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Wunde und gereizte Nase durch Corona-Tests? Was Betroffene dagegen tun können

Oft erfolgt der Abstrich für einen Corona-Test über die Nase. Wird dieser falsch durchgeführt, kann das die Nase schädigen.

PCR-, Selbst-, oder Schnelltest: Mittlerweile gibt es im Vergleich zum letzten Winter einige Möglichkeiten, eine Corona-Infektion nachzuweisen. Angesichts der steigenden Infektionsahlen bieten vor allem die Selbst- und Schnelltests eine gute Möglichkeit, sich regelmäßig auf das Virus zu testen, um das Infektionsrisiko im Alltag zu senken. Doch die Abstriche durch das Stäbchen können die Nase, genauer gesagt die Nasenschleimhaut, reizen oder sogar verletzen. Warum ist das so und was können Betroffene tun?

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Warum kann der Nasenabstrich die Nase reizen oder schädigen?

Die Schleimhaut der Nase ist sehr empfindlich, daher sollte man sich „normalerweise nichts in die Nase reinstecken“, sagt Dr. Christian Lübbers, Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (HNO). Aus diesem Grund ist der Niesreiz beim Testen auch ein ganz normaler physiologischer Reflex. Die Nase reagiert auf den Fremdkörper und versucht diesen loszuwerden. Das Niesen oder Jucken seien demnach „völlig undramatisch“, sagt Lübbers.

Dr. Christian Lübbers ist nicht nur HNO-Arzt, sondern als Sprecher des Informationsnetzwerks Homöopathie bekannter Homöopathie-Kritiker.

Dr. Christian Lübbers ist nicht nur HNO-Arzt, sondern als Sprecher des Informationsnetzwerks Homöopathie bekannter Homöopathie-Kritiker.

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Wird der Corona-Test jedoch nicht richtig durchgeführt, kann es zu Schmerzen, Wunden und zum Bluten führen. Bei Schmerzen sollte das Stäbchen auf keinen Fall weiter in die Nase eingeführt werden. „Schmerzen sind natürlich immer ein Zeichen, dass man irgendwelche Bereiche in der Nase berührt, die sensibel innerviert sind, das heißt da sind ganz viele Nervenfasern“, sagt der Facharzt. Beispielsweise könnte dann die sehr schmerzempfindliche Nasenscheidewand angestoßen worden sein. Ein Zeichen entweder dafür, dass das Stäbchen falsch eingeführt wurde oder eine mögliche Nasenscheidewandverbiegung vorliegt. Ist Letzteres der Fall, sollte das andere Nasenloch für den Test verwendet werden. „Die wenigsten Menschen haben auf beiden Seiten eine Nasenscheidewandverbiegung.“

Blutet die Nase, sei das immer ein Gefahrsymptom, so der Experte. „Bei Nasenbluten muss man natürlich ganz vorsichtig sein.“ Möglich ist, dass die Schleimhaut in dem Fall so dünn ist, dass direkt ein Blutgefäß erwischt wurde. „Das passiert aber äußert selten, weil sich viele Blutgefäße der Nase im Bereich der vorderen Nasenscheidewand befinden, die man beim Abstrich unter Sicht aber sehr gut schonen kann“, sagt Lübbers. Eine weitere Ursache können gerinnungshemmende Medikamente sein. Dann muss der Abstrich besonders vorsichtig erfolgen.

Warum ist die Nasenschleimhaut wichtig?

„Die Schleimhaut in der Nase hat ein paar ganz wichtige Funktionen“, sagt Christian Lübbers. „Die Schleimhaut in der Nase ist die Klimaanlage unseres Körpers. Das heißt eine große Funktion ist es, die Atemluft zu befeuchten und anzuwärmen.“ Auch die Nasenschleimhaut selbst ist im gesunden Zustand selbst befeuchtet.

Außerdem hat die Schleimhaut eine wichtige Schutzfunktion: Sie soll Viren und Bakterien ausfiltern. Pro Stunde schleusen sich bis zu 100.000 Viren und 10.000 Bakterien in unser Atemsystem ein. Ist die Nasenschleimhaut allerdings wund oder beschädigt, ist ihre Schutzfunktion beeinträchtigt. Das kann sowohl durch „mechanische Manipulation“, beispielsweise durch das Entfernen von Krusten mit dem Finger, als auch durch Verletzungen durch Corona-Tests passieren. Daher ist es wichtig, dass die Tests richtig ausgeführt werden.

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Wie teste ich richtig, um Schäden in der Nase zu verhindern?

