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Wie bereiten sich die Krankenhäuser auf Covid-19 vor?

Ein Tropf hängt an einem Krankenhausbett auf dem Flur der Notaufnahme des Klinikums im Frankfurter Stadtteil Höchst.

“Wir haben täglich Krisensitzungen”, sagt Clemens Wendtner. Vor wenigen Wochen wurden in der München Klinik Schwabing die ersten deutschen Covid-19-Patienten in Deutschland aufgenommen. In Zukunft, glaubt Wendtner, werden er und seine Kollegen es vor allem mit schweren Covid-19-Fällen zu tun haben. Die Klinik bereitet sich daher konkret auf eine Pandemie vor.

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Das bedeutet zum Beispiel, dass es einen Urlaubsstopp für das Personal gibt, dass Fortbildungsreisen bis auf Weiteres storniert und Abläufe in der Klinik neu geregelt werden. Auch, ob man für den Fall, dass Schulen, Kindergärten und Kitas geschlossen werden, den Angestellten eine Kinderbetreuung anbieten könne, wird am Klinikum in München schon diskutiert.

Denn immer mehr Menschen in Deutschland infizieren sich mit dem neuartigen Coronavirus. Das bedeutet auch: Immer mehr Menschen erkranken an der durch das Virus ausgelösten Lungenkrankheit, Covid-19. Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, sagte am Mittwoch, es werde infolge der Virusverbreitung mehr Menschen mit schweren Atemwegserkrankungen und Lungenentzündungen geben. Schaffen die Kliniken in Deutschland das?

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Ärzte am Limit in Italien

Der bange Blick fällt auf Italien. Dort ist die Angst vor einem Zusammenbruch des Gesundheitssystems groß. Die Alarmrufe in den Regionen werden immer lauter: Es blieben nur noch wenige Tage, um einen Kollaps der Versorgung der Lungenkranken zu vermeiden.

“Wir bewirken gerade Wunder, aber wir können nicht mehr lange so weitermachen“, warnt Antonio Pesenti, Koordinator für Intensivstationen im Krisenstab der Lombardei. Ein auf Facebook veröffentlichter Brandbrief des Arztes Daniele Macchini aus einem Krankenhaus in Bergamo beschreibt die Lage in dem Haus schon heute als dramatisch. Er spricht von “Krieg”, “Schlachten” und völlig erschöpften Helfern.

Ärzte lernen Covid-19 gerade kennen

Man müsse darauf achten, dass man von einer Situation nicht überrannt werde, sondern sich vorbereite, sagt Uta Merle vom Universitätsklinikum Heidelberg. Sie betreut dort die Intensivstation mit den aktuellen Covid-19-Patienten. Wichtig sei zu verhindern, dass man vor lauter Stress keine Zeit mehr zum Nachdenken habe. Denn auch für die Ärzte ist das neuartige Coronavirus neu. “Wir lernen die Krankheit gerade kennen”, erklärt Merle. Die Ärzte würden erst ein Gefühl für Covid-19 entwickeln, die Krankheit verstehen lernen. Dazu stünden sie im ständigen Austausch miteinander – auch international.

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Auch das Pflegepersonal muss sich an den Gedanken, zukünftig wohl mehr Patienten mit Covid-19 zu behandeln, gewöhnen. Es habe da durchaus auch Ängste gegeben, erklärt Merle. In Heidelberg hat man deshalb zum Beispiel intensiv den Umgang mit der Schutzkleidung geübt. Diese Vorbereitungen hätten dazu geführt, dass die Bedenken weniger geworden sind.

Personal ist der entscheidende Faktor

Aktuell gibt sich Gesundheitsminister Jens Spahn optimistisch. Das Gesundheitssystem in Deutschland sei gut bis sehr gut ausgestattet, sagte er am Mittwoch. “Wir sind, was Intensivbetten angeht, deutlich besser ausgestattet als beispielsweise Italien”, sagt auch Reinhard Busse, von der TU Berlin und Experte für Krankenhauskapazitäten. Er beziffert die Zahl der verfügbaren Intensivbetten auf 27.000. Spahn sprach am Mittwoch von 28.000 Intensivbetten, 25.000 davon mit Beatmungsmöglichkeit. Das deutsche System könne extrem hohe Zahlen abfedern, erklärt Busse. Er sagt aber auch: Der entscheidende Faktor sind jedoch nicht unbedingt die Zahl der Betten oder Beatmungsmaschinen, sondern das Krankenhauspersonal.

Grundsätzlich käme in Deutschland zwar weniger Pflegepersonal auf ein Bett, dafür sei aber insgesamt die Zahl der Betten größer. Steigt also die Zahl der Covid-19-Patienten, müssten andere Aufnahmen verschoben werden, damit das Pflegepersonal da verfügbar sei, wo es gebraucht werde. Das heißt, einfach gesagt: Sind die Krankenhäuser mit Covid-19 ausgelastet, müssen nicht lebensnotwendige Operationen wie beispielsweise Hüft-OPs erst mal hintenanstehen.

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In Deutschland gebe es auch verhältnismäßig viele stationäre Aufnahmen erklärt Busse weiter. Es sei wichtig, auch an die Bevölkerung zu appellieren: “Krankenhäuser sind für Schwerkranke, nicht für jeden Husten.”

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