Demografischer Wandel, Veganer und Auslandsreisen: Kreis der potenziellen Blutspender wird kleiner

Nur drei bis vier Prozent der spendefähigen Menschen in Deutschland spenden auch tatsächlich Blut.

Nur drei bis vier Prozent der spendefähigen Menschen in Deutschland spenden auch tatsächlich Blut.

Greifswald. Die Blutspende-Organisationen in Deutschland bekommen immer weniger Spenden. Die größten Herausforderungen sind dabei die alternde Bevölkerung bei gleichzeitigem Rückgang der Geburten. Aber auch Reisen in tropische Länder und veränderte Ernährungsweisen spielen eine Rolle. Das ist das Ergebnis eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter verschiedenen Organisationen in ganz Deutschland.

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Durch den Geburtenknick in den Nachwende-Jahren ist Ostdeutschland besonders stark betroffen. „Uns fehlen wegen des demografischen Wandels 10.000 Blutspenden im Jahr", sagt Ulf Alpen von der Universitätsmedizin Greifswald. Eine feste Altersgrenze beim Blutspenden gibt es zwar nicht, in der Regel dürfen Erstspender aber nicht älter als 65 sein. Organisationen legen die Altersgrenze selbst fest.

Ein weiterer Grund für weniger Blutspenden ist die Reisefreudigkeit der Deutschen - auch wenn die in der Corona-Pandemie nahezu auf Null gefallen ist. Aber grundsätzlich gilt: Häufigere Ausflüge in tropische Länder erhöhen das Infektionsrisiko bei Touristen. Sie werden deshalb nach der Reise teilweise für Monate für die Blutspende gesperrt.

Blut, Plasma, Stammzellen – Was kann ich alles spenden?

Die bekannteste Form der Blutspende ist die Vollblutspende. Doch auch andere Spendearten werden in Deutschland dringend benötigt. Hier ein Überblick.

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Blutarmut bei Veganern

Auf die Blutspende-Zahlen wirkt sich aber auch ein Ernährungstrend aus. Denn immer mehr Menschen entscheiden sich für eine vegane Ernährung. Die genaue Zahl kann durch Umfragen nur geschätzt werden. Laut der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse von 2019 gab es knapp eine Million Personen, die sich selbst als Veganer bezeichnen würden oder als jemanden, der weitgehend auf tierische Produkte verzichtet. Die Organisation „ProVeg” geht von 1,3 Millionen Menschen aus. Täglich kommen laut Schätzungen rund 200 Veganer hinzu.

Das Problem mit der Blutspende: Veganer leiden häufig unter nährstoffbedingter Blutarmut und dürfen dann nicht spenden. Blutspenden können bei Veganern auch schnell zu einem manifesten Eisenmangel führen, warnt der Sportmediziner und Internist Matthias Marquardt auf der Homepage „eisen-infusion.de". Man könne den Eisenmangel aber durch eine geeignete Kost oder Tabletten und Infusionen wieder ausgleichen. „Man sollte es dann aber auch tun", betont der Arzt.

Mit einem Ernährungsplan können auch Veganer Blut spenden

Es empfiehlt sich daher, Fruchtsäfte oder - schorlen zu den Mahlzeiten zu trinken.

Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes

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Eisen ist ein lebenswichtiger Baustein für die Bildung der roten Blutkörperchen. Der Körper kann das Spurenelement nicht von alleine bilden, sondern muss es mit der Nahrung aufnehmen. Pflanzliche Lebensmittel mit besonders hohem Eisengehalt sind beispielsweise Hirse, Sojabohnen, Pfifferlinge, Bohnen, Roggenvollkornbrot und Haferflocken.

Auch Vitamin C steigert die Eisenaufnahme aus der Nahrung. „Es empfiehlt sich daher, Fruchtsäfte oder - schorlen zu den Mahlzeiten zu trinken", heißt es auf der Homepage des Blutspendedienstes des Bayerischen Roten Kreuzes. Ist der Ernährungsplan hingegen zu einseitig, mit zu wenig eisenreichen Lebensmitteln, verringert sich der Eisenbestand im Körper. Die Gefahr dabei: Es könnte sich ein Eisenmangel entwickeln, der allein durch eine Ernährungsumstellung nicht mehr beseitigt werden kann.

Der Arzt untersucht vor der Spende das Blut

Jeder gesunde Mann kann in Deutschland bis zu sechs Mal im Jahr, jede Frau bis zu vier Mal im Jahr Blut spenden, ohne gesundheitliche Einschränkungen befürchten zu müssen. Doch nur drei bis vier Prozent der spendefähigen Menschen in Deutschland spenden auch tatsächlich Blut. Gespendet werden kann bei Krankenhäusern, gemeinnützigen Organisation oder privaten Unternehmen.

Vor der Spende findet eine ärztliche Untersuchung statt. Das Blut wird auf Krankheitserreger und andere Auffälligkeiten getestet. Krankenhäuser und Unternehmen zahlen üblicherweise etwa 20 Euro für den 45-minütigen Zeitaufwand. Der Spender sollte vorher gut gesättigt sein und viel Wasser getrunken haben, um den Flüssigkeitsverlust gut ausgleichen zu können. Gespendet wird maximal ein halber Liter Blut, mit dem bis zu drei Menschen geholfen werden kann.

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