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80. Geburtstag von Margaret Atwood: „Der Report der Magd“ erscheint als Graphic Novel

  • Die Schriftstellerin und Friedenspreis-Trägerin Margaret Atwood wird am Montag 80 Jahre alt.
  • Durch die Serie „A Handmaid’s Tale“ ist sie auch einem jüngeren Publikum bekannt.
  • Eine Graphic Novel und ein Gesprächsband zeigen, wie aktuell sie noch immer ist.
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Humorvoll, klug, engagiert, unterhaltsam. Wer das Glück hatte, Margaret Atwood vor rund vier Wochen während der Buchmesse bei der Frankfurter Literaturgala erleben zu dürfen, sah und hörte eine unglaublich vitale und jung wirkende Autorin. Egal wer da noch auf dem Podium saß – von Colson Whitehead über Ken Follett bis hin zu Elif Shafak und Maja Lunde –, Atwood überstrahlte sie alle. Jüngst hatte die Schriftstellerin, die am Montag 80 Jahre alt wird, mit „Die Zeuginnen“ die lang erwartete Fortsetzung ihres Welthits „Der Report der Magd“ veröffentlicht. Nun können sich Leser die Autorin mit einer Graphic Novel und einem Gesprächsband weiter erschließen.

Berühmt wurde Atwood 1985 durch ebendiesen Roman „Der Report der Magd“. Darin beschreibt sie eine Gesellschaft, in der Frauen nicht mehr sind als Gebärmaschinen. Dieser Schreckensstaat Gilead wird beherrscht durch christlich-fundamentalistische Herrscher. Frauen haben keinerlei Rechte – nur Funktionen. Wie sehr Atwood durch dieses Werk als Ikone der Frauenbewegung angesehen wird, zeigte sich nicht zuletzt vor zwei Jahren. Da versammelten sich Demonstrantinnen vor dem Kapitol in Washington, um gegen die Verschärfung der Abtreibungsgesetze in den USA zu demonstrieren, und trugen die für den Roman typischen roten Umhänge und weißen Hauben. Ins Bewusstsein vieler jüngerer Menschen ist „Der Report der Magd“ durch seine Verfilmung als Serie gelangt, die unter dem englischen Originaltitel „The Handmaid’s Tail“ mit Elisabeth Moss in der Hauptrolle in diesem Jahr in die dritte Staffel gegangen ist.

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„Report der Magd“ als fantastische Graphic Novel

Die französische Zeichnerin Renée Nault hat den „Report der Magd“ nun eng am Werk und doch dieses erweiternd in eine Graphic Novel (Berlin Verlag, 240 Seiten, 25 Euro) verwandelt. Es ist ein fantastischer fantasievoller Comic, der die Vorlage nicht einfach nur um Bilder erweitert, sondern durch diese Bilder die Geschichte transportiert und erweitert. Den Text hat Margaret Atwood, die 2016 mit „Angel Catbird“ eine eigene Graphic Novel geschrieben hat, eigens für Naults Adaption überarbeitet. Nault unterscheidet die Ebenen des Romans – die Gegenwart in Gilead und die nahe Vergangenheit im Umerziehungslager Das Rote Zentrum sowie die ferne Vergangenheit, in der Frauen Berufe, frei gewählte Partner und ein nicht vordefiniertes Leben hatten – durch unterschiedliche Malstile. Das bleischwere Jetzt wird durch einen Grauschleier charakterisiert, zu dem die roten Umhänge und weißen Hauben der Mägde in dramatischem Kontrast stehen. Die glückliche Vergangenheit hingegen hat Nault im Stil von 60er-Jahre-Comics gezeichnet, bunt und optimistisch.

Aus der Graphic Novel „Der Report der Magd“. © Quelle: Berlin Verlag

Wer aber ist diese Frau, die 1939 in Ottawa geboren und als Tochter eines Insektenforschers einsam in den kanadischen Wäldern Nova Scotias aufgewachsen ist? Der neue Band „Aus dem Wald hinausfinden“ (Kampa, 160 Seiten, 20 Euro) aus der begeisternden Gesprächsreihe „Kampa Salon“ kommt dieser beeindruckenden Frau, ihren Ansichten und ihrem Werk ein Stückchen näher. Atwood, die vor zwei Jahren mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt, in diesem Jahr zum zweiten Mal mit dem englischen Booker Price ausgezeichnet und vor wenigen Tagen von Queen Elizabeth II. in den Orden der Gefährten der Ehre aufgenommen wurde, stand dafür dem 50 Jahre jüngeren deutschen Journalisten Caspar Shaller Rede und Antwort. Die beiden Gesprächspartner diskutieren darin auch über andere Bücher Atwoods, so über ihre „Maddaddam“-Trilogie mit der Dystopie „Oryx und Crake“ oder über „Der blinde Mörder“ von 2000. Aber es wird auch deutlich, wie gesellschaftspolitisch engagiert Atwood bis heute ist. „Plötzlich erscheint es so, als könnten soziale Errungenschaften wieder verschwinden, die junge Frauen vor fünf Jahren noch als selbstverständlich betrachteten. Als Trump gewählt wurde, haben wir diesen Punkt erreicht“, sagt Atwood in dem Gesprächsband. Und auch die Umweltbewegung liegt ihr nicht erst seit den freitäglichen Zukunftsdemos am Herzen.

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„Nerven Sie mich nicht, junger Mann“

Bei alldem aber hat sie ihren Humor nicht verloren. Und auch nicht ihre Direktheit. Auf eine Frage Shallers nach der Lösung von Zukunftsproblemen antwortet sie: „Nerven Sie mich nicht, junger Mann, ich bin zu alt, um Ihre Probleme zu lösen. Es liegt nicht an Leuten wie mir, globale Probleme zu lösen, es sei denn, man ist Georges Soros und verfügt über Milliarden.“ Aber Margaret Atwood versucht, auch wenn sie es abstreitet, noch immer trotz fehlender Milliarden in der Kasse die Welt ein bisschen besser zu machen – auch wenn sie dafür düstere Geschichten erzählen muss. Einmal hat Atwood dies in einem schönen Bild beschrieben: „Möglicherweise hat das Schreiben also mit der Dunkelheit zu tun, mit dem Wunsch oder vielleicht mit dem Zwang, in sie einzutreten, sie mit Glück zu erhellen und etwas wieder ins Licht zu bringen.“