WHO warnt vor möglicher Polio-Epidemie in Pakistan

  • In Pakistan steigt die Zahl der an Kinderlähmung Erkrankten seit Anfang Januar.
  • Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert nun erneut zur Bekämpfung von Polio-Viren auf.
  • Aber in den betroffenen Gebieten herrscht ein Impf-Boykott.
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Islamabad. Nach einem massiven Anstieg an Polio-Fällen in Pakistan hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Land dazu aufgefordert, seine Strategie zur Bekämpfung von Polio neu auszurichten.

Pakistan müsse Führung und Strategie im Kampf gegen die Kinderlähmung generalüberholen, wenn es eine Epidemie verhindern wolle, habe die WHO in einem Brief geschrieben, sagte Pakistans Oberster Berater für Gesundheitsfragen, Zafar Mirza, am Freitag.

Neue Fälle von Kinderlähmung in Pakistan

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Der Brief der WHO kommt gleichzeitig mit Berichten lokaler Behörden über sechs neue Polio-Fälle innerhalb der ersten Januartage. "Es ist eine schreckliche Situation, und wir müssen schnell handeln, um eine Katastrophe zu verhindern", sagte Mirza weiter.

Boykott gegen Impfen löst Neuerkrankungen aus

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Im Vorjahr war die Zahl der neuen bestätigten Polio-Fälle trotz Notimpfkampagnen in Pakistan massiv gestiegen. Die Behörden meldeten 134 neue Fälle, der Großteil davon in Khyber-Pakhtunkhwa, wo früher die militant-islamistischen Taliban herrschten. Islamische Geistliche sind nach wie vor gegen die Impfungen und behaupten, sie seien Teil einer Verschwörung des Westens, muslimische Kinder zu sterilisieren.

Ein UN-finanziertes Polio-Impfprogramm hatte Pakistan davor geholfen, die Ausbreitung der Krankheit zu kontrollieren. Die Zahl der betroffenen Kinder war im Jahr 2018 auf 12 zurückgegangen, verglichen mit 306 im Jahr 2014.

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Polio ist fast überall ausgerottet

Kinderlähmung ist in den meisten Ländern der Welt ausgerottet. Pakistan ist laut der Global Polio Eradication Initiative neben Afghanistan das einzige Land, in dem im Vorjahr Erkrankungen mit dem Wildtyp der Viren gemeldet wurden.

RND/dpa