Quiet Place 2“

  • Bitte Ruhe im Kino: Die Fortsetzung des Horrorfilms „A Quiet Place“ schärft die Sinne.
  • Der Film mit Emily Blunt ist ein Bekenntnis zur Leinwand und dem dunklen Saal.
  • Nach Corona schaut man die postapokalyptische Versuchs­anordnung anders.
Martin Schwickert
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In „A Quiet Place“ hatte John Krasinski vor drei Jahren die Stille zur treibenden Kraft eines postapokalyptischen Szenarios gemacht. Fast vierzig Filmminuten dauerte es, bis der erste Satz gesprochen wurde. Still zu sein war eine Frage des Über­lebens in dieser Welt, in der sich Monster auf der Erde breitgemacht hatten, die nichts sehen, dafür aber umso besser hören konnten. Im Kinosaal wurden die Sinne neu geschärft.

Die Familie um die gehörlose Tochter Regan unterhielt sich in Zeichensprache. Statt Worten las der Film in den Gesichtern seiner Figuren. Detailreich wurde das Leben unter dem Diktat der Stille in Szene gesetzt und das brillante Sounddesign zum zentralen Erzählmoment.

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Der Kinostart für das Sequel war ursprünglich für den 20. März 2020 terminiert – genau in der Woche, in der die westliche Welt in den Lockdownmodus ging. Im Gegensatz zu anderen Studios hat Paramount den Film nicht auf einer Streaming­plattform verklappt, sondern tapfer an einem Kinostart festgehalten. Eine gute Entscheidung.

Rettendes Radiosignal

Im zweiten Teil verlässt Evelyn (Emily Blunt) nach dem Tod ihres Mannes (John Krasinski) mit den Kindern das gesicherte Zuhause in der Hoffnung, eine neue Perspektive für die Familie und das neugeborene Baby zu finden. In einem leer stehenden Stahlwerk trifft sie auf ihren früheren Nachbarn Emmett (Cillian Murphy), der sich zunächst weigert, die Familie aufzunehmen.

Als die gehörlose Regan (herausragend: Millicent Simmonds) auf eigene Faust aufbricht, um die Herkunft eines möglicher­weise rettenden Radiosignals ausfindig zu machen, folgt er widerstrebend dem Mädchen. Emily bleibt mit ihrem verletzten Sohn Marcus (Noah Jupe) und dem Baby in der geschützten Unterkunft zurück.

Auch wenn „A Quiet Place 2“ nicht mehr ganz so konsequent auf das Stillekonzept setzt, lebt auch diese Fortsetzung von der sinnlichen Wahrnehmung und der ungeteilten Aufmerksamkeit, wie sie sich nur im Kino herstellen lassen. Der Film ist ein Bekenntnis zur Leinwand und dem dunklen Saal. Man wird hineingezogen in diese dystopische Welt und ihre Gefahren.

Großes Herz unter der Horroroberfläche

Nach mehr als einem Jahr Pandemie schaut man einen postapokalyptischen Film mit anderen Augen. Die Alienfantasien des Science-Fiction-Genres spielten immer mit der Angst vor unbekannten Gefahren, die alle Selbstverständlichkeiten der zivilisierten Existenz infrage stellen. Diese Erfahrung hat uns Covid-19 nahegebracht – auch wenn das Virus deutlich weniger grausam wütet als die Insektenmonster in „A Quiet Place“.

Unter der Horroroberfläche pocht in diesem Film ein großes Herz für eine Jugend, die nicht nur um das eigene Überleben, sondern auch für eine lebenswerte Perspektive kämpft. Während die Erwachsenen in den Survivalzwängen gefangen sind, geht die jugendliche Regan ins Risiko und begibt sich auf die Suche nach einer Zukunft jenseits des fatalistischen Status Quo.

„A Quiet Place 2“, Regie: John Krasinski, mit Emily Blunt, Millicent Simmonds und Cillian Murphy, 97 Minuten, FSK ab 16.

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