Welt-Aids-Tag: Experten fordern mehr Tests

  • Erfreulicherweise sinkt die Zahl der HIV-Neuinfektionen konstant und der Anteil erfolgreicher Therapien wird mehr.
  • Denn wird HIV früh entdeckt, können Medikamente einen Ausbruch der Immunschwächekrankheit Aids in den meisten Fällen verhindern.
  • Experten fordern deshalb frühere und zugängliche Tests.
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Bochum. Die Zahl der HIV-Neuinfektionen sinkt laut Robert-Koch-Institut (RKI) konstant. In Deutschland gab es 2018 laut RKI schätzungsweise 2400 Neuinfektionen. 2015 waren es knapp 2800. Das Epidemiologische Bulletin 46/2019 informiert außerdem, dass der Anteil der Personen, die an HIV erkrankt sind, öfter therapiert werden. Die Zahl der Therapien ist von 78 Prozent im Jahr 2006 auf 93 Prozent im Jahr 2018 angestiegen, der Anteil erfolgreicher Therapien liegt bei etwa 95 Prozent. Allerdings liege die Zahl der Menschen, die HIV-infiziert sind, aber nichts davon wissen, also ohne Diagnose sind, konstant bei etwa 10.600.

Frühe Diagnose sollte „Antrieb“ sein

Das Bild zeichnet sich auch in Nordrhein-Westfalen ab. Denn trotz sinkender HIV-Neuinfektionen sind nach Experteneinschätzung im Kampf gegen Aids unverminderte Prävention und mehr frühe Tests nötig. Für NRW sei von geschätzt rund 19.300 Menschen mit HIV auszugehen, aber etwa 2200 unter ihnen seien ohne entsprechende Diagnose.

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Das berichtete der Leiter des WIR-Zentrums für Sexuelle Gesundheit und Medizin an der Bochumer Uni, Norbert Brockmeyer, am Mittwoch unter Berufung auf Zahlen des Robert-Koch-Instituts. „Dabei sollte es ein Antrieb sein, dass man bei früher Diagnose und der sehr guten Therapie, die wir haben, länger und besser leben kann – und auch ohne das Risiko, andere unwissentlich anzustecken.“

Gesellschaftlicher Druck und Angst prägen die Krankheit

Aufklärung und Prävention seien „weiterhin unverzichtbar“, erklärte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) zum kommenden Welt-Aids-Tag am 1. Dezember. Es dürfe nicht nachgelassen werden, über HIV und Aids in der Öffentlichkeit aufzuklären. „Jede einzelne Neuinfektion ist eine zu viel“, betonte Nonnemacher. Noch immer wüssten viele Menschen noch nichts von ihrer Infizierung. HIV und Aids blieben so weiter eine starke Gesundheitsgefahr.

Stigmatisierung, soziale Ausgrenzung und Vorurteile seien jedoch für Betroffene enorm belastend, betonte Nonnemacher: „Dieser gesellschaftliche Druck darf nicht dazu führen, dass Menschen sich aus Angst nicht testen, ärztlich beraten oder behandeln lassen.“ Wer Zweifel habe, solle sich lieber testen lassen, zum Beispiel in den Gesundheitsämtern. Inzwischen seien zudem auch HIV-Selbsttests in Apotheken und Drogerien frei erhältlich.

Weltweit 1,7 Millionen Neuinfektionen

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2018 steckten sich weltweit etwa 1,7 Millionen Menschen neu mit dem HI-Virus an, 770.000 HIV-Positive starben an den Folgen der Immunschwächekrankheit, wie der Direktor für strategische Information des Hilfsprogramms Unaids, Peter Ghys, am Dienstag in Genf mitteilte. 2010 hätten sich 2,1 Millionen Menschen neu angesteckt und 1,2 Millionen Infizierte seien der Krankheit erlegen. Laut Schätzungen tragen weltweit 37,9 Millionen Menschen das Aids-Virus in sich, mehr als zwei Drittel davon in Afrika südlich der Sahara.

Erfolge bei der Therapie - Wirkung bei 95 Prozent

Dennoch meldeten die Vereinten Nationen Fortschritte im Kampf gegen Aids. Rund 24,5 Millionen HIV-Infizierte könnten sich inzwischen einer lebensverlängernden Therapie unterziehen, heißt es im Bericht, den die Organisation zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember vorlegte. Im Jahr 2010 hätten 7,7 Millionen Menschen die sogenannten antiretroviralen Medikamente erhalten.

In Deutschland sei davon auszugehen, dass 88 Prozent der HIV-Infizierten diagnostiziert seien. Von diesen erhalten 93 Prozent eine Therapie. Sie wirke in gut 95 Prozent der Fälle. Die Viruslast im Blut werde dann unter die Nachweisgrenze gedrückt und ein Ausbruch der Immunschwächekrankheit Aids verhindert. Auch eine vorbeugende Behandlung („PrEP“) habe die Zahl der Neuinfektionen mit gesenkt, meint Brockmeyer. Dabei nehmen HIV-negative Menschen ein Medikament ein, um sich vor einer HIV-Ansteckung zu schützen.

RND/dpa/epd/ame

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