Wenn der Besuch in der Buchhandlung plötzlich aufregend ist

  • Corona hat uns in einen neuen Alltag gestoßen. Wie arrangieren wir uns damit?
  • Das Autorenteam des RND-Newsletters „Die Pandemie und wir“ ordnet die Nachrichten der Woche ein, gibt Einblicke in wissenschaftliche Erkenntnisse und leistet Hilfestellung für die Krisenzeit.
  • In dieser Woche: langsame Schnelltests und aufregende Besuche.
|
Anzeige
Anzeige

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern war ich in der Buchhandlung meines Vertrauens. Das hat sich seltsam angefühlt – und zwar gleich aus mehreren Gründen. Eigentlich bin ich öfter dort. Ich mag es, durch die Gänge zu schlendern, meine Augen über die verschiedenen Titel schweifen zu lassen, zu überlegen, welches Buch als nächstes in mein Regal wandern darf. Doch dieses Mal gehen mir während meines kurzen Besuchs sehr viele ungewohnte Gedanken durch den Kopf.

Noch bevor ich überhaupt das Geschäft betrete, beginne ich zum Beispiel Folgendes abzuwägen: Ja, die Buchläden dürfen wieder geöffnet sein. Aber muss ich wirklich hin? Sollte ich nicht lieber noch ein bisschen warten? Oder habe ich im Gegenteil sogar die Pflicht, meinen Buchhändler zu unterstützen? Bevor ich dann die großen Glastüren öffne und das Geschäft betrete, geht mein Blick hektisch über alle Poster, Aushänge und Schilder vor dem Eingang: Wie verhalte ich mich denn jetzt richtig? Was muss ich beachten? Wo stehen die Körbe? Brauche ich überhaupt einen Korb? Ich versuche mich daran zu erinnern, welche speziellen Regeln es für Buchläden gibt, und werde plötzlich unsicher: Hätte ich vielleicht doch einen Termin vereinbaren müssen? Aber da mich niemand daran hindert einzutreten, und ich am Eingang weder Körbe noch eine Kundeneinlasskontrollkarte (oder ähnliches) finde, ist wohl alles wie früher. Fast zumindest. Denn natürlich tragen alle Masken. Und es ist leer. Ungewöhnlich leer. Das erleichtert mich ein bisschen, obwohl es wohl nicht im Interesse der Buchhändler ist – und mir früher gar nicht aufgefallen wäre.

Anzeige

Was werden wir nach diesen Monaten im Lockdown wohl alles wieder neu lernen müssen? Wenn sich schon ein Besuch im Buchladen so ungewöhnlich anfühlt – wie wird es wohl sein, wieder das erste Konzert zu erleben? In einem vollen Kino zu sitzen? Auf einer großen Party zu tanzen? Sich in einem Raum mit vielen Menschen ohne Abstand aufzuhalten?

Hoffentlich werden wir nicht allzu lange warten müssen, um es herauszufinden. Eine wichtige Rolle dabei könnten die Schnelltests für zu Hause spielen. Wie Sie diese richtig anwenden, lesen Sie in unserem Newsletter.

Anna Schughart

Die Pandemie und wir Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.
Anzeige

Erkenntnis der Woche

Das mit den Schnelltests läuft überraschend langsam. Ursprünglich – so sahen es einmal die Pläne für den Start am 1. März vor – hätten Sie sich bis zum heutigen Donnerstag theoretisch schon zweimal kostenlos in Ihrer Apotheke oder beim Arzt auf Sars-CoV-2 testen lassen können. Doch selbst mit einer Woche mehr Vorbereitung lief die Schnelltestoffensive an diesem Montag mehr als holprig an: ratlose Arztpraxen, die gar nicht genügend Tests hatten. Apothekerverbände, die noch auf geänderte Testverordnungen warteten. An allen Ecken und Enden gab es Probleme.

Anzeige

Auch die sogenannten Selbsttests sind wohl nur für die wenigsten Menschen diese Woche eine echte Alternative gewesen. Sowohl der Schnell- als auch der Selbsttests sind sogenannte Antigentests. Doch während man für den Schnelltest in eine Apotheke oder Arztpraxis gehen muss, gibt es die Selbsttests für zu Hause im Supermarkt oder in der Drogerie – so zumindest die Theorie. In der Praxis sind die Tests derzeit noch sehr schwierig in die Finger zu bekommen. Aldi und Lidl haben mit dem Verkauf begonnen, am Freitag wollen die Drogerieketten dm und Rossmann starten. Weitere Supermärkte werden folgen.

Alltagswissen

Sollten Sie einen Selbsttest ergattern, kommt es auf die richtige Anwendung an. Der Tupfer sollte ganz langsam und gerade in die Nase eingeführt werden, rät der HNO-Arzt Bernhard Junge-Hülsing aus Starnberg – und zwar flach in Richtung des Gehörgangbodens. „Keinesfalls am Nasenrücken in Richtung Stirn schieben“, warnt der Mediziner. Je nach Test und dessen Anleitung soll der Tupfer unterschiedlich tief in die Nase hinein. Viele Menschen hätten eine Biegung in der Nasenscheidewand. „Wenn es auf der einen Seite verschoben ist, geht es auf der anderen Seite in der Regel besser“, sagt der Experte. Auch Nasenspray kann helfen, nach der Anwendung sollte man aber mit der Probenentnahme ein bisschen abwarten. „Man will ja kein Nasenspray abstreichen, sondern Nasenschleim.“ Mehr Tipps zur richtigen Anwendung finden Sie hier.