„Ganz wichtig ist es, insbesondere wenn man ganz hinten im Nasenrachen einen Abstrich machen will, dass man sich mit dem Abstrichtupfer am Nasenboden orientiert“, sagt Lübbers. Beim Test solle man sich eine Linie zwischen dem Naseneingang und dem Gehörgang des Ohrs vorstellen und entlang dieser das Stäbchen parallel zum Nasenboden einführen – nicht parallel zum Nasenrücken. „Wenn man in diesem Bereich ist, dann kann man relativ wenig in der Nase kaputt machen.“

Bei diesen zwei Kindern, die sich selbst in der Schule testen, lässt sich der Unterschied gut erkennen. Während das Mädchen das Stäbchen fälschlicherweise am Nasenrücken entlang führt, macht es der Junge richtig: parallel zum Nasenboden.

Bei diesen zwei Kindern, die sich selbst in der Schule testen, lässt sich der Unterschied gut erkennen. Während das Mädchen das Stäbchen fälschlicherweise am Nasenrücken entlang führt, macht es der Junge richtig: parallel zum Nasenboden.

Wird beim Selbsttest auf die richtige Technik geachtet und das Stäbchen bei Schmerzen nicht weiter hineingeschoben, könne man die eigene Nase nicht großartig verletzen. Vor allem nach mehrmaligen Selbsttests wüssten viele mittlerweile, wie es ohne Schmerzen gelingt beziehungsweise welches Nasenloch sich womöglich besser eignet, ist sich Lübbers sicher. Wird der Nasenabstrich an einer Teststelle durchgeführt, sollten diese Erfahrungen auch an die Testerinnen und Tester weitergegeben werden. Doch wichtig sei auch, dass diese entsprechend dafür ausgebildet sind. „Ich bin nicht der Meinung, dass man das einfach in einem Drei-Minuten-Kurs lernen kann.“ Um Tests bei anderen einwandfrei durchführen zu können, müsse das Personal dafür genau den Aufbau der Nase kennen.

Ich muss mich regelmäßig testen lassen – wie beuge ich vor?

Durch das geänderte Infektionsschutzgesetz müssen einige sich nun am Arbeitsplatz oder um mit Bus und Bahn fahren zu können testen lassen. Das bedeutet in manchen Fällen tägliche Nasenabstriche. Das kann – gerade jetzt im Winter – die Nase reizen. Damit die Nasenscheidewand nicht übermäßig leidet, gibt es laut Christian Lübbers einige hilfreiche Möglichkeiten: „Einer der simplen Tipps ist, dass man sich gelegentlich eine Fettsalbe in die Nase schmiert.“ Durch diese oder durch eine Wundheilsalbe wird die Nase innen gepflegt. Dadurch trocknet sie weniger schnell aus und verträgt die Tests besser. Allerdings sollte das nicht unmittelbar vor dem Test erfolgen, da dieser sonst ein falsches Ergebnis liefern kann. Es bietet sich also an, seine Nase zum Beispiel vor dem Schlafengehen zu pflegen.

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Was tun bei generell trockener Nase?

Gerade jetzt in den Wintermonaten bereitet die Nase ohnehin schon einigen Menschen Probleme. Das liegt nicht nur an der trockenen Heizungsluft in Innenräumen, sondern auch an der Luft im Freien. Um die trockene Luft der Heizung auszugleichen, würden viele beispielsweise mit offenem Fenster schlafen. Doch das bewirke das Gegenteil, denn auch die kalte Frischluft trocknet die Schleimhäute aus, erklärt Lübbers. Der Grund: Kalte Luft speichert weniger Feuchtigkeit als warme. Sein Tipp: eine Wasserschale auf die Heizung stellen, um die Luftfeuchtigkeit in der Raumluft zu erhöhen. Auch professionelle Raumluftbefeuchter oder ein feuchtes Handtuch über dem Heizkörper seien eine Lösung. Letzteres werde von HNO-Ärztinnen und -Ärzten oft bei Kindern als zusätzliche Hilfe bei unteren Atemwegsinfekten empfohlen.

Durch die kalte Luft im Winter – und natürlich auch durch die in dieser Zeit gehäuft auftretenden Infekte – arbeitet die Nase meist besonders viel und produziert mehr Krusten und Borken, umgangssprachlich auch Popel genannt. Diese sollten vorsichtig herausgeholt werden, empfiehlt Christian Lübbers. „Also nicht unbedingt mit dem Finger, sondern durch vorsichtiges Schnäuzen“, sagt der Experte. Ebenfalls eine Möglichkeit seien Nasenduschen mit Salzwasser. Um die Krusten und Borken zu lösen, können auch an dieser Stelle Fettsalben helfen. Dadurch ist die Nase vor allen Eventualitäten – ob Nasenabstriche oder kalte Luft – im Corona-Winter geschützt.

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