WHO empfiehlt Astrazeneca-Impfstoff auch für Menschen über 65 Jahren

  • Trotz jüngster Berichte über eine mangelnde Wirksamkeit des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation den weiteren Einsatz des Mittels.
  • Es gebe keine Hinweise darauf, dass der Impfstoff nicht gegen schwere Verläufe von Covid-19 schütze.
  • Auch eine Impfung für über 65-Jährige wird empfohlen.
Anzeige
Anzeige

Genf. Trotz Berichten über Schwächen des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den weiteren Einsatz.

Erste Studien aus Südafrika zeigten zwar deutlich weniger Wirksamkeit, um relativ milde Krankheitssymptome zu verhindern, sagte Alejandro Cravioto, der Vorsitzende eines Expertenrats, der die WHO in Impffragen berät. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass der Impfstoff nicht gegen schwere Verläufe von Covid-19 schütze. Der Rat empfahl deshalb, den Impfstoff weiter einzusetzen. Die WHO schloss sich der Empfehlung an.

Die Pandemie und wir Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.
Anzeige

Keinen Grund, nicht weiter zu impfen

„Die Studienergebnisse aus Südafrika sind wichtig, aber nicht eindeutig“, sagte die WHO-Impfexpertin Kate O’Brien. Unstrittig sei, dass der Astrazeneca-Impfstoff gegen andere Virusvarianten sehr effektiv sei. Deshalb würden viele Länder von dem Einsatz profitieren, denn die südafrikanische Variante des Virus, B 1351, sei längst nicht in allen Ländern verbreitet.

Video
Wie entsteht ein Impfstoff?
1:52 min
Nach einem Impfstoff gegen Covid-19 wird unnachgiebig geforscht. Innerhalb von nur einem Jahr war bereits der erste Kandidat in der Zulassungsphase.

Selbst dort, wo die südafrikanische Variante vorkomme, gebe es keinen Grund, den Impfstoff nicht einzusetzen, sagte Cravioto. Es sei bei allen Impfstoffen üblich, dass die Wirksamkeit bei relativ milden Krankheitsverläufen weniger deutlich sei als bei schweren Verläufen, sagte O’Brien. „Es ist plausibel zu erwarten, dass dieser Impfstoff gegen schwere Krankheitsverläufe wirksam ist.“ Zudem sei die für eine Immunantwort wichtige Reaktion der T-Zellen stark.

Anzeige

Expertenrat: Keine Altersbegrenzung bei Astrazeneca-Impfstoff

Der Unabhängige Expertenrat zu Impfungen (SAGE) besteht aus 26 Wissenschaftlern. Er prüft Studien und Angaben zu allen Impfstoffen und gibt dann eine Empfehlung ab, ob und wie diese eingesetzt werden sollen. Für die Corona-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna gibt es bereits eine Empfehlung.

Anzeige

Im Fall von Astrazeneca empfahl der Rat den Einsatz des Impfstoffs ohne Altersbegrenzung. Es gebe zwar wenig Daten über die Wirksamkeit bei Menschen über 65, aber auch keinen Hinweis darauf, dass er bei älteren Menschen weniger wirksam sei. Cravioto sagte: „Wir gehen davon aus, dass die Reaktion der älteren Menschen auf den Impfstoff nicht anders ist.“ Die beiden Spritzen sollten im Abstand von acht bis zwölf Wochen verabreicht werden.

Geimpfte müssen Corona-Regeln weiter einhalten

O’Brien betonte, dass alle Geimpften – unabhängig davon, welcher Stoff ihnen verabreicht wurde – weiterhin alle Corona-Regeln umsetzen müssten, also auch Abstand halten und Maske tragen. Dies sei wichtig, weil man nach einer Impfung zwar selbst ein geringeres Risiko schwerer Krankheitsverläufe habe, andere aber wahrscheinlich weiter anstecken könne.

Die Empfehlungen dürften Musik für die Ohren der britischen Regierung sein. In Großbritannien werden Impfungen bereits seit längerer Zeit im Abstand von zwölf Wochen verabreicht. Erst am Mittwoch hatte die britische Gesundheitsbehörde mitgeteilt, dass eine Abwandlung der dort vorherrschenden Virus-Variante inzwischen auch Merkmale trägt, die von der südafrikanischen Mutante bekannt sind. London dürfte daher froh sein, dass die WHO das Vertrauen in den Impfstoff des britisch-schwedischen Konzerns gestärkt hat.

Video
Trotz Schwächen des Corona-Impfstoffs: WHO empfiehlt Einsatz von Astrazeneca
1:19 min
Die Wirkstoff des Corona-Impfstoffs Astrazeneca wird bei der in Südafrika zirkulierenden Virusvariante in Frage gestellt.  © dpa

WHO erteilt Biontech-Impfstoff Notfallzulassung

Die WHO hat bislang nur dem Impfstoff von Biontech/Pfizer eine Notfallzulassung erteilt. Das ist Voraussetzung für den Ankauf und Einsatz von Impfstoffen durch UN-Organisationen. Viele Länder, die keine eigenen Kapazitäten zur Beurteilung von Impfstoffen haben, nehmen dies als Grundlage für ihre eigene Entscheidung.

In Europa ist die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) für die Prüfung zuständig. Sie berät die EU-Kommission, die über eine Zulassung entscheidet. Sie hat bislang drei Corona-Impfstoffe genehmigt: die von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca.

RND/dpa

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen