Zoff im Lockdown: Wir lieben uns trotzdem

  • Corona hat uns in einen neuen Alltag gestoßen. Wie arrangieren wir uns damit?
  • Das Autorenteam des RND-Newsletters „Die Pandemie und wir“ ordnet die Nachrichten der Woche ein, gibt Einblicke in wissenschaftliche Erkenntnisse und leistet Hilfestellung für die Krisenzeit.
  • In dieser Woche: Impfstoff­entwicklung ist nicht leicht.
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Liebe Leserinnen und Leser,

die Nerven liegen völlig blank. Anders lässt es sich wohl nicht erklären, dass in den Niederlanden Menschen aus Protest gegen die Corona-Ausgangssperre plündernd und randalierend durch die Straßen gezogen sind. „Schamlose Diebe“, klagte Rotterdams Bürgermeister Ahmed Aboutaleb über den Mob. Doch auch im nicht allzu weit entfernten Brüssel scheint das ein oder andere Nervenkostüm reichlich überstrapaziert zu sein. Anders lässt sich das Chaos rund um den Pharmakonzern Astrazeneca und seine (Nicht-)Zusagen an die EU wohl ebenfalls nicht erklären.

Die beiden Parteien liegen offen im Streit. Astrazeneca wird wohl große Mengen des von Staaten wie Deutschland einkalkulierten Impfstoffs später liefern. Das bleibt am Ende die schlechte Nachricht für alle Beteiligten.

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Astrazeneca: Dritter Corona-Impfstoff mit Lieferengpässen
1:27 min
Die Corona-Impfungen sollen mehr Fahrt aufnehmen - dazu soll auch der nächste Impfstoff beitragen, der kurz vor der Zulassung in Europa steht.  © dpa

Was sich da im Großen abspielt, kennen viele Menschen wohl nur allzu gut im Kleinen. Der eine Partner arbeitet bis zum Umfallen im Homeoffice, der andere langweilt sich im wieder und wieder verlängerten Lockdown. Alle hocken aufeinander, die Mittel zur Ablenkung sind begrenzt. Immerhin: Wenn es da zu einem Streit kommt, muss das kein Zeichen für eine schlechte Beziehung sein, sagt die Paar- und Familienpsychologin Anne Milek. Man solle die aktuellen Rahmenbedingungen als „mildernd“ einbeziehen, statt reflexartig den Schluss zu ziehen: Wir lieben uns nicht mehr. Ob das auch für die EU und Astrazeneca gilt?

So oder so: Behalten bitte wenigstens Sie die Nerven!

Anna Schughart

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Die Pandemie und wir Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.

Erkenntnis der Woche

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Man kann es schnell vergessen angesichts der Geschwindigkeit, mit der die ersten Corona-Impfstoffe auf den Markt kamen, aber: Impfstoff­entwicklung ist nicht leicht. Das US-Pharma­unternehmen Merck hat diese Woche die Entwicklung von zwei Corona-Impfstoffen gestoppt. Die Ergebnisse waren schlicht nicht gut genug. Und auch bei Astrazeneca, dessen EU-Impfstoff­zulassung für Freitag erwartet wird, steht unter anderem die Frage im Raum, ob das Vakzin für ältere Menschen freigegeben wird.

Dass Impfungen bei älteren Menschen weniger gut wirken, ist ein Problem, das auch von anderen Immunisierungen her bekannt ist. Der Grund dafür, dass ältere Menschen schlechter auf Impfungen ansprechen und gleichzeitig anfälliger für viele Krankheiten sind, sind Veränderungen des Immunsystems, erklärt RND-Autorin Irene Habich. Mit zunehmendem Alter funktioniert die körpereigene Abwehr weniger gut.

Alltagswissen

Können und sollen sich Allergiker gegen Corona impfen lassen? Die US-Behörde für Immunisierungs­sicherheit hat Fälle von allergischen Reaktionen auf den Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer untersucht. Dabei kam heraus: Bei den 1,9 Millionen Dosen, die zwischen dem 14. und dem 23. Dezember gespritzt wurden, traten in 21 Fällen allergische Schocks auf.

Meldungen über allergische Reaktionen seien zu erwarten gewesen, sagt Ludger Klimek, Experte für durch Impfungen hervorgerufene allergische Reaktionen. Trotzdem mahnt er: „Es ist wichtig, die Risiken klar zu kommunizieren und das Auftreten allergischer Reaktionen nicht zu verharmlosen – auch wenn es sich um seltene Ereignisse handelt.“ Möglicherweise gefährdete Patienten müssten vor der Impfung ausfindig gemacht werden. „99 Prozent der Allergiker in Deutschland können sich mit den mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna impfen lassen“, sagt er. Dazu gehörten zum Beispiel Menschen mit Heuschnupfen.

Allergologen vermuten aber, dass der stabilisierende Inhaltsstoff Polyethylenglycol in den mRNA-Impfstoffen für die allergischen Reaktionen verantwortlich ist. Deshalb rät Klimek: „Bei unklarem Verdacht und sehr vielen möglichen Allergien sowie bei Allergien gegen Medikamente und Kosmetika sollte deshalb vor der anstehenden Impfung der Facharzt aufgesucht werden.“

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Zitat der Woche

Dann haben wir Fallzahlen nicht mehr von 20.000 oder 30.000, sondern im schlimmsten Fall von 100.000 pro Tag.

Christian Drosten, Virologe warnt davor, die Maßnahmen zu früh zu beenden, wenn Teile der Bevölkerung schon geimpft sind.

Forschungsfortschritt

Die neuen Corona-Varianten breiten sich zunehmend auch in Deutschland aus. Das trifft besonders auf die britische Variante B.1.1.7 zu. Wie gefährlich diese Varianten sind, daran wird noch geforscht. Der britische Premierminister Boris Johnson verkündete neulich, B.1.1.7 ginge mit einer erhöhten Sterblichkeit einher. Das gilt jedoch als fraglich.

Was sich aber zeigt: Die Coronavirus-Variante könnte sich bei Infizierten leicht anders bemerkbar machen. Husten, Müdigkeit, Gliederschmerzen und Halsschmerzen treten laut einer Studie der britischen Statistikbehörde ONS etwas häufiger auf. Der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns wurde etwas seltener beobachtet.

Pandemie im Ausland

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Manaus wird von einer zweiten Corona-Welle heimgesucht. In den völlig überfluteten Krankenhäusern der größten brasilianischen Stadt im Amazonas­gebiet ging der Sauerstoff aus. Dutzende Kranke erstickten. Gleichzeitig suchen die Menschen am Strand in Rio de Janeiro Erholung vom Corona-Alltag. Und sie nehmen es, wenn der Tag voranschreitet, auch mit den Hygieneregeln nicht mehr so genau.

Die RND-Korrespondenten Tobias Käufer und Ramona Samuel haben sich gefragt: Wie passt das zusammen? „Ich bin hier, weil ich eine Auszeit brauche. Ich will ein paar Stunden raus aus diesem Wahnsinn, abschalten, in freier Natur durchatmen“, berichtet einer.

Menschenmengen genießen am 24. Januar das Wetter am Strand von Ipanema. © Quelle: Bruna Prado/AP/dpa

Was kommt

Die Impfstoff­auswahl wird wachsen. Die Empfehlung zur Zulassung des Impfstoffs von Astrazeneca wird, wie oben geschrieben, für Freitag erwartet. Aber auch das Mittel von Johnson & Johnson wird bereits von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) begleitend zu Tests geprüft. Einen Zeitplan für die Zulassung gebe es jedoch noch nicht, teilt die EMA-Chefin Emer Cooke am Dienstag mit. Ein Antrag auf Zulassung des russischen Impfstoffs Sputnik V sei ebenfalls noch nicht bei der EMA eingegangen. Man habe aber bereits Kontakte zum Hersteller.

Was die Pandemie leichter macht

Im Netz sind allerhand gute Bildungsangebote für Schüler zu finden. © Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Homeschooling ist für Eltern und Kinder eine große Herausforderung. RND-Autor Birk Grüling hat viele verschiedene kostenlose – und gute – digitale Bildungsangebote gesammelt. Sie versprechen sinnvolle und pädagogisch wertvolle Beschäftigung für die Kinder, andererseits können sie die Eltern etwas entlasten. Zu seinen Tipps zählen zum Beispiel Youtube-Kanäle für Kinder oder Wissens­podcasts wie „Nachgefragt“ von Radio Teddy.

Falls Sie Anregungen oder Kritik haben, melden Sie sich gern direkt bei unserem Redaktionsteam: magazin@rnd.de. Wir freuen uns!

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