Wer darf sich eigentlich beschweren?

  • Corona hat uns in einen neuen Alltag gestoßen. Wie arrangieren wir uns damit?
  • Das Autorenteam des RND-Newsletters „Die Pandemie und wir“ ordnet die Nachrichten der Woche ein, gibt Einblicke in wissenschaftliche Erkenntnisse und leistet Hilfestellung für die Krisenzeit.
  • In dieser Woche: Frühlingsgefühle im Lockdown.
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Liebe Leserinnen und Leser,

wie geht es Ihnen? Immer wenn ich in derzeit nach meinem Befinden gefragt werde, setzt bei mir ein Reflex ein: „Och, ganz gut eigentlich... den Umständen entsprechend, eben“, sage ich und versuche, überzeugend zu lächeln. Zu sagen: „Ganz ehrlich, ich bin manchmal ziemlich erschöpft“, traue ich mich nicht. Denn im Vergleich mit vielen anderen geht es mir wirklich gut: Ich habe keine psychische Erkrankung, die mir die Zeit im Lockdown zusätzlich erschweren würde. Keine Kinder, die betreut werden wollen, während ich im Homeoffice arbeite und auch unsere finanziellen Einbußen lassen sich noch kompensieren. Ich darf also nicht meckern, oder?

„Beschweren darf sich erst mal jeder, wir sind in einem freien Land und da darf jeder sagen: Mir geht es schlecht“, sagt der Ethiker Nikolaus Knoepffler im Interview mit dem RND. Zu sagen, dass man unter dem Lockdown leide, sei „ein gutes Ventil“. Ein Unterschied sei es aber, wenn man Ansprüche stelle und dann auch erwarte, dass diese bedient werden. Hier habe die Politik dann eben doch Prioritäten zu setzen.

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Eine erste Erleichterung brachte immerhin ja das schöne Frühlingswetter am vergangenen Wochenende. Die Sonne schien und damit schien auch gleich alles andere ein bisschen leichter zu sein. Aber bremst der Frühling auch das Coronavirus? Das lässt sich nicht so einfach beantworten, wie meine Kollegin Saskia Bücker herausgefunden hat. Warum, lesen Sie in diesem Newsletter.

So oder so: Die Sonne zu genießen, dagegen spricht trotzdem nichts.

Anna Schughart

Die Pandemie und wir Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.
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Erkenntnis der Woche

Der Frühling verspricht nur bedingt Besserung. Viele Erreger, die akute Atemwegserkrankungen verursachen, verbreiten sich in der kälteren Jahreszeit generell besser. US-Forscher konnten nun zeigen, dass auch die Zahl der neuen Corona-Fälle bei steigenden Temperaturen in der nördlichen Erdhalbkugel abnimmt. Das legt nahe: Auch bei Sars-CoV-2 gibt es eine saisonale Komponente. Ganz verschwinden wird das Virus deswegen aber wohl nicht: Die Forschungsergebnisse deuteten darauf hin, „dass Sars-CoV-2 wie andere saisonale Viren im Laufe der Zeit äußerst schwierig einzudämmen sein könnte“, erklären die Forscher. Und auch andere Berechnungen zeigen: Die Frühlingstemperaturen alleine reichen nicht, um das Virus zu stoppen.

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Alltagswissen

Bisher war auch für einen Corona-Schnelltest Hilfe von Profis nötig. Am Mittwoch aber hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte die ersten drei Sonderzulassungen für Corona-Tests zur Eigenanwendung durch Laien erteilt. Damit kann sich jeder selbst und zu Hause testen. Die Tests soll quasi überall zu kaufen geben – in Apotheken, Supermärkten, im Internet. Ab wann, das ist allerdings noch nicht klar. Doch bevor man selbst mit dem Testen anfängt, sollte man einiges beachten – besonders wenn es um das Ergebnis eines solchen Tests geht.

Wichtigste Mahnung des Robert-Koch-Instituts: „Ein negatives Testergebnis schließt eine Sars­-CoV­-2­-Infektion nicht aus!“ Denn Antigen-Tests suchen in Abstrichproben nicht aufwendig nach dem Erbgut des Virus wie ein PCR-Test, sondern nach Molekülen, die charakteristisch für die Viren sind. Schnelltests schlagen am besten bei einer hohen Virenlast an. Das bedeutet, dass Menschen, die stark ansteckend sind, rasch erkennbar sind. Infizierte mit geringer Virenlast – etwa zu Beginn oder beim Abklingen der Erkrankung – werden möglicherweise nicht entdeckt.

Und umgekehrt muss man ein positives Testergebnis noch durch einen PCR-Test bestätigen lassen. „Es ist erforderlich, dass sich die positiv getestete Person in Absonderung begibt, das heißt, Kontakte konsequent reduziert, und sich telefonisch mit dem Hausarzt oder einem geeigneten Testzentrum in Verbindung setzt“, so das RKI.

Zitat der Woche

Wir wähnten uns auf einem guten Weg, aber dieses Virus gibt nicht einfach auf. Wir sind vielfach müde, pandemiemüde, das Virus ist es nicht.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn über die aktuelle Corona-Lage
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Forschungsfortschritt

Einer für alle? Die verschiedenen Varianten des Coronavirus machen deutlich: Die Impfstoffe gegen das Virus müssen sehr wahrscheinlich angepasst werden. Das Unternehmen Biontech arbeitet bereits an der nächsten Generation seines Corona-Impfstoffes „BNT162b2“. Unter besonderem Zeitdruck ist man deshalb aber anscheinend nicht: Bei der britischen und brasilianischen Virusvariante sei derzeit nicht abzusehen, dass sie die Impfstofferfolge gefährden, sagte Biontech-Chef Ugur Sahin diese Woche auf einer Veranstaltung. Aber wäre es nicht möglich, einen Impfstoff für alle denkbaren Corona-Varianten zu entwickeln? „Theoretisch sind solche Konzepte schon angedacht“, berichtet Marylyn Addo, die zu Vektorimpfstoffen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) forscht. Es gebe aber noch keine konkrete Entwicklungsprogramme. „Das sind aber Richtungen, in die wir weiterdenken sollten.“

Pandemie im Ausland

Die Behandlung eines Corona-Patienten in Tansania. © Quelle: action medeor/action medeor e.V.

„Das Land, wo Corona nicht existiert“ – so bezeichnete vor kurzem die Wochenzeitung „The Continent“ Tansania. Schon im vergangenen Juli erklärte dessen Präsident John Magufuli Covid-19 in seinem Land für „ausgelöscht“. Natürlich gibt es auch in Tansania Corona-Tote, doch auf dem Totenscheinen geben die Ärzte „Lungenentzündung“ als Todesursache an. RND-Korrespondent Markus Schönherr berichtet aus einem Land, in dem der Präsident seinen Landsleuten von der Corona-Impfung abrät und die Seuche stattdessen mit Gebeten und Kräutern bekämpfen will.

Was kommt

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Eigentlich sollten ab dem 1. März alle Bürger Zugang zu kostenlosen Schnelltests haben. Daraus wird nichts, zu viele Fragen sind noch offen. Die Tests, bei denen Proben nicht extra ins Labor müssen, sollen etwa in Testzentren oder Apotheken gemacht werden können. Das weitere Vorgehen soll nun bei den Beratungen mit den Regierungschefs der Bundesländer nächste Woche geklärt werden, also am 3. März.

Was die Pandemie leichter macht

Am besten konzentriert man sich beim Aufräumen auf einen bestimmten Raum und sortiert Dinge, die man vielleicht noch behalten möchte. © Quelle: Bodo Marks/dpa-tmn

Ob durch den Frühling oder den Lockdown motiviert: Wer in den eigenen vier Wänden produktiv sein will, räumt die Wohnung auf und mistet Kleiderschränke, Bücherregale und Schubladen aus. Das schafft Ordnung und befreit. Doch wohin mit den ausrangierten Sachen? Flohmärkte gibt es gerade nicht und aktuell sind auch viele Kleiderkammern geschlossen. Unsere Autorin Katrin Schreiter hat Tipps gesammelt, wie Ihre aussortierten Schätze eine zweite Heimat finden. Wer etwa glaubt, mit seinen ausgelesenen Büchern noch gutes Geld machen zu können, wird eher enttäuscht. Das zeigt eine Stichprobe der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, die Momox und Rebuy sowie Zoxs und Buchmaxe getestet hat.

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