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50 Jahre „Tatort“: Kommissar Schimauski geht in Entenhausen auf Verbrecherjagd

  • Im neuen „Lustigen Taschenbuch“ ermitteln Comickommissare, die stark an die Kommissare aus der Kultkrimireihe erinnern.
  • Der Band erscheint zum 50-jährigen Jubiläum des „Tatort“. Mit dabei ist auch der Taxi fahrende „Vaddern“ aus den Münster-Krimis.
  • Zwei weitere Bücher widmen sich der Serie unter sehr ernsthaften Gesichtspunkten.
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Schon die Augen auf dem Cover des „Lustigen Taschenbuchs“ verraten: Hier verneigt sich Entenhausen vor dem „Tatort“. In der Titelgeschichte, die schon mit ihrem Namen „Taxi nach Entenhausen“ auf die erste Folge der Kultkrimiserie, „Taxi nach Leipzig“, vor genau 50 Jahren verweist, kommen alle ehemaligen Kommissare der Entenhausener Polizei zu deren Dienstjubiläum (50 Jahre, klar) zusammen.

Die Comicfiguren haben unübersehbare Ähnlichkeit etwa mit den Kommissaren Batic und Leitmayr aus München, zu Boerne und Thiel aus Münster oder zu Lena Odenthal aus Ludwigshafen.

Doch wo das Gute weilt, ist das Böse nicht weit. Die Panzerknacker, Kater Karlo und Hexe Gundel Gaukeley – also die Crème de la Crème des Entenhausener Verbrechens – locken die Kommissare in eine Falle. Sie sitzen fest, und ohne Ordnungshüter lassen sich natürlich wunderbar Raubzüge durch die Entenhausener Innenstadt machen.

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Internationaler Führerschein gilt auch in Entenhausen

Doch die Verbrecher haben die Rechnung ohne Horst Schimauski und Donald Duck gemacht. Schimauski, stilecht in labbriger Schimmi-Fliegerjacke, und der wie immer zunächst tollpatschige Erpel versuchen, die Kommissare zu befreien und die Räuberbande festzunehmen.

Ein schöner Einfall am Rande: Der Taxifahrer, der Donald in seinem Gefährt transportiert, hat ebenfalls ein bekanntes „Tatort“-Gesicht: Pate stand der Schauspieler Claus Dieter Clausnitzer, der im Münster-„Tatort“ den Taxi fahrenden Vater („Vaddern“) von Kommissar Thiel (Axel Prahl) spielt. „Ich habe ja einen internationalen Führerschein und darf überall fahren, auch in Entenhausen“, sagt Clausnitzer. „Das finde ich richtig toll, dass ich dabei sein darf und sozusagen eine Comicfigur spiele. Da kann man so richtig überziehen, und das mache ich sehr gern.“

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Aber auch jenseits dieser Titelgeschichte bleibt es spannend im neuen „Lustigen Taschenbuch“. So geht Micky auf Verbrecherjagd mit einem sizilianischen Commissario namens Mausalbano, der schon aus vorhergehenden „Lustigen Taschenbüchern“ bekannt ist. Wer denkt da nicht an den ermittelnden Essensliebhaber Montalbano aus der gleichnamigen Krimireihe von Andrea Camilleri?

Kommissar Donald Duck im „Lustigen Taschenbuch“ „Zurück am Tatort Entenhausen“. © Quelle: Egmont Ehapa Media GmbH

Das „Lustige Taschenbuch“ 539 „Zurück am Tatort Entenhausen“ erscheint bei Egmont Ehapa, hat 256 Seiten und kostet 6,99 Euro.

Wissenschaftliche Beschäftigung mit dem „Tatort“

Der „Tatort“ war von Anfang an als neuer deutscher Gesellschaftsroman angelegt. Bis heute werden gesellschaftliche Phänomene und Probleme thematisiert. Aus diesem Grund ist in den vergangenen Jahren das wissenschaftliche Interesse an der Krimiserie gewachsen. Ein Beispiel für eine akademische Beschäftigung mit dem „Tatort“ ist der Sammelband „Zwischen Serie und Werk“. Die Beiträge dieses Buchs interessieren sich „aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven für eine fernseh- und gesellschaftsgeschichtliche Verortung des Formats und nehmen dabei zudem dessen spezifische Produktions- und Organisationslogik mit in den Blick“, wie es im Vorwort heißt.

Einzelne Beiträge untersuchen dabei neben vielem anderem die Darstellung der Protagonisten, gesellschaftspolitische Themen in der Krimireihe, den sozialen (und sich ändernden) Umgang mit dem Tod sowie die Rolle des MDR-„Tatort“ für das Verständnis ostdeutscher Probleme und Mentalitäten. Der Band, der aufgrund seines akademischen Hintergrunds nicht unbedingt nur locker wegzulesen ist, ermöglicht tiefgreifende Erkenntnisse über eine TV-Serie, die nicht nur ein TV-, sondern zwischendurch auch immer wieder ein gesellschaftliches Ereignis ist.

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Das Buch „Zwischen Serie und Werk“ ist vor sechs Jahren bei Transcript erschienen, hat 414 Seiten und kostet 33,99 Euro.

Der „Tatort“ und die Philosophie

Einen anderen Ansatz wählt der Band „Der Tatort und die Philosophie“. Die Autoren setzen ihre jeweiligen Einzelthemen in Beziehung zu den großen Philosophen der Welt. Die meisten dieser großen Denker kannten allesamt den „Tatort“ natürlich nicht aus eigener Anschauung, selbst Theodor W. Adorno ist noch ein Jahr vor der ersten Folge „Taxi nach Leipzig“ gestorben. Aber diese Philosophen haben Ideen, Theorien und Denkfolien hinterlassen, die sehr gut auf den „Tatort“ projiziert werden können.

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Da geht es beispielsweise um die Frage: „Woher kommt das Böse? – Hannah Arendt und die Ästhetik des Mordens“, der Svenja Flaßpöhler nachgeht. Oder um „Friedrich Nietzsche und die ‚Tatort‘-Musik als Geburt der Tragödie“, der sich Florian Werner widmet. Es geht des Weiteren um die Liebe zum Tod, das Ermitteln als Arbeit und die 90-minütige Dauer einer „Tatort“-Folge.

Herausgeber Wolfram Eilenberger fragt gleich zu Beginn, warum die „vergleichsweise junge Gattung der Kriminalgeschichte zum dominanten Format der westlichen Populärkultur“ werden konnte. Eilenberger findet eine Antwort in der Tradition der Aufklärung und in Kants Definition dieser weltverändernden Epoche als „den Auszug des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“. Die Aufklärung, so Eilenberger, „bedeutete die nachhaltige Mobilisierung der menschlichen Vernunft gegen die irrationalen Kräfte des Gefühls, der Tradition und des Mythos. Aufklärung, das ist der Kampf des Lichts gegen das Dunkle und damit nicht zuletzt des Guten gegen das Böse.“ Wirklich vernünftige Menschen aber mordeten nicht. „Was anderes aber inszeniert der ‚Tatort‘ jeden Sonntag als den absehbaren Siegeszug einer moralischen Vernunftordnung gegen die triebhaften Kräfte der Unvernunft?“, fragt Eilenberger weiter.

„Schlauer werden mit der beliebtesten Fernsehserie“ lautet der Untertitel dieses Buches, das 2014 bei Klett-Cotta erschienen ist (220 Seiten, 18 Euro). Wer es liest, kann sich nicht dagegen wehren.

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