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Weltsuizidpräventionstag: Jeden Tag 25 Suizide in Deutschland, ältere Männer mit deutlich höherem Risiko

Inwiefern sich die Corona-Maßnahmen auf die Zahl der versuchten Suizide ausgewirkt haben, wird aktuell untersucht.

Zum Weltsuizidpräventionstag weist die Deutsche Stiftung Depressionshilfe auf die Zahl der Suizide und Suizidversuche hin. Durch einen Suizid versterben demnach jeden Tag 25 Menschen in Deutschland, geschätzt 500 Personen begehen täglich einen Suizidversuch. Die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie hätten vermutlich zu einer Zunahme der Suizidversuche geführt, heißt es in einer Mitteilung der Stiftung.

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In Deutschland verstürben jährlich etwa 9.300 Menschen durch Suizid, das seien mehr Menschen, als im Verkehr (ca. 3.300), durch Drogen (ca. 1.400) und durch AIDS (ca. 280) zu Tode kommen. Die Zahl der Suizidversuche werde mehr als 20-mal so hoch eingeschätzt. Zwei von drei Suiziden werden der Stiftung zufolge von Männern verübt. Insbesondere ältere Männer über 70 Jahre haben demnach ein drastisch erhöhtes Suizidrisiko. Suizidversuche würden hingegen am häufigsten von jungen Frauen verübt.

Suizide erfolgten fast immer vor dem Hintergrund einer nicht optimal behandelten psychischen Erkrankung, am häufigsten einer Depression, betont der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutsche Depressionshilfe Ulrich Hegerl in der Stellungnahme: „Die überwältigende Mehrheit der Suizide in Deutschland sind keine Freitode, sondern die tragische Folge schwerer psychischer Erkrankungen. So gehen Depressionen mit großem Leiden und tiefer Hoffnungslosigkeit einher. In der Depression werden bestehende Probleme vergrößert wahrgenommen, und es geht der Glaube verloren, dass sich dieser leidvolle Zustand je wieder bessern wird. In ihrer Verzweiflung sehen Menschen dann im Suizid den einzigen Weg, diesem unerträglichen Zustand zu entkommen.“

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Rückgang der Suizide durch bessere Versorgung

In den letzten 40 Jahren habe sich die Zahl der Suizidopfer halbiert. „Der Rückgang der Suizide dürfte vor allem auf die bessere Versorgung der Menschen mit Depressionen und anderen psychiatrischen Erkrankungen zurückzuführen sein. Den allermeisten Menschen mit Depressionen könne mit Medikamenten und Psychotherapie geholfen werden. Deshalb sei es wie bei jeder anderen Erkrankung entscheidend, sich rasch professionelle Hilfe zu holen, so Hegerl. Ansprechpartner seien Psychiater, Psychologische Psychotherapeuten oder Hausärzte.

Im Februar 2021 hatten in einer bundesweit repräsentativen Erhebung der Stiftung Deutsche Depressionshilfe 44 Prozent der Befragten mit diagnostizierter Depression angegeben, dass sich coronabedingt ihre Erkrankung in den letzten sechs Monaten verschlechtert habe. 8 Prozent hatten Suizidgedanken oder suizidale Impulse entwickelt. Unter den Befragten mit Depression berichten sogar 13 Personen, im letzten halben Jahr einen Suizidversuch unternommen zu haben. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung würde das allein für diese Gruppe Betroffener circa 140.000 Suizidversuche innerhalb eines halben Jahres ergeben.

Die Maßnahmen gegen Corona hätten zu Versorgungsdefiziten und spezifischen Belastungen für die 5,3 Millionen Menschen mit Depression in Deutschland geführt, so der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Depressionshilfe. Besonders die Zahl der Suizidversuche sei alarmierend. Es sei dringend notwendig, bei der Entscheidung über eventuelle künftige Maßnahmen gegen Corona auch Leid und Tod systematisch zu erfassen, die durch diese Maßnahmen entstehen.

Informations- und Hilfsangebote für Menschen mit Depression

  • Wissen, Selbsttest und Adressen rund um das Thema Depression unter www.deutsche-depressionshilfe.de
  • Deutschlandweites Infotelefon Depression 0800 33 44 5 33 (kostenfrei)

RND/ih

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