Infizierter US-Präsident: Wie gefährlich ist Corona für Trump?

  • US-Präsident Trump ist mit dem Coronavirus infiziert – mit 74 Jahren gehört er statistisch zur Risikogruppe.
  • Politiker wie Trump, Boris Johnson oder Jair Bolsonaro sind dennoch weniger gefährdet als viele ihrer Landsleute.
  • Denn nicht nur das Alter, auch der allgemeine Gesundheitszustand und der soziale Status bestimmen die Wahrscheinlichkeit schwer zu erkranken.
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US-Präsident Donald Trump hatte die positiven Corona-Tests von ihm und seiner Frau Melania am Freitagmorgen selbst auf Twitter mitgeteilt. Vom Alter her gehört Trump zur sogenannten Risikogruppe, aber auch andere Faktoren wie der allgemeine Gesundheitszustand und die medizinische Versorgungslage spielen bei der Risikobewertung eine Rolle.

Trump achtete immerhin auf Abstandsregeln

Der US-Präsident hatte das Infektionsgeschehen in den USA in der Vergangenheit mehrfach heruntergespielt und bei öffentlichen Auftritten meist keine Maske getragen. Allerdings soll er nach Informationen der “New York Times” im Alltag aus Angst vor Ansteckung durchaus auf Abstandsregeln geachtet haben.

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Trump war der bei Amtsantritt bisher älteste US-Präsident. Statistisch betrachtet gehört er zur Risikogruppe für schwere Verläufe von Covid-19. Er ist aber trotzdem weniger gefährdet als viele andere Amerikaner.

90-mal höheres Sterblichkeitsrisiko als bei 20 bis 30-Jährigen

Die amerikanische Gesundheitsbehörde “Centers for Disease Control and Prevention” (CDC) hat für die USA eine Liste zum statistischen Risiko verschiedener Altersgruppen veröffentlicht. Mit seinem Alter hätte Donald Trump demnach ein fünfmal höheres Risiko schwer zu erkranken als ein Amerikaner zwischen 20 und 30. Die Sterblichkeit ist in seiner Altersgruppe sogar 90-mal höher.

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Aber: Das Alter ist nur ein statistischer Wert. Die allermeisten Menschen, die an Corona sterben, hatten außerdem eine oder mehrere schwere Vorerkrankungen. Besonders gefährlich ist das Virus für Krebspatienten, Menschen mit Herz-Kreislaufleiden, chronischen Nieren-, Lungen- oder Blutkrankheiten, Typ-2 Diabetes, einem unterdrücktem Immunsystem oder starkem Übergewicht.

Vor allem in Ländern mit einem schwachen staatlichen Gesundheitssystem wie den USA sind daher Arme viel stärker von Corona betroffen. Sie leiden öfter unter chronischen Krankheiten und haben einen schlechteren Zugang zur medizinischen Versorgung. In den USA können sich einige Diabetiker nicht einmal Insulin leisten.

Ein Afroamerikaner hat ein fünfmal höheres Risiko schwer zu erkranken

Die Zahlen des CDC zeigen, dass besonders viele Afroamerikaner, Einwanderer aus Südamerika und Nachfahren der amerikanischen Ureinwohner am Coronavirus sterben – durchschnittlich ärmere Bevölkerungsgruppen. Das Risiko für schwere Verläufe ist bei Afroamerikanern fünfmal höher als bei weißen Amerikanern, das statistische Todesrisiko doppelt so hoch.

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Wer hingegen einen guten allgemeinen Gesundheitszustand hat und medizinisch bestmöglich behandelt wird, kann auch im höheren Alter die Erkrankung besser überstehen.

Der Präsident ist leicht übergewichtig

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Das dürfte auch für Donald Trump gelten. In den USA ist es üblich, dass Präsidenten die Öffentlichkeit über ihren Gesundheitszustand informieren. Von Trump wurde nur bekannt, dass sein Arzt ihm eine gesündere Ernährung empfiehlt und er die Grenze zum medizinisch relevanten Übergewicht knapp überschreitet. Außerdem soll er Cholesterinsenker nehmen. Mit einer ernsthaft angeschlagenen Gesundheit wäre das Arbeitspensum als Staatsoberhaupts auch kaum zu bewältigen.

Allerdings gibt es über Trumps Gesundheitszustand auch Spekulationen, die er durch sein Verhalten selbst schürte. Während des Wahlkampfs 2015 präsentierte Trump ein Schreiben, in dem stand, er würde der “gesündeste Mensch sein, der jemals ins Amt des US-Präsidenten gewählt wurde”. Harold Bronstein, der Arzt, der als Absender des Arztbriefs angegeben worden war, sagte allerdings später, Trump habe den Brief selbst geschrieben.

Auch die Corona-Verharmloser Bolsonora und Johnson erkrankten

Trump ist nicht der erste Politiker, der erkrankte, nachdem er Corona öffentlich verharmlost hatte. Auch Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro und dem britischen Premierminister Boris Johnson war es genauso ergangen. Allerdings erkrankte Johnson schwer und musste intensivmedizinisch behandelt werden. Dass beide inzwischen genesen sind, ist nicht überraschend. Wie Trump mussten sich Bolsonaro und Johnson keine Sorgen um ihre medizinische Versorgung machen und dürften auch schon vorher bei guter Gesundheit gewesen sein.

Anders sieht es bei vielen ihrer Landsleute aus. Wie die nationale Statistikbehörde in Großbritannien errechnet hat, gab es dort in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit mehr als doppelt so viele Tote. Für Favela-Bewohner in Rio de Janeiro ist die Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 zu sterben, laut dpa fünfmal höher als für Menschen aus wohlhabenden Gegenden.

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