Wein, Gin und Korn: Im Handel wird deutlich mehr Alkohol gekauft

  • Nachmittags ein Gläschen Wein, abends einen kühlen Gin Tonic – macht doch nichts, man ist ja eh zu Hause.
  • So oder so ähnlich denken wohl viele Deutsche in Corona-Zeiten, der Alkoholverkauf im Einzelhandel ist seit Februar deutlich angestiegen.
  • Experten warnen jedoch vor dem Corona-Rausch, besonders in der Isolation.
Alice Mecke
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Hannover. Keine Termine und leicht einen sitzen – das ist die Definition von Glück für die deutsche Schauspiellegende Harald Juhnke. Und der scheinen in Corona-Zeiten viele Deutsche zu folgen. Wie der “Spiegel” in seiner neuen Ausgabe (17/2020) berichtet, wird – offenbar wegen der Ausgangsbeschränkungen – aktuell mehr Wein, Gin und Korn gekauft. Daten der GfK-Konsumforscher zeigen den deutlichen Anstieg von verkauften alkoholhaltigen Getränken im Einzelhandel. Für die GfK-Zahlen scannen 30.000 deutsche Haushalte regelmäßig ihre Einkäufe ein.

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Kein Bier mehr in der Kneipe

Demnach kauften die Deutschen von Ende Februar bis Ende März 2020 gut ein Drittel mehr Wein als im gleichen Zeitraum 2019. Auch bei Gin und Korn gab es eine Steigerung von knapp 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders beliebte Quarantänegetränke scheinen Alkoholmischgetränke zu sein, hier wuchs der Absatz um 87 Prozent. Laut Gfk-Forschern machen diese Getränke aber nur einen geringen Anteil am Gesamtmarkt aus. Lediglich Bier wurde weniger gehamstert, die Bierkäufe steigerten sich um 11,5 Prozent.

Beim Bier zeigt sich allerdings auch, dass die Deutschen nicht zwangsweise mehr Alkohol als zuvor trinken. „Der Flächenbrand in der Gastronomie springt zunehmend auf die Brauwirtschaft über“, warnte jüngst der deutsche Brauerbund (DBB). Weil Kneipen wegen der Pandemie geschlossen sind und das noch länger so zu bleiben droht, falle rund ein Viertel des Absatzes weg. Unter dem Strich dürfte also weniger Bier getrunken werden.

Mediziner: “Corona-Blues lässt sich nicht wegtrinken”

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Die Entwicklung der Alkoholverkäufe im Einzelhandel wird trotzdem mit Sorge beobachtet. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU), befürchtet, dass Menschen, die sich ohnehin schon von der Gesellschaft abkapseln, noch einsamer werden: “Corona treibt viele suchtkranke Menschen noch mehr in die Isolation. Kneipen und Restaurants haben zu, diese Form des öffentlichen Konsums fällt also weg. Getrunken wird hinter verschlossenen Türen."

Auch Mediziner warnen vor den Folgen des Alkoholrausches: “Der Corona-Blues lässt sich nicht wegtrinken. Alkohol in höheren Mengen kann das Immunsystem massiv schädigen, was Infektionen Tür und Tor öffnet wie beispielsweise virale und bakterielle Lungenentzündung, Herzmuskelentzündung und auch Tuberkulose”, warnt Helmut Karl Seitz von der Universität Heidelberg.


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