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2G-Regelung ist für die Kulturbranche kein großer Hoffnungsträger

  • In Hamburg gilt ab dem Wochenende das sogenannte 2G-Optionsmodell – Zutritt also nur für Geimpfte und Genesene.
  • Für viele Kultureinrichtungen könnte das mehr zugelassene Personen und mehr verkaufte Tickets bedeuten.
  • Doch Theaterhäuser, Kinos und Konzertveranstalter bleiben skeptisch – und das hat mehr als nur einen Grund.
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Hannover. Die Türen öffnen sich, nur Geimpfte oder Genesene strömen in den Theatersaal, sie sitzen eng beieinander. Die Masken bleiben unten. So könnte es aussehen, wenn sich ein Theater dafür entscheidet, das sogenannte 2G-Modell anzuwenden. Ab Samstag dürfen Kneipenbesitzer, Clubbetreiber und Theaterdirektoren in Hamburg selbst entscheiden, ob sie nur noch Ungeimpfte und nicht Genese reinlassen oder nicht.

Gerade für Kinos und Theaterhäuser könnte die 2G-Optionen rein theoretisch viele Probleme lösen, hat der Hamburger Senat doch versprochen, dass bei der Anwendung mehr Personen bei der Veranstaltung teilnehmen dürfen – und das maskenlos. Es ließen sich mehr Tickets verkaufen und damit auch wieder mehr Umsatz machen. Und in der Praxis? Könnte das 2G-Modell, wenn es denn politisch Zustimmung findet, bundesweit umgesetzt werden?

Kino-Verband: „unverhältnismäßige Einschränkung”

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Da sind die Reaktionen noch verhalten. Zwar freuen sich viele Akteure über den Rückweg in die Normalität in Besetzungssachen, doch noch herrscht Skepsis – in den vergangenen eineinhalb Jahren wurden schließlich unterschiedliche Erfahrungen mit diversen coronakonformen Öffnungsmodellen gemacht. Klare Worte findet der Verband HDF Kino: „Eine weitere Verschärfung in Richtung 2G sehen wir als unverhältnismäßige Einschränkung für den Kinobesuch sehr kritisch und appellieren an die Politik, die Verantwortung für den Impffortschritt nicht unter anderem an die Kultureinrichtungen abzugeben und uns Kinos damit weitere Hürden aufzuerlegen, wirtschaftlich arbeiten zu können”, heißt es dort auf Nachfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND). „Kein Kinobetreiber möchte auch nur einen Besucher wegschicken müssen, aus welchen Gründen auch immer”, heißt es weiter.

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Während Kinos Tickets häufig eher kurzfristig verkaufen – und so auch im Zweifelsfall kurzfristig reagieren können –, starten Theaterhäuser gerade erst in die neue Spielzeit und haben häufig die Tickets bereits für einen Großteil der Saison verkauft. So geht es auch dem Thalia-Theater in Hamburg. Nach den bisherigen Erfahrungen in der Corona-Pandemie mit schnell ansteigenden Infektionsraten werden hier Tickets zwar immer nur für den Folgemonat verkauft, dennoch kann das Theater nicht so schnell umschwenken. „Im September bleiben wir bei 3G, weil wir unseren Besucherinnen und Besuchern die Karten auch unter dieser Prämisse verkauft haben”, sagt Maren Dey, Pressesprecherin des Hauses, im Gespräch mit dem RND. Hier bleibt damit auch das bewährte Hygienekonzept: Schachbrettsitzordnung und Masken am Platz. „Für den Oktober müssen wir uns nun überlegen, wie wir da vorgehen. Für kleinere Spielstätten könnte 2G durchaus eine Option sein.” Resigniert führt sie an: „Wir hatten die Hoffnung, dass jetzt ein bisschen Ruhe einkehrt.”

Viele Tickets schon längst verkauft

Der Deutsche Bühnenverein, der staatliche wie private Theater vertritt, hält sich auch mit Euphorie zurück, auch wenn er Vorteile sieht: „Die Theater- und Konzertsäle haben mit den aktuellen Hygienekonzepten gute Erfahrungen gemacht und gehen mit 3G in die neue Spielzeit, allerdings würden mehr Plätze ein Schritt Richtung Normalität bedeuten und möglicherweise gerade für privat finanzierte Bühnen Vorteile bringen”, so der Verein auf Anfrage. Denn privat geführte Theaterstätten seien anders als staatlich geförderte auf den Ticketverkauf angewiesen, um ihre Produktionen zu finanzieren.

Lassen sich die Säle voll besetzen, können auch mehr Tickets verkauft werden. Für die Theater könnte die 2G-Option somit mehr Wahlfreiheit bedeuten: „Das 2G-Modell gibt den Veranstaltungsorten die Möglichkeit, selbst zu entscheiden. Es ist aber unseres Erachtens nur umsetzbar, wenn sehr viele Menschen vollständig geimpft sind und sollte jetzt nicht staatlich angeordnet werden.”

Rechtliche Fragen noch offen

Viele Kultureinrichtungen werden nun nach Hamburg blicken, um zu schauen, ob sich die 2G-Regelung in der Praxis auch trägt. So auch der Deutsche Bühnenverein. „Wir werden genau verfolgen, welche Erfahrungen in Hamburg mit dem Optionsmodell jetzt gesammelt werden“, heißt es dort auf Anfrage des RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Regelungen brauche es zum Beispiel für die Gruppen, die sich nicht oder nur eingeschränkt impfen lassen können. Auch seien arbeitsrechtliche Fragen, also welche Rolle ungeimpfte Mitarbeitende spielen, noch nicht geklärt.

Die Konzertveranstalter stehen vor ähnlichen Problemen wie die Theaterhäuser – auch hier sind viele Tickets längst verkauft worden. „Besonders bei der Betrachtung, dass wir bereits eine Vielzahl an Konzerten im Vorverkauf haben, bei denen die neue Regelung noch nicht in Kraft war, bringt diese Grauzone uns Veranstaltende in die Situation, dass wir nachträglich Veränderung elementarer Vertragsgrundlangen unseren Kundinnen und Kunden gegenüber vornehmen, was natürlich nicht hinnehmbar für uns ist”, so der Pressesprecher Frehn Hawl vom Konzertveranstalter Karsten Jahnke. Dazu komme, dass Konzertveranstalter bundesweit agiert – das Vorpreschen einzelner Bundesländer also nicht mehr Handlungsmöglichkeiten bedeutet. Gleichzeitig kritisiert er, ähnlich wie der Kinoverband: „Hinzu kommt, dass die 2G-Regelung als Optionsangebot die Folge hat, dass die Veranstaltungsbranche, die 18 Monate nur auf behördlicher Verordnungsbasis agieren konnte, hierdurch gewissermaßen in die Rolle einer Exekutive der Politik gemacht wird, was die Umsetzung betrifft.”

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