„7500“: Mit den Augen eines Co-Piloten

  • Spannender Thriller aus dem Cockpit: „7500“ erzählt von einer Flugzeugentführung.
  • Der Zuschauer erlebt das Geschehen komplett mit den Augen des Co-Piloten.
  • Regisseur Patrick Vollrath spielt in seinem Kinodebüt clever mit den Ängsten von Passagieren.
Martin Schwickert
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Manchmal ist das Kino ein Therapieraum, in dem das Publikum mit den eigenen Ängsten konfrontiert wird. Mit Klassikern wie „Airport“ (1970) und modernen Nachfolgewerken wie „Flight Plan“ (2005), „Flug 93“ oder „Non Stop“ (2014) hat sich ein eigenes Filmgenre herausgebildet, in dem das terroristische Gefahrenpotenzial der zivilen Luftfahrt ausgelotet wird. Der deutsche Regisseur Patrick Vollrath liefert in seinem Spielfilmdebüt „7500“ eine interessante Variante: Er schildert die Entführung eines Flugzeugs komplett aus der Perspektive des Co-Piloten.

Gewusel im Duty-Free-Shop

Am Anfang sehen wir die Aufnahmen von Securitykameras. Wer im Gewusel zwischen den Duty-Free-Shops genau hinschaut, kann drei Männer ausmachen, die nacheinander auf Toilette gehen und mit anderen Handgepäckstücken wieder herauskommen. Danach springt die Kamera ins Cockpit, das sie für den Rest des Films nicht mehr verlassen wird. Michael Lutzmann (Carlo Kitzlinger) und Co-Pilot Tobias Ellis (Joseph Gordon-Levitt) bereiten sich auf den Flug von Berlin nach Paris vor. Die Türen werden geschlossen, der Airbus wird auf das Rollfeld gelenkt.

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Schon hier zeigt sich die Qualität von Vollraths Erzählweise: Er beobachtet das Startprozedere mit all seinen technischen Details in Echtzeit. Aus der Genauigkeit, mit der das Cockpit als Arbeitsplatz vorgestellt wird, bezieht der Film erste Spannungsmomente und stellt die Hauptfiguren als versierte Profis vor, die zunächst alles unter Kontrolle haben.

Das ändert sich, als die Stewardess (Aylin Tezel) das Mittagessen für die Piloten bringt und drei Männer, mit Glasscherben bewaffnet, das Cockpit stürmen. Im Handgemenge gelingt es den Piloten, zwei der Eindringlinge zurückzudrängen und die Tür wieder zu schließen. Der Kapitän ist schwer verletzt. Tobias, der den dritten Täter bewusstlos geschlagen hat, fesselt diesen und übernimmt die Kontrolle über das Flugzeug. Draußen schlagen die Entführer unaufhörlich gegen die einbruchsichere Tür, drinnen folgt der Pilot dem Protokoll und gibt den internationalen Notfall-Code 7500 durch.

Die Maschine muss gelandet werden

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Die Anweisungen für einen solchen Fall sind klar: Die Tür darf auf keinen Fall geöffnet, die Maschine muss auf dem nächsten Flughafen gelandet werden. Aber die Entführer geben nicht auf. Sie drohen, Geiseln zu töten – und auch der gefesselte Komplize erwacht aus der Bewusstlosigkeit.

Mit der strengen formalen Entscheidung, die dramatischen Ereignisse aus der klaustrophobischen Enge des Cockpits heraus zu erzählen, generiert Vollrath ein maximales Spannungspotenzial – und sorgt dafür, dass wir uns mit dem Co-Piloten identifizieren. In der chaotischen Situation muss Ellis eine Überlebensentscheidung nach der anderen treffen.

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„7500“ ist ein kleines, kompaktes, klug konstruiertes Spielfilmdebüt. Hollywoods Headhunter haben Regisseur Vollrath bestimmt schon auf dem Radar.

„7500“, Regie: Patrick Vollrath, mit Joseph Gordon-Levitt, Carlo Kitzlinger, 92 Minuten, FSK 12

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