Pandemie-Langzeitstudie: Welcher Corona-Typ sind Sie?

  • Wie haben sich die Deutschen während der Corona-Pandemie gefühlt und was hat ihnen Zuversicht gegeben?
  • Die Diakonie hat in einer Langzeitstudie 50 Menschen fast ein Jahr lang begleitet und sie zu ihrem Wohlbefinden befragt.
  • In der nun veröffentlichten Studie präsentieren sie acht verschiedene Typen, die ganz unterschiedlich mit der Pandemie umgehen.
Inga Schönfeldt
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Berlin. Haben Sie sich während der Corona-Pandemie wie in einem Hamsterrad gefühlt? Empfanden Sie die Kirche als alltagsfremd und haben sich Zuspruch eher bei Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin oder einem Coach geholt? Dann gehören Sie zur Gruppe der Erschöpften.

Insgesamt acht verschiedene Typen hat die Diakonie Deutschland entworfen, die die unterschiedlichen Gemütslagen der Menschen seit Beginn der Corona-Pandemie illustrieren sollen. Dazu gehören neben den Erschöpften auch die Achtsamen, Empörten, Zuversichtlichen, Mitmacher, Genügsamen, Ausgebrannten und die Denker. Sie unterschieden sich nicht nur darin, wie belastend sie zum Beispiel die Kontaktbeschränkungen empfunden haben, sondern auch, wer ihnen in den vergangenen 22 Monaten Halt gegeben hat und wie nachvollziehbar sie die Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens fanden.

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50 Menschen wurden befragt

Dazu hat die Diakonie gemeinsam mit der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD), der Evangelischen Zukunftswerkstatt Midi und der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) eine Langzeitstudie durchgeführt, deren Ergebnisse sie am Montag veröffentlichte. Vom Herbst 2020 bis zum Sommer dieses Jahres hat ein Marktforschungsinstitut dafür 50 Frauen und Männer aus Deutschland dreimal ausführlich interviewt. Aus diesen Gesprächen wurden anschließend die acht Typen abgeleitet, die das „Lebensgefühl dieser Corona-Personae“ einfangen, wie die Herausgeber schreiben.

Ziel der Studie war es auch, herauszufinden, was die Bedürfnisse der Gläubigen sind und wie die Kirche die verschiedenen Persönlichkeiten besser erreichen kann. „Die Corona-Personae – und nicht nur diese – sind eben äußerst eigenständige, selbstständige Persönlichkeiten, die als große Gruppe der Gleichen kaum noch hinreichend erfassbar sind. Es braucht den dialogischen und individuellen Zugang zu jeder und zu jedem Einzelnen“, schreibt Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland, in seinem Vorwort.

Empörte nutzen Corona-Pandemie zur Selbstreflexion

Der Typ der Empörten ist etwa zwischen 20 und 40 Jahren alt und im Sozialwesen oder als Künstler oder Künstlerin tätig. Personen dieser Kategorie wollen sich selbst verwirklichen und für Gerechtigkeit und Solidarität einstehen. Dafür kritisieren sie lautstark die Gesellschaft, heißt es in der Studie. Sie haben keinen Bezug zur Religion und suchen Rat eher in ihrem großen Freundeskreis.

Ihre Freundinnen und Freunde haben ihnen auch in der Pandemie Halt gegeben. „Das Social Distancing wurde vor allem mit Blick auf den Freundeskreis kreativ-digital aufgefangen, etwa durch das gemeinsame Kochen über Facetime oder Zoom“, heißt es in der Studie. Die Lockdowns nutzten die Empörten zur Selbstreflexion und um neue Dinge auszuprobieren.

Corona verunsichert die Ausgebrannten

Ein anderer Typ ist der Ausgebrannte. Diese Menschen sind meist verheiratet und haben Kinder, die für sie an erster Stelle stehen. Die eigenen Bedürfnisse stellen sie meistens hinten an. Sie sind während der Pandemie an ihre Grenzen gestoßen, wurden durch die Maßnahmen sehr verunsichert und sie hatten dazu noch große Angst, ihre Angehörigen mit dem Coronavirus anzustecken. „Sie haben sich über die Maßen stark reglementiert gefühlt, vor allem durch die Restriktionen bei den Besuchsregelungen in Krankenhäusern und Einrichtungen der Pflege.“

Personen, die zur Kategorie der Achtsamen gezählt wurden, sind stark an Themen wie Spiritualität, Astrologie und Meditation interessiert. Sie sind oft im therapeutischen Bereich tätig und haben eine entspannte innere Haltung zur Pandemie. Sie sind genervt von den Corona-Einschränkungen und stehen teilweise auch der Impfung skeptisch gegenüber.

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Zuversichtliche finden Halt im persönlichen Umfeld

Die Zuversichtlichen gehen ähnlich entspannt mit dem neuartigen Virus um. Halt gibt ihnen jedoch nicht Spiritualität, sondern ihr soziales Umfeld. Denn sie sind meist ehrenamtlich in ihrem Wohnort engagiert und gehen auch regelmäßig in die Kirche. Große Angst vor einer Erkrankung an Covid-19 haben sie nicht.

Auch die Mitmacher setzen sich gerne für andere ein. Sie übernehmen gerne Verantwortung und haben wenig Verständnis für Menschen, die sich nicht an die Corona-Regeln halten. Den Mitmachern sind Stabilität, Ordnung und Sicherheit ein großes Bedürfnis.

Genügsame leiden unter Einschränkungen in der Freizeit

Die Genügsamen stehen mitten im Berufsleben. Ihnen ist ihre Work-Life-Balance und die Gründung einer eigenen Familie sehr wichtig. Während der Lockdown-Monate haben sie sich ihren Tag gut strukturiert und die Zeit genutzt, um Dinge zu erledigen. Sie haben sich durch das Coronavirus nicht besonders bedroht gefühlt und haben es eher bedauert, dass sie nicht wie gewohnt ihre Freizeit gestalten konnten.

Als geistige Avantgarde nehmen sich die Denker wahr. Sie sind gut situiert und meist aus der Kirche ausgetreten. Je länger die Pandemie anhält, desto mehr stellt sie die Denker vor Herausforderungen, denn sie sehen sich sehr nach einem intellektuellen Austausch mit Gleichgesinnten.

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Welcher Typ besonders häufig oder selten auftritt, wird in der Studie nicht aufgeführt.

Onlinetool: Welchem Typ entsprechen Sie?

Die Forscherinnen und Forscher bieten auf der Webseite der Evangelischen Zukunftswerkstatt einen „Pandem-O-Mat“ an. Damit kann jeder und jede herausfinden, welcher Corona-Persona man am ehesten entspricht.

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