• Startseite
  • Gesundheit
  • Zweite Dosis Johnson & Johnson: Darum empfiehlt die Stiko jetzt eine zweite Impfung

Johnson & Johnson: Darum empfiehlt die Stiko jetzt eine zweite Impfung

  • Der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson musste bislang nur ein einziges Mal verabreicht werden.
  • Doch das soll sich nun ändern.
  • Wer mit dem Vektorvakzin geimpft wurde, soll nun eine zweite Dosis erhalten, empfiehlt die Ständige Impfkommission. Wir klären, warum.
|
Anzeige
Anzeige

Mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland haben sich bislang mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson gegen Covid-19 impfen lassen. Notwendig war dafür nur eine einzige Impfdosis, weshalb das Vakzin oftmals als „Einmalimpfstoff“ bezeichnet wurde. Diesen Beinamen könnte der Wirkstoff nun verlieren: Laut der Ständigen Impfkommission (Stiko) reicht eine einzelne Dosis nicht mehr aus. Das Expertengremium, das am Robert Koch-Institut (RKI) angesiedelt ist, hat sich am Donnerstag dafür ausgesprochen, dass sich alle Johnson-&-Johnson-Geimpften ein weiteres Mal impfen lassen sollten. Diese zweite Impfung soll mittels mRNA-Vakzin erfolgen – das heißt, mithilfe der Wirkstoffe von Biontech/Pfizer oder Moderna. Doch warum braucht es überhaupt eine zweite Dosis?

Die Pandemie und wir Unser Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise ‒ jeden Donnerstag.

So viele Impfdurchbrüche gab es unter Johnson-&-Johnson-Geimpften

Anzeige

Die Stiko führt gleich zwei Gründe dafür an. Zum einen seien bei Johnson-&-Johnson-Geimpften verhältnismäßig viele Impfdurchbrüche aufgetreten. Als Impfdurchbruch definiert das RKI eine symptomatische Corona-Infektion, die bei vollständig geimpften Personen diagnostiziert wird.

Tatsächlich listet das RKI in seinem Wochenbericht vom 7. Oktober insgesamt 9858 Impfdurchbrüche, die seit Anfang Februar dieses Jahres im Zusammenhang mit dem Vakzin von Johnson & Johnson gemeldet wurden. Bei ihrer Entscheidung hat die Stiko vor allem berücksichtigt, wie viele Durchbruchserkrankungen im Verhältnis zur Anzahl der verabreichten Impfdosen aufgetreten sind. Bei Johnson & Johnson waren es 9858 Impfdurchbrüche bei 3.222.021 Impfdosen – was einem Anteil von 0,31 Prozent entspricht.

Zwar sind auch im Zusammenhang mit Impfstoffen anderer Hersteller Ansteckungen bei vollständig Geimpften beobachtet worden, ins Verhältnis gesetzt waren es aber nicht so viele wie bei Johnson & Johnson. Zum Beispiel gab es bei Biontech/Pfizer 44.705 Durchbruchserkrankungen bei 42.275.715 Dosen. Das entspricht einem Anteil von 0,11 Prozent, also weniger als bei Johnson & Johnson. Ähnlich sieht es auch bei den Vakzinen von Moderna und Astrazeneca aus.

Anzeige

Warum bei Johnson-&-Johnson-Geimpften mehr Impfdurchbrüche verzeichnet werden, erklärt sich Immunologe Carsten Watzl wie folgt: Bei dem Vektorvakzin dauere es länger, bis ausreichende Mengen an Antikörpern gebildet sind. „Teilweise steigen die Spiegel mehr als einen Monat nach der Impfung noch an“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Nach 14 Tagen, nach denen Geimpfte als vollständig immunisiert gelten, seien Johnson-&-Johnson-Geimpfte noch nicht voll geschützt. „Und die Antikörperspiegel liegen deutlich unterhalb derer, die durch die anderen Impfstoffe erzeugt werden.“

Delta beeinträchtigt Impfstoffwirksamkeit

Außerdem scheint das Vektorvakzin weniger wirksam gegen die Delta-Variante zu sein. Zumindest führt die Stiko eine geringere Effektivität als weiteres Argument für die Zweitimpfung an. Delta, eine Mutante, die deutlich ansteckender ist als ihre Vorgänger, dominiert mittlerweile das Infektionsgeschehen in Deutschland und beeinflusst auch die Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe. Dass eine Eimaldosis gegen die Virusvariante nicht ausreicht, hatte bereits eine Laborstudie von Ende Juli nahegelegt.

Die Untersuchung war zu dem Ergebnis gekommen, dass eine einzelne Dosis des Johnson-&-Johnson-Impfstoffs eine deutlich schwächere Schutzwirkung gegen die Delta-Variante erzielt, verglichen mit den Wirkstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna. „Die Impfung mit Ad26.COV2.S [dem Impfstoff von Johnson & Johnson, Anm. d. Red.] sorgte für IC50-Titer gegen die Beta-, Delta-, Delta-plus- und Lambda-Varianten, die um das Fünf- bis Siebenfache abnahmen, was zu mittleren neutralisierenden Antikörpertitern von 33, 30, 41 beziehungsweise 36 gegen Viren mit den Beta-, Delta-, Delta-plus- und Lambda-Varianten-Spikes führte“, schrieb das Forscherteam um Nathaniel Landau von der Grossman School of Medicine in New York.

Stiko: Impfschutz ist „ungenügend“

Anfang September hatte wiederum Hersteller Johnson & Johnson eine Studie herausgebracht, die im Fachmagazin „The New England Journal of Medicine“ erschienen ist. Diese habe zeigen können, dass sowohl die Antikörper als auch die T-Zellen – letztere erkennen das Virus bei erneutem Kontakt wieder und zerstören es – noch acht Monate nach der Impfung „stark und stabil“ waren, hieß es in einer Pressemitteilung des Pharmakonzerns. Diese zwei Schutzmechanismen seien auch gegen die Delta-Variante wirksam.

Video
Kassenärzte erwarten Lockerungen der Corona-Einschränkungen
0:44 min
Nach der Korrektur der offiziellen Impfquote erwartet die Kassenärztliche Bundesvereinigung, eine baldige Lockerung von Corona-Restriktionen.  © Reuters

Auch wenn das Vakzin scheinbar eine lang anhaltende Immunantwort auslöst, der Impfschutz vor schweren Krankheitsverläufen mit der Delta-Variante fällt niedriger aus als bei den anderen Corona-Impfstoffen. Das bestätigt eine Studie aus den USA, die auf dem Preprint-Server medRxiv hochgeladen wurde und noch von unabhängigen Expertinnen und Experten begutachtet werden muss. Demnach war eine Impfung mit dem Vektorwirkstoff in den Bundestaaten, in denen Delta weit verbreitet ist, zu 78 Prozent wirksam gegen Infektionen und zu 85 Prozent gegen Krankenhausaufenthalte.

Zum Vergleich: Eine vollständige Impfung mit dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer verhindert zu rund 96 Prozent eine Hospitalisierung, eine Impfung mit dem Astrazeneca-Vakzin zu rund 92 Prozent, wie Daten der britischen Behörde Public Health England von Mitte Juni zeigen. Eine US-amerikanische Studie, die vor wenigen Tagen im Fachmagazin „The Lancet“ publiziert wurde, untermauert die Effektivität des Biontech-Impfstoffes: Demnach schützt das Vakzin zu rund 90 Prozent gegen Covid-19 bedingte Krankenhausaufenthalte.

Die Stiko spricht von einem „ungenügenden Impfschutz“, der bei einer Impfung mit dem Vakzin von Johnson & Johnson hervorgerufen werde. Doch ungenügend bedeutet nicht wirkungslos. Denn die Studienergebnisse verdeutlichen: Auch eine Impfung mit dem Johnson-&-Johnson-Impfstoff kann vor schweren Krankheitsverläufen schützen. Diesen Schutz könnte eine zweite Impfung noch einmal verstärken.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen