Forscher entdecken Ursprung des Coronavirus

  • China, Brasilien, Italien, Spanien: Lange gab es Spekulationen darüber, wo Sars-CoV-2 seinen Ursprung hat.
  • Eine neue Studie zeigt nun, dass sich das Virus sehr wahrscheinlich doch, wie so oft vermutet, von China aus in die Welt verbreitete.
  • Auch die Indizien dafür, dass Fledermäuse als Überträger fungierten, häufen sich.
Irene Habich
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Über den Ursprung des neuartigen Coronavirus wurde schon viel gestritten. US-Präsident Trump taufte es das China-Virus und stellte Vermutungen darüber an, dass es aus einem Labor in Wuhan stammt. Peking hatte behauptet, amerikanische Soldaten könnten das Virus nach China eingeschleppt haben, als sie zu einer Militärsportveranstaltung nach Wuhan gereist waren.

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Chronologie des Coronavirus
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Der Beginn des verheerenden Coronavirus war vermutlich ein Tiermarkt in Wuhan/China. In nur wenigen Wochen erreichte das Virus auch Europa.  © RND

Chinas Außenminister hat sich nun erneut dagegen gewehrt, dass China international als Ursprungsland des Corona-Ausbruchs gilt. Nur weil China als erstes Land die Existenz des Virus gemeldet habe, müsse das nicht bedeuten, dass das Virus auch aus China stamme, sagte Wang laut der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag bei einem Besuch in Norwegen. Es habe Berichte gegeben, dass der Erreger womöglich schon früher auch anderswo auf der Welt aufgetreten sein könnte. Tatsächlich war das Virus in Brasilien in Abwasserproben aus dem vergangenen November und in Italien in Abwasserproben aus dem vergangenen Dezember gefunden worden. Der erste größere Ausbruch auf einem Tiermarkt im chinesischen Wuhan hatte sich Ende Dezember ereignet. Auch in China hatte es aber schon im November Fälle gegeben. Und ein früherer Fund in einer Abwasserprobe aus Barcelona aus dem vergangenen März wurde wissenschaftlich stark angezweifelt.

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China doch Ursprungsland des Coronavirus

Wie eine Studie nun gezeigt hat, dürfte das Virus doch wie vermutet aus China stammen. Es ist demnach aber weder auf dem Markt in Wuhan entstanden noch aus einem Labor entwichen. Stattdessen existiert es offenbar schon lange in einer für Menschen ansteckenden Form – befiel aber zuvor nur Fledermäuse.

Fledermäuse wurden schon früh als Reservoir des neuartigen Coronavirus vermutet, genauso wie Pangoline (Schuppentiere), die in China als Delikatesse gelten und auf dem Markt in Wuhan verkauft wurden. Eine Entstehung im Labor hingegen galt unter Wissenschaftlern schnell als unwahrscheinlich, weil die RNA, das Erbgut des Virus, keine Spuren einer künstlichen Manipulation aufweist. Unklar war aber, wann und wie das Virus die Fähigkeit erlangte, Menschen zu infizieren – und damit zu einer Zoonose wurde, einer Krankheit, die zwischen Menschen und Tieren übertragen werden kann.

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Neue Erkenntnisse dazu lieferte nun die Studie, die Ende Juli im “Journal Nature Microbiology” veröffentlicht wurde. Ein internationales Team aus Wissenschaftlern hatte genauer untersucht, wie alt einzelne Abschnitte im Virusgenom sind und welche Abstammung deshalb wahrscheinlich ist.

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Krankheiten von Tieren werden immer häufiger auf Menschen übertragen
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Das neue Coronavirus ist höchstwahrscheinlich auf Tiere zurückzuführen.  © RND/Amandine Cormier
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Erbinformation mit Fledermausvirus nahezu identisch

Die größte genetische Übereinstimmung hat Sars-CoV-2 mit einem Fledermausvirus, das CoV RaTG13 heißt. Forscher hatten dieses Virus erstmals 2013 bei einer Hufeisennasenfledermaus in der chinesischen Provinz Yunnan entdeckt, 1600 Kilometer von Wuhan entfernt. Die Erbinformation von diesem Virus und Sars-CoV-2 ist zu 96 Prozent identisch, weshalb Wissenschaftler von einem gemeinsamen Ursprung der beiden Viren ausgehen. Diese hätten sich aber seit 40 bis 70 Jahren als getrennte Linien weiterentwickelt.

Ausgerechnet der Genabschnitt, der die Bindung an menschliche Zellen erleichtert, ähnelt bei Sars-CoV-2 allerdings stärker einem Coronavirus, das bei Pangolinen vorkommt. Deshalb gab es seit Längerem die Idee, dass Sars-CoV-2 durch einen Genaustausch zwischen Fledermaus- und Pangolin-Coronaviren entstanden sein könnte. Die Autoren der neuen Studie fanden dafür jedoch keinen Hinweis: An der entsprechenden Stelle des Genoms hatte kein Genaustausch mit Pangolin-Coronaviren stattgefunden. Auch wenn Pangoline die Fledermausviren vielleicht als Zwischenwirt auf den Menschen übertragen, hätten sie zu dessen Anpassung an den Menschen nichts beigetragen, so die Forscher.

Virus war in der Theorie schon lange für den Menschen ansteckend

Stattdessen gehen sie davon aus, dass Sars-CoV-2 die entsprechenden Gene schon vor der Abspaltung von der anderen Fledermauslinie besaß – also bereits vor 40 bis 70 Jahren. Vermutlich habe auch die eng verwandte Fledermauslinie aus Yunnan einmal die Fähigkeit besessen, Menschen zu infizieren, diese dann aber wieder verloren.

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Es könne zudem sein, dass weitere für den Menschen infektiöse Coronaviren schon länger bei Fledermäusen zirkulieren. Es sei aber derzeit “unmöglich abzuschätzen”, wie viele solcher Linien es gebe, schreiben die Wissenschaftler. Auch sei es schwierig, sie vor einem Ausbruch bei Menschen zu entdecken. Die neuen Erkenntnisse würden daher noch einmal zeigen, wie wichtig ein weltweites Überwachungssystem für solche Ausbrüche sei.

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