Zwölf oder 50 Coronavirustote: Iran meldet widersprüchliche Zahlen

  • Irans Gesundheitsminister bestätigte das zwölfte Covid-19-Opfer im Land, 61 weitere Menschen seien infiziert.
  • Nach China ist Iran damit das Land mit den meisten Todesopfern.
  • Allerdings gibt es wachsende Zweifel an den offiziellen Zahlen, ein Politiker behauptet, es seien bereits 50 Menschen gestorben.
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Dubai. Binnen weniger Tage sind im Iran, nach China, die meisten Menschen am neuartigen Coronavirus verstorben. Die Zahl der gemeldeten Covid-19-Opfer ist auf 12 gestiegen. Das bestätigte Irans Gesundheitsminister Saeid Namaki am Montag. Laut Ministeriumssprecher Kianusch Dschahanpur sind bislang insgesamt 61 Menschen aus sechs verschiedenen Teilen des Landes positiv auf das Virus getestet worden. Doch es gibt Zweifel an den offiziellen Zahlen.

Am Montag sagte Ahmad Amirabadi Farahani, Politiker aus der Stadt Ghom, dass dort bereits 50 Menschen gestorben seien, während das Gesundheitsministerium auf der deutlich niedrigeren Zahl von landesweit zwölf Opfern beharrte. Das staatliche Fernsehen hatte Stunden zuvor von 47 Infektionsfällen insgesamt gesprochen, diese Zahl erhöhte das Ministerium zwar auf 61, blieb aber in Bezug auf die Toten bei den angegebenen zwölf.

Die widersprüchlichen Zahlen werfen nicht nur Fragen zur Transparenz auf, sondern lassen Experten auch sorgenvoller auf die allgemeine Ausbreitung des Virus blicken: Steigende Fälle im Iran, in Südkorea und Italien könnten auf eine neue Stufe des Ausbruchs hindeuten.

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Todesfälle bereits Anfang Februar?

Nach Angaben des Politikers Farahani reichen die Todesfälle bis zum 13. Februar zurück. Ihre ersten offiziellen Ansteckungen und Todesfälle meldete die Islamische Republik am 19. Februar. Belege für seine Angaben lieferte Farahani nicht. Mehr als 250 Menschen seien in Ghom unter Quarantäne gestellt worden, sagte er.

Teherans Schritte zur Eindämmung des Virus seien nicht erfolgreich gewesen, sagte Farahani, der damit die Regierung von Präsident Hassan Ruhani kritisierte. “Keine unserer Krankenschwestern hat Zugang zu Schutzausrüstung”, beklagte er. Einige Gesundheitsexperten hätten Ghom verlassen. “Bisher habe ich keine entschiedenen Schritte der Regierung gesehen, das Coronavirus anzugehen.”

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Zuerst hatte die halbstaatliche Nachrichtenagentur Ilna über Farahanis Anmerkungen berichtet, später griffen andere Agenturen sie auf.

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Türkei und Saudi-Arabien schließen Grenzübergänge

Die Türkei hatte bereits am Sonntag ihre Grenzübergänge zum Iran geschlossen, um eine Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 zu verhindern. Zudem dürften von 20 Uhr Ortszeit (18 Uhr MEZ) an keine Flüge aus dem Iran mehr in der Türkei landen, sagte Gesundheitsminister Fahrettin Koca. Dies gelte “vorübergehend”. In der Türkei selbst ist bislang kein Fall gemeldet worden.

Ebenfalls am Sonntag teilte Saudi-Arabien nach den neuen Fällen mit, dass seine Bürger nicht mehr in den Iran reisen dürften. Jeder, der im Iran gewesen sei und nach Saudi-Arabien wolle, müsse erst einmal 14 Tage in Quarantäne, teilte das Königreich mit. Damit wird Tausenden Pilgern, die zu den heiligen muslimischen Stätten von Mekka und Medina reisen wollen, de facto vorerst die Einreise verwehrt. Die große jährliche Pilgerfahrt Hadsch findet dieses Jahr Ende Juli statt.

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Die Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie setzte den Dax zu Wochenbeginn stark unter Druck.  © Reuters

Erster Fall im Nachbarland

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Im Nachbarland Afghanistan wurde am Montag der erste Fall einer Erkrankung bestätigt. Er sei in der an den Iran grenzenden Provinz Herat im Westen des Landes aufgetreten, wie Gesundheitsminister Firusuddin Firus in einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz sagte. Firus riet seinen Landsleuten dringend, nicht nach Herat oder aus Herat in andere Landesteile zu reisen. Afghanistan hat vorübergehend seine Grenze zum Iran geschlossen.

RND/dpa/AP

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