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Filmfestival Venedig: Deutsche Regisseurin kämpft um den Goldenen Löwen

  • Am Mittwoch startet das 77. Filmfestival in Venedig.
  • Wegen der Corona-Pandemie findet es allerdings in kleinerem Rahmen statt.
  • Auch eine deutsche Regisseurin kämpft um den Goldenen Löwen.
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Es klingt wie die normalste Sache der Welt: Mit einem rund 70-köpfigen Filmteam will Regisseurin Julia von Heinz anreisen, wenn am 10. September ihr mit Spannung erwarteter Kinofilm “Und morgen die ganze Welt” Premiere beim Filmfestival Venedig hat.

Normal daran ist daran aber gar nichts, zum einen wegen der strengen Hygieneregeln, die die nächsten eineinhalb Wochen am Lido gelten, und zum anderen sowieso. Venedig gehört zu den großen drei Festivals neben Berlinale und Cannes (letzteres fiel im Mai der Corona-Pandemie zum Opfer). Eine Einladung ist eine besondere Ehre.

Deutschland tritt mit einem politischen Film an

In der Filmografie der 44-jährigen Deutschen stehen bislang Werke wie die launige Pilgergeschichte “Ich bin dann mal weg” (2011) mit Devid Striesow oder der Kinderfilm “Hanni & Nanni 2” (2015). Da ist der Wettbewerb in Venedig doch noch mal ein ganz anderes Kaliber.

Einen politischen Film hat von Heinz gedreht. Davon gibt es in Deutschland nicht allzu viele, und manche sehen die Regisseurin schon als Nachfolgerin einer Margarethe von Trotta (“Die bleierne Zeit”). Von Heinz erzählt von der Jurastudentin Lisa (Mala Emde), die Mitgliedern einer Antifa-Gruppe wird, um sich dem Rechtsruck in ihrem Land entgegenzustellen – Flüchtlingsunterkünfte brennen, die rassistische Gewalt nimmt zu, Neonazis rücken in die Mitte der Gesellschaft vor. Aber kann und darf Gewalt ein politisches Mittel sein?

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Schauspielerin Tilda Swinton (r) hält den Goldenen Löwen für das Lebenswerk, der von Jurypräsidentin Cate Blanchett während der Eröffnungszeremonie der 77. Internationalen Filmfestspiele von Venedig, überreicht wurde.  @ Quelle: Domenico Stinellis/AP/dpa

Die Idee zu “Und morgen die ganze Welt” trägt von Heinz bereits seit zwei Jahrzehnten in ihrem Herzen – und es finden sich nach Worten der Regisseurin durchaus autobiografische Bezüge: Auch sie war als Jugendliche in einer Antifa-Gruppe aktiv. Zudem hat von Heinz ein paar Semester Jura studiert, bevor sie bei Rosa von Praunheim und an der Filmhochschule Potsdam-Babelsberg ihr Handwerkszeug lernte. An der Münchener Filmhochschule leitet sie heute den Studiengang Regie.

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Ein paar Promis trauen sich trotzdem nach Venedig

In früheren Jahren wäre von Heinz in Venedig auf starke Konkurrenz aus Hollywood gestoßen. Das Festival galt als begehrte Startrampe für Oscar-Kandidaten. Auch das ist im September 2020 anders, mancher Star ist lieber zu Hause geblieben, und die meisten Studios warten auf bessere Zeiten. Beiträge kommen etwa aus dem Iran, aus Japan, Italien, Frankreich, Polen, Südkorea oder Russland.

Prominente Namen sind trotzdem vertreten. Im Rennen um den Goldenen Löwen finden sich zum Beispiel “Nomadland” mit Frances McDormand, “The World to Come” mit Casey Affleck sowie “Pieces of a Woman” mit Shia LaBeouf. Außer Konkurrenz ist “The Duke” mit Jim Broadbent und Helen Mirren zu sehen. Die britische Schauspielerin Tilda Swinton und die Hongkonger Regisseurin Ann Hui erhalten die Goldenen Löwen für ihre Lebenswerke.

Eröffnet wird das Festival in Venedig am Mittwoch, 2. September, mit dem italienischen Familiendrama “Lacci” mit Alba Rohrwacher. Festivalchef Alberto Barbera hat bereits einen starken Auftritt des Gastgeberlandes angekündigt.

Das Filmfestival wird weiblich

Venedig galt bislang als Macho-Festival, beinahe ebenso wie Cannes. Nun aber die Überraschung: Von 18 Wettbewerbsbeiträgen stammt beinahe die Hälfte von Frauen, darunter das Drama “Never Gonna Snow Again” der Polin Małgorzata Szumowska und der Thriller “Amants” der Französin Nicole Garcia. Und politisch dürfte es nicht nur im deutschen Wettbewerbsbeitrag werden: Auch eine Dokumentation über Klimaaktivistin Greta Thunberg ist annonciert.

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Vergeben werden die Preise am Sonnabend, 12. September, aus berufenen Händen: Oscarpreisträgerin Cate Blanchett präsidiert über die Jury. Auch der deutsche Regisseur Christian Petzold (“Undine”) gehört zum Löwen-Gremium. Vielleicht wird es dann für Julia von Heinz noch einmal ein ganz besonderer Tag.

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