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Weniger Angst vor dem Virus: Wieder mehr Patienten in Arztpraxen und Krankenhäusern

  • In den vergangenen Wochen waren Deutschlands Arztpraxen häufig wie leer gefegt.
  • Aus Angst vor dem Corona-Virus haben sich viele Menschen - darunter auch akut Kranke - nicht zum Arzt oder in die Notaufnahme getraut.
  • Nach einem anfänglichen Mangel an Schutzausrüstung in den Arztpraxen hat sich auch diese Lage wieder entspannt.
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Berlin. Nach den Lockerungen in der Corona-Krise suchen auch wieder mehr Patienten Notaufnahmen und Arztpraxen auf. Wie der landeseigene Krankenhauskonzern Vivantes und das Universitätsklinikum Charité auf Anfrage mitteilten, wird im ambulanten Bereich in den vergangenen Wochen eine spürbare Zunahme des Patientenaufkommens beobachtet, ein Niveau wie vor der Pandemie sei aber noch nicht erreicht. Die Kassenärztliche Vereinigung Berlin (KV) spricht von der Wahrnehmung, "dass sich der Betrieb in den Berliner Praxen allmählich normalisiert und das Patientenaufkommen zunimmt".

Patientenzahl in den Krankenhäusern steigt wieder gleich

Ende März hatten Gesundheitsverwaltung, KV, Ärztekammer und Berliner Krankenhausgesellschaft (BKG) an die Bevölkerung appelliert, im Ernstfall keine Scheu vor der Inanspruchnahme der Notfallversorgung zu haben. Krankenhäuser, in denen Schlaganfall-Patienten versorgt werden, verzeichneten damals einen deutlichen Rückgang von Schlaganfall-Patienten. Angenommen wurde, dass viele Patienten mit leichten Schlaganfällen oder auch Herzinfarkten aus Angst vor einer Ansteckung mit Sars-CoV-2 zu Hause bleiben. Dies dürfe nicht sein.

Inzwischen werden laut Krankenhausgesellschaft wieder zunehmend nicht an Covid-19 erkrankte Menschen behandelt: Nachdem die Auslastung in der Corona-Krise zwischenzeitlich auf 55 Prozent heruntergefahren wurde, ist sie nun wieder leicht auf 65 Prozent angestiegen, wie eine BKG-Sprecherin mitteilte. In der Organisation sind 60 Berliner Kliniken zusammengeschlossen. Laut BKG hatte die Auslastung der Krankenhäuser 2019 im Schnitt bei rund 85 Prozent gelegen.

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Operationen sollen wieder aufgenommen werden

Normalität herrscht in den Kliniken also noch lange nicht. Weiterhin würden Covid-19-Patienten versorgt und Intensivbetten für den Fall einer schnellen Zunahme von Corona-Infektionen bereitgehalten, schildert die BKG. Die Charité zum Beispiel behandelte nach eigenen Angaben zu Beginn der Vorwoche noch rund 50 Covid-19-Fälle, davon 43 auf der Intensivstation - die Charité übernimmt in Berlin die schweren Krankheitsverläufe.

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Die Häuser entwickelten nun Konzepte, um Operationen Schritt für Schritt wiederaufnehmen zu können, hieß es von der BKG. Wegen der Pandemie waren die Klinken aufgerufen, grundsätzlich planbare Aufnahmen, Operationen und Eingriffe auszusetzen und Ressourcen für Covid-19 einzusetzen. Wie viele Menschen auf das Nachholen eines Eingriffs warten, konnten die angefragten Krankenhäuser und die BKG nicht beziffern. Je nach Indikation sei der Nachholbedarf unterschiedlich groß, hieß es von Vivantes. Es seien zum Beispiel prozentual mehr Knie-OPs verschoben worden als Entfernungen der Prostata.

Lage um die Schutzausrüstung hat sich entspannt

Generelles Fazit von Vivantes: "Einen Regelbetrieb im Krankenhaus wie vor der Pandemie wird es aus aktueller Sicht auf absehbare Zeit nicht geben." Der Klinikkonzern wies darauf hin, dass etwa bei der Aufnahme sogenannter elektiver Patienten keinerlei Hinweise auf eine Infektion vorliegen dürften, darüber hinaus sei ein negatives Testergebnis nicht älter als 48 Stunden vorausgesetzt. Laut BKG sind regelmäßige Tests auch bei Beschäftigten ohne Symptome erforderlich. Bisherige Erhebungen, etwa bei Charité und Vivantes, "bestätigen eine niedrige Corona-Infektionsquote bei Krankenhauspersonal in Berlin".

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Nach einem anfänglichen Mangel an Schutzausrüstung in den Arztpraxen beschreibt die KV die Lage mittlerweile als entspannter: Mehr als 6500 Praxen seien "umfangreich" mit Schutzausrüstung ausgestattet worden, die KV habe rund drei Millionen sogenannte FFP-Masken beschafft und verteilt. In dieser Woche starte die dritte und letzte Verteilungsrunde. Danach dürfen die Praxen "in der Regel über ausreichend Schutzausrüstung verfügen", hieß es.

In ihrem Bestand will die KV dann nach eigenen Angaben nur noch so viele Masken haben, dass die 25 Covid-19-Praxen und der ärztliche Bereitschaftsdienst ausreichend ausgestattet werden könnten. Eine Bevorratung darüber hinaus sei derzeit nicht geplant.

RND/dpa

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