Wie gefährlich sind Listerien?

  • Listerien befinden sich auf vielen Lebensmitteln, die wir täglich zu uns nehmen.
  • Sie können Durchfall, Fieber und Erbrechen auslösen. Bei Menschen aus der Risikogruppe können sie jedoch tödlich sein.
  • In Hessen gab es zwei Todesfälle, die in Zusammenhang mit einer Listerien-Infektion stehen.
Michèle Förster
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Korbach/Twistetal. Nachdem in mehreren Produkten der Firma Wilke Wurstwaren Listerien nachgewiesen werden konnte, hat das Veterinäramt des Landkreises Waldeck-Frankenberg den Betrieb geschlossen. Durch eine Untersuchung des Robert-Koch-Instituts konnte ein unmittelbarer Zusammenhang zu zwei Todesfällen hergestellt werden. Der Landkreis geht derzeit von 37 weiteren Krankheitsfällen aus, die mit den Produkten des Unternehmens in Zusammenhang stehen könnten.

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Was sind Listerien?

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Listerien sind kleine, stäbchenförmige Bakterien, die Durchfall, Fieber und Erbrechen auslösen können. Bei Menschen, die zur medizinischen Risikogruppe zählen, können sie sogar lebensgefährlich sein. Im Vergleich zu Lebensmittelinfektionen wie Salmonellen ist die Anzahl der Erkrankungen in Deutschland jedoch gering.

"Aufgrund ihrer äußerst guten Anpassungsfähigkeit an die umgebenden Bedingungen sind Listerien weit verbreitet und kommen beispielsweise im Erdboden, in Oberflächengewässern, in Abwässern, auf Pflanzen, im Kompost und im Verdauungstrakt von Tieren vor", informiert das Bundesinstitut für Risikobewertung. Menschen würden sich in der Regel durch den Verzehr von Lebensmitteln, die den Erreger in höherer Konzentration enthalten, infizieren. Besonders tückisch: Mit Listerien verunreinigte Lebensmittel müssen nicht automatisch verdorben sein, man kann sie also weder am Aussehen, noch am Geruch der Lebensmittel erkennen, ob sie vorhanden sind.

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Welche Lebensmittel können betroffen sein?

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Die Bakterien sind vor allem in Betrieben zu finden, die Lebensmittel verarbeiten. Wenn Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen nicht ordnungsgemäß durchgeführt werden, steigt die Wahrscheinlichkeit für ihr Auftreten. Listerien können sich in einem Temperaturbereich von - 0,4°C bis 45°C, also auch bei Kühlschranktemperaturen vermehren. Erst beim Kochen oder Braten werden Listerien abgetötet.

Besonders Lebensmittel tierischer Herkunft könnten bei den Verarbeitungsprozessen verunreinigt werden. Deshalb ist beim Verzehr folgender Lebensmittel Vorsicht geboten:

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  • Rohes Fleisch (z.B. Hackfleisch)
  • Rohwurstsorten (wie Zwiebelmettwurst)
  • Rohmilch und Rohmilchprodukte
  • Weich- und Schimmelkäse
  • Sauermilchkäse
  • roher Fisch
  • einige Räucherfischsorten (z.B. Räucherlachs)
  • Abgepackte Mischsalate oder Tiefkühlgemüse

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Listeriose: Welche Symptome treten auf?

Bei gesunden Erwachsenen verläuft die Listeriose genannte Infektion meist unauffällig. Auch grippeähnliche Symptome wie Fieber, Muskelschmerzen, Erbrechen und Durchfall sind möglich. Kommen jedoch Personen der Risikogruppe mit den Keimen in Berührung, können Listerien eine ernste Bedrohung sein.

"Die ersten Symptome treten nach einer Inkubationszeit von 3–70 Tagen auf. In der Regel zeigen sich die ersten Anzeichen nach drei Wochen", so das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES). "Bei schweren Verläufen dieser Krankheit kann es zu Blutvergiftungen sowie Gehirn- und Hirnhautentzündungen kommen". Während einer Schwangerschaft könne die Infektion mit Listerien sogar zu Früh- und Fehlgeburten führen.

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Welche Personen sind besonders gefährdet?

"Bei einer Infektion mit Listerien besteht besonders für Schwangere und ungeborene Babys eine große Gefahr. Als weitere Risikogruppen gelten ältere Menschen und Personen mit einem geschwächten Immunsystem", warnt das LAVES. Diese Infektionen können schwer, manchmal sogar tödlich verlaufen.

Deshalb sollten Menschen, die zur Risikogruppe gehören, komplett auf den Verzehr von rohem Fleisch und Wurst, rohem und geräuchertem Fisch, vorgeschnittenen und abgepackten Salaten, sowie Rohmilch- und Schimmelkäse verzichten.

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