250 Jahre Beethoven: Das muss man hören

  • Die Fünfte, die Neunte, “Fidelio” – ein paar Werke von Beethoven können die meisten aufzählen.
  • Doch der Komponist hat noch weitaus mehr Stücke geschrieben.
  • Was lohnt sich besonders?
Stefan Arndt
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Mitreißend

Sonate für Klavier und Violine Nr. 9 op. 47 (“Kreutzer-Sonate”) mit Isabelle Faust und Alexander Melnikov: Noch nicht ganz wach? Allein im ersten Satz steckt eine unwiderstehlich mitreißende Energie, die viele wohl nie hinter einem Wort wie Violinsonate vermuten würden. Faust und Melnikov spielen das, als ob es um ihr Leben ginge. Viel weniger lässt diese Musik allerdings auch nicht zu.

Glückselig

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Sinfonie Nr. 6 op. 68 (“Pastorale”) mit Paavo Järvi und der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen: Beethovens Musik erzählt oft von Kämpfen und selbst in der 9. Sinfonie sind in der “Ode an die Freude” stets die Ausrufezeichen mitzuhören. Das Finale der “Pastorale” dagegen ist friedliche Musik und Järvi ein Dirigent, der auch in viel gespielter Musik etwas Neues hörbar machen kann. “Mehr Ausdruck der Empfindungen als Malerei”, hat der Komponist von seiner tönenden Naturschilderung gesagt. Hier ist es Glückseligkeit.

Lässig-ekstatisch

Klaviersonate Nr. 21 op. 53 (“Waldstein-Sonate”) mit Igor Levit: Beethoven war ein Genie – wer nicht genau weiß, was dieser Satz eigentlich bedeutet, kann hier eine Vorstellung davon gewinnen. Das Stück ist eher Naturereignis als das, was man üblicherweise unter Musik versteht. Eine kraftvoll maßlose Grenzüberschreitung, die einen Pianisten erfordert, der Lässigkeit und Ekstase so vollendet ausbalancieren kann wie Levit.

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Erhellend

Streichquartett Nr. 15 op. 132 mit dem Belcea Quartet: Beethovens späte Streichquartette gelten noch immer als maximal komplizierte Musik. Zu Unrecht: Den dritten Satz etwa hat der Komponist mit “Heiliger Dankgesang eines Genesenden an die Gottheit” überschrieben – hier hört man, wie einem Menschen nach dunkler Nacht wieder die Sonne aufgeht. Beim Balcea Quartet dauert das mit 20 Minuten fast fünf Minuten länger als bei den meisten ihrer Kollegen. Umso besser.

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Vielschichtig

Konzert für Violine und Orchester op. 61 mit James Ehnes und dem Royal Liverpool Philharmonic Orchestra unter Leitung von Andrew Manze: In einem Konzert steht ein Solist einer größeren Gruppe gegenüber. Er fügt sich ein, er eckt an, er animiert die Masse oder wird selbst von ihr fortgerissen. Beethovens einziges Violinkonzert ist auch eine vielschichtige Studie über die Möglichkeiten des menschlichen Zusammenlebens. Ideal für vollendete Kommunikatoren wie Ehnes und Manze.

Überraschend

Klavierkonzert Nr. 5 op. 58 mit Lars Vogt und der Royal Northern Sinfonia: Ein Stück, um das Gehör zu eichen – wer die ersten Akkorde gehört hat, weiß fortan, wie Es-Dur klingt. Es ist eine Tonart, bei der man sich beim Hören automatisch aufrichtet. “Kaiserkonzert” wird das Stück im englischen Sprachraum genannt. Vogt aber ist ein Pianist, der an Ehrfurcht und Etikette nicht interessiert ist. Er ist voller Lust am Spiel und der Überraschung.

Einzigartig

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Missa Solemnis op. 123 mit Nicolaus Harnoncourt, dem Concentus Muscus Wien und dem Arnold Schönberg Chor: Das große Rätsel in Beethovens Werk. “Von Herzen – möge es wieder zu Herzen gehen” hat Beethoven als eine Art Motto über seine Partitur geschrieben. Ganz von allein passiert das aber nicht: Es dauert, sich in die einzigartige Sprache dieser Messe einzuhören. Auch der große Musikentdecker Harnoncourt hat sich Zeit genommen: Die Missa Solemnis ist die letzte Aufnahme des 2016 gestorbenen Dirigenten.

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