Wer wird zuerst geimpft? Kommission legt offizielle Impfempfehlung vor

  • Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (Stiko) hat ihre Empfehlung für die Covid-19-Impfung veröffentlicht.
  • Demnach sollen die zunächst begrenzten Impfstoffkapazitäten genutzt werden, um die Anzahl schwerer Krankheitsverläufe und Sterbefälle möglichst schnell zu reduzieren.
  • Die Stiko empfiehlt daher ein stufenweises Vorgehen.
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Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (Stiko) hat ihre Empfehlung für die Covid-19-Impfung veröffentlicht. „Aufgrund begrenzter Impfstoffverfügbarkeit soll die Impfung zunächst nur Personengruppen angeboten werden, die ein besonders hohes Risiko für schwere oder tödliche Verläufe einer Covid-19-Erkrankung haben oder die beruflich entweder besonders exponiert sind oder engen Kontakt zu vulnerablen Personengruppen haben“, heißt es darin. „Der alles entscheidende Risikofaktor für eine schwere Covid-19-Erkrankung ist das hohe Alter“, sagte der Vorsitzende der Stiko, Thomas Mertens. Durch eine zielgerichtete Impfung dieser Gruppen könnten die meisten Krankenhauseinweisungen verhindert und die Kliniken damit spürbar entlastet werden, erklärte er.

Die Empfehlung der Stiko ist Grundlage für eine entsprechende Rechtsverordnung zur Impfstrategie, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag unterschreiben will.

Die Impfung solle zunächst Personen über 80 Jahren und Bewohnerinnen und Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen angeboten werden. Gleichzeitig empfiehlt die Stiko die Impfung von medizinischem Personal mit sehr hohem Ansteckungsrisiko und Personal in der Altenpflege. „Der alles entscheidende Risikofaktor für eine schwere Covid-19-Erkrankung ist das hohe Alter“, sagt Prof. Thomas Mertens, der Vorsitzende der Stiko in einer Mitteilung des RKIs.

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Insgesamt gibt die Empfehlung sechs Gruppen vor, die geimpft werden, bevor der Stoff für jedermann verfügbar sein soll. Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, betonte, es werde dauern, bis ein relevanter Teil der Bevölkerung durch die Impfung vor Covid-19 geschützt ist. Außerdem sei bislang unklar, in welchem Maße die Impfung auch Übertragungen des Virus verhindert oder zumindest reduziert. Um Infektionen zu vermeiden, blieben Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen, Abstandhalten und Alltagsmaske „weiter essenziell“, sagte Wieler.

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In der Stufe 1 sollen demnach folgende Personengruppen geimpft werden:

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  • Bewohner und Bewohnerinnen von Senioren- und Altenpflegeheimen
  • Personen im Alter von ≥ 80 Jahren
  • Personal mit besonders hohem Expositionsrisiko in medizinischen Einrichtungen (z. B. in Notaufnahmen, in der medizinischen Betreuung von Covid-19-Patienten und Patientinnen)
  • Personal in medizinischen Einrichtungen mit engem Kontakt zu vulnerablen Gruppen (z. B. in der Onkologie oder Transplantationsmedizin)
  • Pflegepersonal in der ambulanten und stationären Altenpflege
  • Andere Tätige in Senioren- und Altenpflegeheimen mit Kontakt zu den Bewohnern und Bewohnerinnen

Innerhalb dieser Stufe seien die Über-80-Jährigen und die Bewohner von Altenpflegeheimen besonders gefährdet und sollten daher „trotz schwerer Erreichbarkeit, zu Beginn der Impfaktionen geimpft werden“.

Bei zunehmender aber weiterhin limitierter Impfstoffverfügbarkeit sollen dann Personen der Stufe 2 geimpft werden, gefolgt dann jeweils von den nachfolgenden Stufen.

Zu Stufe 2 zählt die Stiko:

  • Personen im Alter zwischen ≥ 75-79 Jahren
  • Personen mit hohem Expositionsrisiko in medizinischen Einrichtungen
  • Personen mit einer Demenz oder geistigen Behinderung in Institutionen
  • Tätige in der ambulanten oder stationären Versorgung von Personen mit Demenz oder geistiger Behinderung
  • Personen mit Downsyndrom (Trisomie 21)

Zur Stufe 3 zählt die Stiko:

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  • Personen im Alter von zwischen ≥ 70-74 Jahren,
  • Personen nach Organtransplantation,
  • Personen mit Vorerkrankungen mit hohem Risiko
  • Bewohner und Bewohnerinnen und Tätige in Gemeinschaftsunterkünften
  • Enge Kontaktpersonen von Schwangeren
  • Enge Kontaktpersonen bzw. Pflegende von Personen mit hohem Risiko
  • Personal mit moderatem Expositionsrisiko in medizinischen Einrichtungen und in Positionen, die für die Aufrechterhaltung der Krankenhausinfrastruktur besonders relevant sind
  • Teilbereiche des ÖGD

Zur Stufe 4 zählt die Stiko:

  • Personen im Alter von ≥ 65 – 69 Jahren
  • Personen mit Vorerkrankungen mit moderat erhöhtem Risiko und deren engste Kontaktpersonen
  • Personal mit niedrigem Expositionsrisiko in medizinischen Einrichtungen
  • Lehrer und Lehrerinnen
  • Erzieher und Erzieherinnen
  • Personen mit prekären Arbeits- und/oder Lebensbedingungen

Zur Stufe 5 zählt die Stiko:

  • Personen im Alter von ≥ 60 – 64 Jahren
  • Personal in Schlüsselpositionen der Landes- und Bundesregierungen
  • Beschäftigte im Einzelhandel
  • Beschäftigte zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit mit erhöhtem Expositionsrisiko
  • Berufsgruppen der kritischen Infrastruktur

In die Stufe 6 zählen dann alle übrigen Personen im Alter von < 60 Jahren.

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Empfehlungen zur praktischen Umsetzung

Des Weiteren gibt die Stiko Hinweise zur praktischen Umsetzung. So verweist sie zum Beispiel darauf, dass eine „Covid-19-Impfung eine sorgfältige Aufklärung der zu impfenden Person bzw. des verantwortlichen Vorsorgebevollmächtigte(n)“ voraussetze. Nach der Impfung empfiehlt die Stiko einen „Nachbeobachtungszeitraum“ von mindestens 5 Minuten – deutlich länger bei bestimmten Risikogruppen.

Eine begonnene Impfserie müsse zunächst auch mit dem gleichen Produkt abgeschlossen werden – auch wenn zwischenzeitlich andere Impfstoffe zugelassen worden seien. Die Vervollständigung einer Impfserie habe auch Priorität vor der Impfung neuer Personen. „Dafür soll entsprechend Impfstoff zurückgelegt werden.“ Zur Frage, wann Menschen, die bereits eine Sars-CoV-2-Infektion durchgemacht haben, geimpft werden, gibt die Stiko derzeit noch keine Empfehlungen. „Die Impfung ist daher vorerst in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen“, heißt es zudem.

Die erste EU-Zulassung für einen Impfstoff gegen das Coronavirus könnte noch vor Weihnachten kommen. Die Europäische Arzneimittelagentur (Ema) teilte am Dienstag mit, dass sie am 21. Dezember über den Antrag für das Mittel von Biontech und Pfizer befinden will. Über die Zulassung entscheidet danach die EU-Kommission. Bleibt es bei dem Termin, geht Gesundheitsminister Spahn von einem Start der Impfungen in Deutschland am 27. Dezember aus.

RND/asu/epd

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