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Welchen Nutzen Corona-Schnelltests an Schulen bis Frühjahr 2022 noch haben können

Innerhalb weniger Minuten zeigt ein Antigenschnelltest, ob jemand akut infektiös ist.

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Damit die Schulen offen bleiben können, plädiert Lothar Wieler für Schutzmaßnahmen wie Abstand und Masketragen bis zum kommenden Frühjahr. Auch Schnelltests sollten Schülerinnen und Schüler weiterhin durchführen, sagt der RKI-Präsident. Denn die Delta-Variante breitet sich weiter in Deutschland aus – auch wenn sich die Anzahl der Infektionen gerade auf niedrigem Niveau befindet. Rund 15 Prozent der untersuchten Proben macht laut Robert Koch-Institut bereits diese Mutante aus.

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Wieler rechnet deshalb mit einem steigenden Infektionsgeschehen an Schulen. „Es werden vermehrt Fälle bei Kindern auftreten, schon jetzt sehen wir größere Ausbrüche der Delta-Variante in Schulen“, sagte er der „Rheinischen Post“ (Freitag). Aber bringt das tägliche Stäbchen in der Nase überhaupt etwas, um dieses Ziel zu erreichen? Ja, sagt eine Ende Juni veröffentlichte Modellstudie, die den Einfluss von Testungen an Schulen während der dritten Welle rückblickend genauer untersucht hat.

Studie: Massentests an Schulen hatten große Wirkung während dritter Welle

Die Forschenden des Fraunhofer-Instituts für Techno- und Wirtschaftsmathematik (IWTM) wollten wissen, wie hoch der Effekt von drei Maßnahmenbereichen ausfiel: Impfungen, Kontaktbeschränkungen und Testungen. Um das beurteilen zu können, haben die Mathematikerinnen und Mathematiker an das RKI übermittelte Infektionszahlen in einem epidemiologischen Modell von Ende Januar bis Mitte Mai untersucht. Genauer verglichen wurden dabei die Kontakt- und Entdeckungsraten aus vier Bundesländern: Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Thüringen – wegen der zum Teil unterschiedlichen Ferienzeiten.

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„Das war schon etwas verzwickt“, wird Studienleiter Jan Mohring in einer Mitteilung zur Studie zitiert. „Wir haben die wöchentlichen Kontakt- und Entdeckungsraten so bestimmt, dass die simulierten Meldezahlen mit den echten übereinstimmten.“ Das sei ihr Modell der Wirklichkeit gewesen. „Anschließend haben wir drei Szenarien durchgerechnet, in denen je ein Maßnahmenpaket abgeschaltet wurde.“

Wir waren selbst erstaunt, wie genau der Anstieg der Entdeckungsrate mit der Einführung von Schnelltests an den Schulen in den untersuchten Bundesländern korrelierte.

Dr. Jan Mohring,

Studienautor

Es zeigte sich, dass durch die Einführung von Massentests die Dunkelziffer aufgehellt wurde, weil sich die Entdeckungsrate erhöhte. Sprich: Infizierte Personen, die zuvor keine Symptome zeigten oder sich nicht in ärztliche Behandlung begeben hatten, wurden nun erfasst. Die Entdeckungsrate der Infizierten ist der Studie zufolge in Deutschland seit der zweiten Märzwoche kontinuierlich angestiegen. Ab diesem Zeitraum waren auch die Selbsttests für alle verfügbar. Lediglich über Ostern brach die Entdeckungsrate kurz ein. Nach den unterschiedlich endenden Schulferien stieg sie hingegen steil an. Ließ man das Testen weg, war der Anstieg der Infektionen hingegen am höchsten.

„Wir waren selbst erstaunt, wie genau der Anstieg der Entdeckungsrate mit der Einführung von Schnelltests an den Schulen in den untersuchten Bundesländern korrelierte“, berichtet dazu Mohring. Statt durch die Impfungen oder Kontaktbeschränkungen habe die Forschungsgruppe den stärksten Effekt bei den flächendeckenden Schnelltests ohne symptomatischen Anlass ausmachen können. Sie schreiben diesem Instrument im Vergleich zu Kontaktbeschränkungen und Impfungen den größten Beitrag beim Brechen der dritten Welle zu.

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Insbesondere die Massentestungen an Schulen hätten sich als effektiv erwiesen – „vermutlich, weil durch die Kombination von Schulpflicht und Testpflicht ein ungefilterter Blick in alle Bevölkerungsgruppen möglich war“, heißt es in der Mitteilung. Zumal ein sehr großer Teil der Kinder und Jugendlichen eine asymptomatische Infektion durchläuft und nur in seltenen Fällen schwer erkrankt.

Kritik an Genauigkeit von Schnelltests bei Kindern und Jugendlichen

Schon zu Beginn des Jahres, als noch keine ausgefeilten Testsysteme in Deutschland existierten, gab es Studien, die berechnet haben, dass, wenn sich jeder ein- bis zweimal pro Woche selbst testen würde, es allein dadurch gelingen könnte, die Virusausbreitung in der Bevölkerung quasi auf null zu drücken – zumindest in der Theorie.

Zweifel bleibt allerdings trotzdem seit der Einführung der Testpflicht an Schulen. Zum einen wegen der Umsetzung vor Ort. Zum anderen wegen der bezweifelten Genauigkeit von Schnelltests bei Kindern und Jugendlichen. Die in Deutschland zugelassenen Antigenschnelltests seien vorab nur an Erwachsenen getestet worden, die Symptome einer Covid-19-Infektion hatten, kritisierte etwa diese Woche Burkhard Rodeck von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin.

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Für asymptomatische Kinder sei die Sensitivität seitens der Hersteller bislang nicht getestet worden, nur in Form von Nachuntersuchungen. Und diese Nachuntersuchungen zeigten, „dass die Sensitivität hier bei den ganz jungen Kindern bei knapp 20 Prozent liegt, bei den älteren Kindern bei 40 Prozent“, sagte der Facharzt gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. „Das heißt, von zehn tatsächlich infizierten Kindern erkenne ich über die Schnelltestverfahren mal gerade zwei.“

Klar ist aber, dass durch das Instrument der Schnelltests zumindest ein gewisser Teil der ansonsten unerkannt bleibenden Infektionen gefunden werden kann – wohl auch, wenn sich die von Corona-Expertinnen und -Experten als reales Szenario betrachtete vierte Welle anbahnt.

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