Weniger Covid-19-Patienten: Entspannung auf den Intensivstationen?

  • Die Lage auf den deutschen Intensivstationen hat sich entspannt.
  • Momentan sind 3736 von fast 22.500 deutschen Intensivpatienten wegen Covid-19 in Behandlung.
  • Eine Verlängerung der Maßnahmen trotz schwindender Belastung der Krankenhäuser wird mit dem Auftreten der Mutationen begründet.
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Eines der Hauptziele der Lockdowns war es, die Überlastung der Krankenhäuser zu verhindern. Wie also ist die Situation in den Krankenhäusern?

Derzeit müssen immer weniger Patienten mit Covid-19 intensivmedizinisch versorgt werden. Das zeigen die Zahlen, die die deutsche interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) täglich im Divi-Intensivregister veröffentlicht. Momentan sind nur 3736 von fast 22.500 deutschen Intensivpatienten wegen Covid-19 in Behandlung. Das ist ein gutes Drittel weniger als noch Anfang Januar. Mehr als 4500 zusätzliche Betten wären sofort frei und weitere fast 11.000 Betten stünden als Notreserve zur Verfügung.

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Auslastung gab es nur in bestimmten Regionen

Eine Auslastung der Intensivstationen hatte es seit Beginn des Corona-Ausbruchs nur in einzelnen Regionen gegeben, sodass Patienten immer noch umverteilt werden konnten. Als während des ersten Lockdowns vorsorglich Operationen aufgeschoben worden waren, standen sogar viele Betten leer: Während der ersten Aprilwoche blieben etwa 45 Prozent der Intensivbetten ungenutzt.

Der Bund hatte trotzdem sicherheitshalber mit rund 530 Millionen Euro die Schaffung von 10.000 neuen Intensivbetten gefördert. Auf eine Umstellung in den Notbetrieb konnte dann während des zweiten Lockdowns in den meisten Krankenhäusern verzichtet werden. Dort, wo besonders viele Covid-19-Patienten behandelt werden mussten, hatte es weniger an Betten, sondern vielmehr am Personal gemangelt. Ein Problem, das auch von schweren Grippewellen bekannt ist: Wenn in der Erkältungssaison im Winter gleichzeitig mehr Patienten eingeliefert werden und Pfleger und Ärzte wegen Erkrankungen ausfallen, konnten schon vor Corona-Zeiten einige Stationen keine Patienten mehr aufnehmen.

Zahl der Covid-19-Intensivpatienten nimmt ab

Würde die Zahl der Covid-19-Patienten deutlich steigen, müssten nach und nach Pfleger aus anderen Stationen abgezogen und auf die Intensivstationen versetzt werden, was dann an anderer Stelle die Versorgung beeinträchtigen könnte. Doch das ist schon länger nicht mehr der Fall: Die Zahl der Covid-19-Intensivpatienten nimmt im Moment um mehr als 100 pro Tag ab. 349 Menschen wurden heute (Stand 10. Februar) neu aufgenommen, Mitte Dezember waren es zum Teil mehr als doppelt so viele.

Der neue Divi-Präsident Gernot Marx sagte gegenüber dem RND zwar, dass die Zahl der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen rückläufig sei. Er forderte aber dennoch eine Verlängerung des Lockdowns, weil Ärzte und Pflegekräfte auf den Intensivstationen erschöpft seien.

Stöhr: Schulschließungen nur im absoluten Krisenmodus

Der Epidemiologe und ehemalige WHO-Experte Klaus Stöhr dagegen hält die Schließung von Grundschulen und Kindergärten nur dann für gerechtfertigt, wenn sich die Krankenhäuser im „absoluten Krisenmodus” befinden. Stöhr empfiehlt zudem, neue Maßnahmen an den Belegungszahlen der Krankenhäuser auszurichten anstatt an den Infektionszahlen in der Gesamtbevölkerung.

Auch der deutsche Ethikrat hatte zuletzt in einer Stellungnahme gefordert, Einschränkungen schrittweise zurückzunehmen, sobald sich das Risiko einer Überlastung des Gesundheitssystems verringert.

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Eine Verlängerung der Maßnahmen trotz schwindender Belastung der Krankenhäuser hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel zuletzt mit dem Auftreten von neuen Varianten des Virus wie der in Großbritannien entdeckten Linie B.1.1.7. begründet. Allerdings scheint diese nach derzeitigen Erkenntnissen nicht unbedingt zu mehr schweren Verläufen oder einer stärkeren Auslastung der Krankenhäuser zu führen.

Zahlen in Irland trotz neuer Virusmutationen rückläufig

Einer aktuellen Studie zufolge könnte B.1.1.7. zwar um 35 bis 45 Prozent leichter übertragbar sein als die ursprüngliche Variante. Trotzdem sind bisher keine eindeutigen Auswirkung auf das Infektionsgeschehen zu beobachten. In Großbritannien nimmt sowohl die Zahl der Todesfälle als auch die Zahl der Neuinfektionen seit Wochen deutlich ab, obwohl B.1.1.7. dort deutlich stärker verbreitet ist. In Irland sind die Zahlen nach einem kurzen Anstieg Anfang Januar, auf den verschärfte Maßnahmen folgten, ebenfalls stark gesunken. Auch in Dänemark und den USA sinken die Infektionszahlen kontinuierlich, obwohl sich die neue britische Variante dort auszubreiten scheint.

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