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Wie sollten wir auf die steigenden Corona-Zahlen reagieren?

Die Winterwelle zeigt sich in Zahlen – aber die Gefühle sind gemischt.

Liebe Leserinnen und Leser,

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ich will ehrlich sein: Das Delta-Déjà-vu geht mir dieser Tage an die Substanz. Die Corona-Infektionen, Erkrankungen und Todesfälle nehmen zu, die Winteraussichten sind deprimierend und meine Rolle als Geimpfte in dieser Dynamik ist doch größer als zunächst angenommen. Dass ich unterbewusst wohl angespannter bin als zunächst realisiert, wurde mir diese Woche erst so richtig bewusst, als ich ein leichtes Kratzen im Hals verspürte. Impfdurchbruch? War es glücklicherweise nicht, wie der Test zeigte.

Bei beginnender Winterwelle ist plötzlich mein Unbehagen wieder da – im Supermarkt, im Büro, bei größeren Treffen. Ich frage mich erst, wie viel Abstand es zu anderen braucht und dann, ob das vielleicht doch etwas übertrieben ist. Ich wäge wieder Ansteckungsrisiken ab. Was inzwischen auch bedeutet: Wie wahrscheinlich ist es, dass mein Gegenüber geimpft ist, der Impfschutz mit der Zeit schon nachgelassen haben könnte, der Booster aussteht? Und ich beruhige mich mit der Tatsache, selbst vor dem Schlimmsten gut geschützt zu sein – Intensivstation und Tod.

Neue Corona-Gelassenheit oder erneuter Panikmodus?

Wie geht es Ihnen damit? Sind Sie angesichts steigender Infektions- und Erkrankungszahlen eher gelassen, frustriert, wütend, ängstlich – oder alles zusammen? „Viele Leute wollen keine Zahlen mehr vergleichen und keine Statistiken anschauen“, sagte uns diese Woche der Angstforscher Borwin Bandelow. „Sie wollen die positiven Dinge sehen.“ Was trügerisch sein kann: Weil die Inzidenzzahlen nicht mehr so wichtig genommen werden, glaubten viele eher, die Pandemie sei vorbei und das Virus nicht mehr gefährlich – obwohl man weiter vorsichtig bleiben sollte. In unserer Rubrik „Was die Pandemie leichter macht“ erklärt der Experte deshalb, warum wir so unterschiedlich auf die Corona-Lage reagieren.

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Bleiben Sie stark!

Saskia Heinze

Erkenntnis der Woche

Deutschland braucht den Impfbooster – schnell und für möglichst viele, insbesondere diejenigen mit Risikofaktoren, also über 60-Jährige und Menschen in Alten- und Pflegeheimen. Für diese Erkenntnis blicken Politik und Forschende dieser Tage insbesondere nach Israel. Das Land stand vor wenigen Monaten an dem Punkt, an dem sich Deutschland jetzt befindet: Trotz Impfungen steigt die Zahl der Infektionen plötzlich enorm in die Höhe – Delta macht sich bemerkbar.

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Das Gute: Am Beispiel Israel zeigt sich, dass es neben möglichst vieler Erstimpfungen noch ein zweites Werkzeug zum Eindämmen der Infektionsdynamik und dem Vermeiden einer Erkrankung gibt: den Booster, also eine dritte Impfdosis mit einem der zugelassenen mRNA-Impfstoffe. In einer Studie konnten Forschende zeigen, dass die dritte Dosis fünf Monate nach der Zweifachimpfung den Schutz vor Covid-19 noch einmal deutlich erhöhen konnte. Zusätzlich gingen die Inzidenzen in allen Altersgruppen bei vielen Boostern zurück.

Mehr Booster-Impfungen senken also das Erkrankungsrisiko und haben einen dämpfenden Effekt auf die Virusverbreitung in der Bevölkerung. Luft nach oben ist noch: Laut dem RKI-Impfquotenmonitoring haben bislang 6,7 Prozent der über 60-Jährigen und 1,3 Prozent der 18- bis 59-Jährigen in Deutschland eine Auffrischimpfung wahrgenommen.

Zahlen des Tages

Alltagswissen

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Auch Geimpfte können sich mit Corona infizieren. Fieber, Husten, Schnupfen, Geschmacksverlust: Wer Symptome einer Atemwegserkrankung jeglicher Art verspürt, sollte den Empfehlungen des Robert Koch Instituts (RKI) zufolge zu Hause bleiben. Auch ein Antigen-Schnelltest kann bereits in Eigenregie durchgeführt werden, reicht aber zur Abklärung nicht aus, weil Ergebnisse sowohl falsch-positiv als auch falsch-negativ ausfallen können. Eindeutige Ergebnisse zur medizinischen Diagnose liefert nur der PCR-Test.

Geimpfte sollten ihre Symptome deshalb einem Arzt oder einer Ärztin per Telefon schildern, nach einem PCR-Test fragen und den Anweisungen folgen. Man kann sich dafür telefonisch an die eigene Hausarztpraxis wenden, aber auch an Fieberambulanzen. Auch unter der Nummer 116 117 gibt es Hilfe. Das ist die bundesweite Rufnummer des Kassenärztlichen Notdienstes.

Ist das Ergebnis des PCR-Tests positiv, kann man bei einem milden Verlauf die Infektion zu Hause auskurieren, sollte sich aber von anderen Haushaltsmitgliedern isolieren. Verbessert sich der gesundheitliche Zustand während der ersten Woche der Covid-19-Erkrankung nicht oder verschlechtert sich sogar, sollte man sich unbedingt an Hausärztin oder Hausarzt wenden. Im Notfall, beispielsweise bei akuter Atemnot, sollte man sofort die 112 wählen oder eine Rettungsstelle kontaktieren.

Zitat der Woche

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Ich gehe fest davon aus, dass sich für die mRNA-Impfstoffe ein Drei-Dosis-Regime etablieren wird.

Erik Leif Sander

Impfstoffforscher an der Berliner Charité

Forschungsfortschritt

Britische Forscher empfehlen auf Grundlage einer neuen Studie, auch bei hohen Impfquoten Corona-Regeln beizubehalten. „Kontinuierliche Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung wie das Tragen von Masken, Abstand halten und Tests bleiben wichtig, auch bei geimpften Menschen“, schrieb die Co-Autorin einer am Donnerstag in der Zeitschrift „Lancet Infectious Diseases“ veröffentlichten Studie, Anika Singanayagam vom Imperial College London.

Für die Studie analysierten die britischen Forscher die Krankheitsdaten von 621 Personen, die sich zwischen September 2020 und September 2021 mit Corona infizierten und milde oder keine Symptome zeigten. Dabei kam heraus: Auch vollständig Geimpfte haben immer noch ein gewisses Risiko, sich mit der Delta-Variante anzustecken und auch andere Mitglieder ihres Haushalts zu infizieren. Ihre Viruslast fiel zeitweise ähnlich aus wie bei Ungeimpften. Die Ergebnisse liefern eine Erklärung dafür, warum die Delta-Variante auch in Ländern mit hohen Impfquoten wie etwa Großbritannien für hohe Infektionszahlen sorgen kann.

Pandemie im Ausland

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Wieder mehr Freiheiten: Seit einigen Tagen können Kinder auf den Spielplätzen der Madrider Schulen wieder ohne Mund-Nasen-Schutz spielen.

Wieder mehr Freiheiten: Seit einigen Tagen können Kinder auf den Spielplätzen der Madrider Schulen wieder ohne Mund-Nasen-Schutz spielen.

Spanien ist nach Portugal und Malta das europä­ische Land mit der dritt­höchsten Impfrate und nach Malta das Land mit der zweit­niedrigsten Infek­tions­rate: Die spanische 14-Tage-Inzidenz liegt bei 49, deut­lich unter der deut­schen von rund 277. Impfen hilft also: Der Zusammen­hang zwischen vielen Geimpften und wenigen Kranken zeigt sich im Land recht offen­sicht­lich – auch wenn noch andere Faktoren ebenfalls eine Rolle spielen.

Spekula­tionen über die Herden­immunität kommen da wieder hoch. Sie helfen aber nicht. Denn Spanien ist „ein ziemlich mobiler Orga­nismus in stän­digem Kontakt mit anderen Menschen jenseits der Grenzen“, wie unser Autor Martin Dahms diese Woche berichtete. Was in Spanien (und jedem anderen Land) geschieht, hänge auch davon ab, wie sich die Pandemie auf Welt­ebene entwickelt, erklärte José Martínez Olmos, Fach­mann für öffent­liche Gesund­heit aus Granada, im Gespräch mit der Netz­zeitung „eldiario.es“.

Was kommt

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Noch können sich unter Zwölfjährige nicht gegen Covid-19 impfen lassen. Das könnte sich aber ändern, sobald EMA und Stiko den Weg freimachen. Erwartet wird eine Entscheidung noch vor Weihnachten. In den USA ist es nun schon soweit: Nach der Notfallzulassung des Corona-Impfstoffes von Biontech/Pfizer für Kinder zwischen fünf und elf Jahren hat dort nun auch ein Expertengremium der Gesundheitsbehörde grünes Licht gegeben. Der formale Schritt war erwartet worden. Damit kann die Impfkampagne für die etwa 28 Millionen betroffenen Kinder in den USA nun – wie vom Weißen Haus bereits geplant – wohl noch in dieser Woche starten.

Eine klinische Studie zeigte nach Angaben von Biontech/Pfizer, dass der Impfstoff für Kinder dieser Altersgruppe „gut verträglich“ sei und eine „starke Immunantwort“ einen Monat nach der zweiten Dosis hervorrufe. Verglichen mit Erwachsenen und Jugendlichen wurde den Fünf- bis Elfjährigen eine deutlich geringere Dosis des Vakzins verabreicht. Die zweite notwendige Injektion erhielten sie nach 21 Tagen. An der Studie nahmen 2268 Kinder in dem Alter teil.

Was die Pandemie leichter macht

Gelassen oder ängstlich? Beide Gefühle sind in der Pandemie nachvollziehbar.

Gelassen oder ängstlich? Beide Gefühle sind in der Pandemie nachvollziehbar.

Bei vielen Geimpften sei zu beobachten, dass sie sich sehr sicher fühlen, erklärt Angstforscher Borwin Bandelow. „Sie glauben mittlerweile, Corona sei das Problem anderer Leute. Obwohl sie sich natürlich auch anstecken können – denn keiner weiß genau, wie lange der Immunschutz hält.“ Die entspannte Haltung gegenüber den steigenden Infektionszahlen sei aber eine normale Reaktion auf so eine Gefahr wie die Pandemie.

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Am Anfang reagierten die Menschen in der Regel sehr ängstlich, weil die Situation neu ist und unbeherrschbar erscheint. Dann hätten sie davor mehr Angst als vor bekannten Gefahren, wie Autounfällen oder der Grippewelle. Einige Zeit später schätze man das Ganze realistischer ein – und irgendwann gewöhnt man sich an die Gefahr. Bandelows Rat für die Winterwelle: Man sollte trotz Gewöhnungseffekt auf jeden Fall vorsichtig bleiben.

Es gibt aber auch das andere Extrem: Wer in dieser Phase der Pandemie weiterhin trotz Impfung permanent in Panik ist, sollte das nicht auf die leichte Schulter nehmen. „Oft steckt dahinter eine generalisierte Angststörung – die Betroffenen haben übertriebene Angst“, erklärt der Angstforscher. „In solchen Fällen rate ich unbedingt, einen Facharzt aufzusuchen.“

Was sonst noch wichtig ist

Kennen Sie das auch? Wer nachts nicht durchschläft, wird oft zu einer ganz bestimmten Zeit wach. Gegen 3 Uhr morgens schrecken besonders viele Menschen aus dem Schlaf hoch und tun sich dann schwer damit, wieder einzuschlafen. Stattdessen dreht sich das Gedankenkarussell, und an Schlaf ist nicht mehr zu denken. Fachleute sprechen bei diesem Phänomen auch von der „Stunde des Wolfes“.

Dass Menschen vermehrt zu dieser Zeit aus dem Schlaf hochschrecken, liegt am komplizierten Zusammenspiel der Hormone, erklärte uns der Schlafmediziner Alfred Wiater. So werde der Schlaf-Wach-Rhythmus unter anderem von den Hormonen Melatonin, Serotonin und Cortisol beeinflusst. Um nicht bis in den Morgen schlaflos zu bleiben, empfiehlt Wiater, kurz aufzustehen: „Aber langsam in Etappen, damit die Hirndurchblutung wieder in Gang kommt. Außerdem sollte man das Licht anschalten, um den Melatoninspiegel abzusenken, vielleicht noch ein Glas Wasser trinken und dann versuchen, wieder in den Schlaf zu finden.“

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