Wie oft sollte man duschen?

  • Häufiges Händewaschen? Besonders in Corona-Zeiten keine Frage. Aber häufiges Duschen? Das wird derzeit unter Promis kontrovers diskutiert.
  • Tatsächlich kann übermäßiges Duschen den Säureschutzmantel der Haut angreifen.
  • Gesicht, Intimbereich und Achselhöhlen sollten dagegen häufiger gereinigt werden.
Katrin Schreiter
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Hannover. Ein paar Infos aus den Badezimmern der Promis gefällig? Im Netz und in den Hochglanzmagazinen erfährt man derzeit so manch schmutziges Detail: Zum Beispiel erklärt Schauspieler Jake Gyllenhaal in der „Vanity Fair“, dass es gut für die Haut sei, nicht zu baden. Und Schauspielkollege Ashton Kutcher verrät in einem Podcast, dass er lediglich seine Körperfalten wasche. Auch Charlize Theron erzählte einst schon gegenüber David Letterman, dass es ihr reiche, einmal in der Woche zu duschen.

Wie viel Körperpflege ist nötig und gesund? Diese Frage ist nicht nur bei den Promis umstritten. Für die Wasserscheuen gibt es im Englischen sogar einen Begriff: „Cleansing Reduction“ – das bedeutet so viel wie „weniger waschen“. Seife und Wasser würden nur den natürlichen Schutzmantel der Haut zerstören und die Haare unnötig austrocknen, so die Argumente gegen die tägliche Dusche. Ein- bis zweimal die Woche duschen – das reicht den „Cleansing Reduction“-Anhängern und -Anhängerinnen zufolge aus.

Wichtige Schutzschicht

Tatsächlich stimmt dem auch ein Großteil der Hautärzte und Hautärztinnen zu. Dabei geht es vor allem um den Gebrauch von Seife und Duschgel. Wie so oft ist die Dosis entscheidend: Die Dermatologen und Dermatologinnen warnen vor einem übermäßigen Einsatz von Seife, egal ob in flüssiger oder fester Form. Denn sie kann die natürliche Schutzschicht der Haut angreifen und zerstören.

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Die oberste Schicht der Haut besteht aus abgestorbenen Hornzellen, verklebt mit Fett und Eiweiß. Dieser natürliche Schutz blockiert die Fremdstoffe, die von außen an die Haut kommen. Und sie verhindert, dass Feuchtigkeit aus dem Körperinneren verloren geht. Auf der Haut befindet sich eine feine Schicht aus Schweiß, Talg und Wasser – Lebensraum zahlreicher Mikroorganismen. Dieses sogenannte Mikrobiom aus Bakterien, Viren und Milben hilft beim Kampf gegen schädliche Keime.

Was passiert beim Einseifen?

Die meisten Seifen haben einen pH-Wert von 8 bis 11 – sie sind damit alkalisch. Beim Einseifen erhöht sich der pH-Wert der Haut, der normalerweise bei einem Wert von 4,8 bis 5,3 liegt. Dabei wird auf der obersten Hautschicht auch ein Teil der schützenden Bakterien abgetötet. Prinzipiell finden das Dermatologen und Dermatologinnen nicht problematisch – denn nach relativ kurzer Zeit normalisiert sich der pH-Wert der Haut wieder.

Doch zu häufiges Duschen und Einseifen kann die Schutzschicht löchrig machen – Chemikalien und Keime können dadurch schneller eindringen. Reizungen oder Juckreiz, Kontaktallergien und sogar Ekzeme können die Folge sein. Wie genau der Körper reagiert, hängt von vielen Faktoren ab. Denn das Mikrobiom der Haut ist von Mensch zu Mensch verschieden. Eine Rolle spielen zum Beispiel Alter, Geschlecht, Erbanlagen sowie Umgebung.

Waschlappen für zwischendurch

Auch das Verbrauchermagazins „Ökotest“ vertritt die Ansicht, dass es aus dermatologischer Sicht bei gesunder Haut ausreicht, zweimal die Woche zu duschen. Allerdings wird eingeräumt, dass Gesicht, Intimbereich und Achselhöhlen häufiger gereinigt werden sollten. Dafür reicht aber auch die Katzenwäsche mit Waschlappen, Wasser und milder Seife oder Duschgel aus. Menschen, die Sport treiben oder viel schwitzen, sollten alten Schweiß regelmäßig abwaschen, damit sich die Haut nicht wundreibt.

„Ökotest“ gibt vor allem industriell hergestellten Massenprodukten eine schlechte Note. Handgemachte Naturseifen müssen aber nicht zwingend die bessere Wahl sein. Als gute Alternative gelten die sogenannten synthetischen Detergenzien, kurz Syndets. Durch ihren relativ niedrigen pH-Wert greifen sie den Säureschutzmantel weniger an. Am besten achtet man auf Bezeichnungen wie seifenfrei, pH-neutral oder pH 5,5. Und nach dem Waschen ist es ratsam, sich mit einem Handtuch trocken zu tupfen, anstatt über die Haut zu rubbeln.

Und wie ist es mit dem Körpergeruch?

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Viele Experten und Expertinnen warnen: Wer den Hautschutz durch übermäßiges Duschen oder Waschen zerstört, um sich von unangenehmen Körpergerüchen zu befreien, bewirkt oft genau das Gegenteil: Es vermehren sich Bakterien, die ungesund sind für die Haut – und die den unangenehmen Körpergeruch sogar verstärken. Hingegen würde sich die Haut daran gewöhnen, seltener abgeseift zu werden – und nach einiger Zeit ihr Gleichgewicht finden. Da sollte man es ruhig auf einen Selbsttest ankommen lassen.

Aber auch den sollte man nicht übertreiben: Musiker Phil Collins soll sich ein Jahr lang nicht geduscht haben – das behauptete zumindest seine Ex-Frau Orianne Bates im Scheidungskrieg. In diesem Punkt sind sich alle Expertinnen und Experten einig: So selten zu duschen, das ist dann auf jeden Fall zu wenig.

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