Zitat der Woche

Der Immunschutz, den ich durch das Astrazeneca-Vakzin erhalte, ist viel besser als die Vorstellung, noch Monate ohne Immunschutz herumzulaufen.

Prof. Carsten Watzl, Immunologe, spricht sich im RND-Interview für den Impfstoff von Astrazeneca aus

Forschungsfortschritt

Anzeige

Covid-19-Patienten müssen seltener auf die Intensivstation. Hatten während der ersten Welle noch 30 Prozent der ins Krankenhaus eingelieferten Covid-19-Patienten intensivmedizinisch behandelt werden müssen, waren es während der zweiten Welle nur noch 14 Prozent gewesen. Das ist eine gute Nachricht, denn sie zeigt: Bei der Therapie von Covid-19-Patienten gibt es Fortschritte. Hauptursache der Therapieerfolge ist laut Christian Karagiannidis, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin, die Behandlung der Patienten mit dem Cortisonpräparat Dexamethason, das er in einem Gespräch am Mittwoch als Game-Changer bezeichnete. Allerdings: Zuletzt sei die Gesamtzahl der Intensivpatienten mit Covid-19 nicht weiter gesunken, es zeichne sich vielmehr eine Plateaubildung ab. Dies sei „kein gutes Zeichen“. Denkbar ist laut Karagiannidis ein Zusammenhang mit der Ausbreitung der britischen Variante B.1.1.7.

Pandemie im Ausland

In Großbritannien ist vor einigen Tagen eine außergewöhnliche Studie gestartet. Im Zuge eines sogenannten Human-Challenge-Trials haben Forscher Freiwillige absichtlich mit dem Coronavirus infiziert. Die Probanden würden „in einer sicheren und kontrollierten Umgebung dem Virus ausgesetzt, rund um die Uhr überwacht von Medizinern und Wissenschaftlern“, hieß es. Die Wissenschaftler wollen unter anderem herausfinden, wie das Immunsystem auf das Virus reagiert und wie Infizierte Viruspartikel in die Umgebung abgeben.

Was kommt

Eine Corona-Infektion kann sich ziehen. Zahlreiche Corona-Patienten haben auch noch nach der akuten Infektion verschiedenste Symptome, die alle unter dem Schlagwort Long-Covid subsumiert werden. Dazu zählen zum Beispiel Luftnot, Muskelschmerzen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, eine ausgeprägte Erschöpfung und Müdigkeit oder Gedächtnisstörungen. Viele Fragen sind dabei noch offen – auch, ob sich Menschen, die noch an Long-Covid leiden, derzeit impfen lassen sollten. Im Falle von Genesenen empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) eine Impfung in der Regel sechs Monate nach der Genesung. Unklar ist auch, ob eine Impfung eventuell vor Long-Covid schützen könnte. Davon geht zum Beispiel die Immunologin Akiko Iwasaki von der Yale University aus. Bewiesen ist das aber noch nicht – eine Aufgabe, der sich Wissenschaftler künftig verstärkt widmen wollen.

Anzeige

Was die Pandemie leichter macht

Ein einfacher Laptop reicht: In Corona-Zeiten sind vor allem die Spiele beliebt, bei denen man auch ohne hochwertigem Gaming-PC mitmachen kann. © Quelle: felipepelaquim/Unsplash

Auf der Suche nach Abwechslung werden in der Corona-Krise auch eher analoge Menschen digital. Und so erfreuen sich plötzlich Videospiele einer ganz bestimmten Art einer eher unverhoffter Beliebtheit: Plötzlich können Games für den Browser und Videospiele mit veralteter Grafik und eher einfachem Spielprinzip punkten. Dazu gehören zum Beispiel das Onlinespiel „Among Us“ oder auch „Gartic Phone“. Letzteres ist eine Art Stille Post für das 21. Jahrhundert: Spieler müssen die Inhalte von Sätzen zeichnen beziehungsweise gezeichnete Bilder mit passenden Sätzen versehen. Aus „Dino übernimmt die Weltherrschaft“ kann im Laufe der Runde so schnell „Krokodil fliegt durch den Weltraum“ werden. Weitere Tipps für digitale Spielerunden finden Sie hier.

Falls Sie Anregungen oder Kritik haben, melden Sie sich gerne direkt bei unserem Redaktionsteam: magazin@rnd.de Wir freuen uns!

Abonnieren Sie auch:

Hauptstadt-Radar: Der RND-Newsletter aus dem Regierungsviertel mit dem 360-Grad-Blick auf die Politik im Superwahljahr. Immer dienstags, donnerstags und samstags.

What’s up, America? Der wöchentliche USA-Newsletter liefert Hintergründe zu den Entwicklungen in Politik, Gesellschaft und Kultur - immer dienstags.

Das Stream-Team: Die besten Serien- und Filmtipps für Netflix & Co. – jeden Monat neu.

Der Tag: Das Nachrichten-Briefing vom RedaktionsNetzwerk Deutschland. Jeden Morgen um 7 Uhr.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen