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  • Weihnachten und Winter mit Corona: Was geht und was nicht? Tipps für den Alltag

Alltagstipps für den Corona-Winter: Ist die Weihnachtsfeier vertretbar – und kann ich Oma noch besuchen?

  • Kann ich noch guten Gewissens ins Restaurant gehen, die Weihnachtsfeier planen, Verwandte besuchen?
  • Die explodierenden Fallzahlen machen deutlich: Es braucht erneut einen Kontaktverzicht.
  • Was Expertinnen und Experten für zehn Alltagssituationen in diesem Corona-Winter raten.
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Soziale Kontakte sollten wieder reduziert werden. Das empfiehlt das Robert Koch-Institut (RKI). Darum bitten auch die Intensivmediziner und Intensivmedizinerinnen. Das Gebot zum freiwilligen Verzicht aus zweiter und dritte Welle wird also auch in diesem Corona-Winter notwendig. Was aber raten Expertinnen und Experten in konkreten Alltagssituationen? Wie verhalten sie sich selbst? Was empfehlen sie beim Restaurantbesuch, für die geplante Weihnachtsfeier, das Fußballtraining, den Büroalltag?

Wir haben nachgefragt: bei Marco Binder, Virologe, der am Deutschen Krebsforschungszentrum zu Corona forscht. Bei Anita Schöbel, die das Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik der Fraunhofer-Gesellschaft leitet und das Infektionsgeschehen modelliert. Beim Physiker Dirk Brockmann, der sich mit Kontaktnetzwerken in Pandemien beschäftigt. Außerdem bei Ralf Bartenschlager, dem Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Virologie und Marianne Röbl-Mathieu, Mitglied der Ständigen Impfkommission und Gynäkologin.

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Die Party in den eigenen vier Wänden

In meinem Freundeskreis sind alle geimpft. Kann ich bei steigenden Infektionszahlen noch guten Gewissens eine Geburtstagsparty ausrichten? Was sollte ich bei der Planung beachten, und was meine Gäste?

Brockmann: Eine große Feier mit 50 Leuten würde ich im Moment absolut vermeiden. Ich würde möglichst im kleinen Kreis feiern und bei steigenden Infektionszahlen auch spontan entscheiden, ob die geplante Party überhaupt stattfindet. Bei den Gästen würde ich schauen, wie alt sie sind. Damit niemand zu Schaden kommt, sollten vorher alle einen Test machen.

Binder: Auch Geimpfte sind nicht absolut sicher. Je mehr Menschen zusammenkommen, desto eher kann es vorkommen, dass sich darunter auch ein unwissentlich Infizierter befindet. Wenn eine Party mit vielen Personen in meiner Wohnung stattfindet, bitte ich alle, sich trotz Impfung vorab selbst zu testen. Die Tests sind ja nicht sonderlich teuer. Ich halte auch immer welche auf Vorrat, falls mal jemand selbst keinen zur Hand hat.

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Schöbel: Je größer die Party, desto wahrscheinlicher, dass sich das Virus unter den Gästen verbreiten kann und später auch wieder Ungeimpfte erwischt. Aus Fairness gegenüber der Gesellschaft sollten derzeit also auch Geimpfte mit großen Veranstaltungen zurückhaltend sein. Falls Sie oder Ihre Gäste ein paar Tage nach der Party jemand besuchen, der zu den vulnerablen Gruppen gehört, würde ich lieber vorher einen Test machen.

Sport in der Gruppe

Ich gehe zwei Mal die Woche zum Fußballtraining und fühle mich unwohl, weil nicht alle geimpft sind. Sollte ich das in der Mannschaft thematisieren – und worauf sollten wir achten?

Binder: So lange das Training im Freien auf dem Platz stattfindet, halte ich persönlich das Ansteckungsrisiko immer noch für eher klein. Ich finde aber schon, dass man das Thema trotzdem ansprechen darf und sollte, um beispielsweise klar zu machen, dass jemand, der sich auch nur leicht krank fühlt, nicht zum Training kommen soll. Vielleicht entwickelt sich ja so auch ein Gespräch, in dem man die Möglichkeit hat, mit guten Argumenten und eigenen Erfahrungen den ein oder anderen zum Umdenken zu bringen.

Schöbel: Bei Kontakten mit Ungeimpften ist die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung von Covid-19 größer als bei Geimpften. Wenn Sie sich deswegen in der Anwesenheit Ungeimpfter nicht wohl fühlen, bitten Sie Ihre Mannschaftskameraden doch, vor dem Training jeweils einen Test zu machen. Eigentlich sollten sich aber vor allem Ihre nicht geimpften Mannschaftskollegen unwohl fühlen! Denn sie können sich beim Training noch viel leichter infizieren. Und haben ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf als Sie – denn Sie sind ja geimpft.

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Der Restaurantbesuch

2G-Zugangsregeln setzen inzwischen immer mehr Restaurants und Kneipen um. © Quelle: imago images/snapshot

Auf einmal ist wieder von Maßnahmen und Lockdown die Rede. Bevor wieder alles schließt, will ich so viel wie möglich mitnehmen. Allerdings wird in meinen Lieblingsclubs und Restaurants nur sporadisch nach dem Impfausweis gefragt. Wie vorgehen?

Brockmann: Ich persönlich schraube gerade alles an Kontakten herunter, was nur irgendwie geht. Ich meide auch Orte in der Öffentlichkeit, wo viele Leute aufeinandertreffen – einfach, damit sich niemand ansteckt. Wir befinden uns gerade in einer sehr ernsten Situation. Die Impfung schützt ganz stark vor schwerer Krankheit. Sie reduziert auch die Übertragbarkeit. Aber diese Deltavariante ist so übertragbar, dass die Infektionsdynamik eben auch bei den Geimpften stattfindet. Wir sollten uns alle gegenseitig schützen – solange viele Erwachsene und Kinder nicht geimpft und Ältere nicht geboostert sind.

Binder: Es ist der grundfalsche Zeitpunkt, noch einmal „so viel wie möglich mitzunehmen“. Insbesondere Clubs oder Bars, in denen dermaßen lax kontrolliert wird, würde ich nun eher nicht mehr besuchen – so schwer das auch fällt. Ich finde es auch völlig in Ordnung, dem Betreiber mitzuteilen, dass sein mangelhafter Umgang mit dem Hygienekonzept der Grund für mein Fernbleiben ist. Wenn das auch genügend andere tun, dürfte der wirtschaftliche Anreiz immer größer werden, bei den Impfausweis- und Testkontrollen nachzubessern.

Schöbel: Aus Fairness gegenüber der Gesellschaft sollten wir alle dazu beitragen, dass sich das Virus nicht so schnell weiterverbreitet und damit das Gesundheitssystem überlastet. Wie das geht, wissen wir ja von den vorherigen Wellen: Kontakte reduzieren. Falls Sie nicht geimpft sind, sollten Sie besonders vorsichtig sein. Immer wenn Sie unter Menschen gehen, besteht die Gefahr, dass Sie sich anstecken und an Covid‑19 erkranken. Das gilt auch für Restaurants, in denen die Nachweise kontrolliert werden, denn auch Geimpfte können das Virus weitergeben. Wenn Sie geimpft sind, können Sie das entspannter sehen, denn die Wahrscheinlichkeit für eine Infektion und besonders für einen schweren Verlauf ist bei Ihnen deutlich geringer.

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Die Planung der Weihnachtsfeier

Auch dieses Jahr wird Weihnachten von der Pandemie geprägt sein. © Quelle: freestocks-photos/Pixabay

Weihnachten mit der Großfamilie steht an, alle sind geimpft. Wie können wir möglichst entspannt feiern – und ist das bei so hohen Zahlen überhaupt eine gute Idee?

Bartenschlager: Es hat jeder selbst in der Hand, wie das Weihnachtsfest abläuft. Ich persönlich wäre entspannt, wenn alle, die an den Festlichkeiten teilnehmen, geimpft sind. Wenn auch die 80-jährigen Eltern oder Großeltern dabei sind, sollten diese eine Boosterimpfung erhalten haben. Man muss sich bewusst sein, dass bei fehlendem Immunschutz ein Infektions- und auch Erkrankungsrisiko besteht.

Brockmann: Das kann ich im Moment noch nicht beantworten. Ich wäre da aber eher auf der vorsichtigen Seite. So wie das Virus jetzt durch die Decke geht, werden wir auch an Weihnachten mit hoher Wahrscheinlichkeit eine sehr hohe Inzidenz haben. Die Inzidenz geht exponentiell stark nach oben. Es ist im Moment kein Knick, kein Wendepunkt sichtbar. Das ist sehr besorgniserregend. Wir wissen: Kein Land fällt plötzlich von einer Inzidenz von 250 auf 10. Das ist ein sehr träger Prozess.

Binder: Weihnachten ist noch über einen Monat entfernt und kaum jemand kann vorhersehen, wie sich die Situation bis dahin entwickelt. Wäre kommende Woche Weihnachten, würde ich die Familienfeier handhaben wie jede andere Feier oder Party mit vielen (allesamt geimpften) Gästen in der Wohnung: Wenn sich jeder vorab selbst testet, kann die Sicherheit für alle – insbesondere die älteren Verwandten – noch einmal deutlich erhöht werden!

Schöbel: In diesem Winter ist es dank der Impfung leichter möglich, Weihnachten mit der Familie zu feiern, als es das letztes Jahr war. Am besten ist es, wenn die Älteren unter den Familienmitgliedern alle auch schon ihre dritte Impfung erhalten haben. Zusätzlich empfehle ich, dass sich alle direkt vor der Weihnachtsfeier noch testen. Wenn man dann in einer nicht zu großen Gruppe Weihnachten feiert, sollte einem entspannten Fest eigentlich nichts entgegenstehen.

Maske tragen in der Öffentlichkeit

FFP2 oder OP-Maske? Was macht mehr Sinn bei steigenden Infektionszahlen? © Quelle: imago images/photothek

Beim Straßenbahnfahren, beim Einkaufen, im Büro: Ist die FFP2-Maske jetzt wieder die bessere Wahl als die OP-Maske?

Binder: Die FFP2-Maske schützt nur dann wirklich so viel besser als der normale medizinische Mund-Nase-Schutz, wenn sie exakt passt und korrekt getragen wird. Hierzu sollte man sich von einer Fachperson, zum Beispiel einer Ärztin oder einem Apotheker, beraten lassen. Wenn man von längeren Bahnfahrten in überfüllten, schlecht belüfteten Abteilen absieht (Aerosole!), halte ich die medizinische Maske für ausreichend und praktikabler.

Schöbel: Richtig angelegt bietet eine FFP2-Maske einen besseren Schutz als OP-Masken und ich würde sie daher vorziehen!

Büroalltag

Im Büro sind wir sehr viele Menschen. Sollten wir wieder so oft wie möglich ins Homeoffice wechseln, wenn das möglich ist?

Binder: Wenn im Betrieb nicht mehr jeder regelmäßig getestet wird, und ich vielleicht nicht einmal weiß, ob jeder Kollege im Büro geimpft ist, dann würde ich es auf jeden Fall für sinnvoll halten, wo immer möglich wieder ins Homeoffice zu wechseln. Aber vielleicht kann man das ja auch mit den Kollegen und dem Arbeitgeber thematisieren. Wenn alle geimpft sind und idealerweise noch eine Testmöglichkeit durch den Betrieb besteht, ist das Risiko überschaubar.

Schöbel: Wenn Sie und Ihre Kollegen geimpft sind, und Ihre Büronachbarn nicht von Tag zu Tag wechseln, sehe ich keine Notwendigkeit, die Arbeit komplett ins Homeoffice zu verlegen.

Der Besuch von Oma und Opa

Vor dem Besuch bei Oma und Opa sollte man lieber einen Test machen. © Quelle: Karolin Krämer/dpa-tmn

Ich bin zehn Jahre alt und kann mich noch nicht impfen lassen. Kann ich trotzdem noch meine Oma besuchen? Geimpft ist sie.

Binder: Wenn die Oma bereits ihre Auffrischungsimpfung erhalten hat, dann würde ich mir wenig Sorgen machen. Das liebe Enkelkind in den Arm zu nehmen kann für sie vielleicht „gesünder“ sein, als aus Vorsicht vor Corona auf den Kontakt zu verzichten. Aber ganz wichtig: einfach offen ansprechen und fragen, ob sie gerne Besuch hätte oder einen (Video-)Anruf vorzieht. Es geht um ihre Gesundheit, also sollte sie entscheiden! Wenn die Großmutter aber schon sehr alt ist und vielleicht sogar in einem Heim mit anderen alten Menschen lebt, dann würde ich auf jeden Fall immer zuerst einen Test machen – auch wenn der letzte Lollitest in der Schule negativ war. Das tut nicht weh und schützt die Oma ganz ungemein.

Schöbel: Wenn die Oma bisher zwei Mal geimpft ist, ist das schon ein sehr guter Schutz. Am besten überzeugt, dass die dritte Impfung den Schutz noch deutlich erhöht und sie danach noch viel sicherer ist. Falls du dir weiterhin Sorgen machst und deine Oma richtig umarmen möchtest, mach doch vorher noch einen Test bei dir.

Mit Risikofaktor bei Veranstaltungen

Ich liebe es, auf Konzerte zu gehen, bin aber schwanger. Sollte ich trotz Impfung in der vierten Welle darauf verzichten?

Röbel-Mathieu: Einem begeisterten Konzertfan fällt es verständlicherweise schwer, auf ein solches Ereignis zu verzichten. In der jetzigen Situation würde ich einer schwangeren Frau allerdings eher davon abraten – besonders wenn sie nicht geimpft sein sollte. Denn die Verbreitung der Deltavariante und die hohe Inzidenz führt zu einem hohen Risiko, sich anzustecken, auch durch Geimpfte, selbst wenn man durch Impfung vor einem schweren Verlauf weitgehend geschützt ist.

Eine Covid-19-Infektion in der Schwangerschaft ist mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf verbunden. Auch das Risiko für eine Behandlung im Krankenhaus, auf der Intensivstation oder für eine invasive Beatmung ist deutlich höher als bei nichtschwangeren Frauen. Bei einer schweren Covid-19-Erkrankung während der Schwangerschaft erhöht sich zudem das Risiko für eine Frühgeburt, und in diesem Zusammenhang kommt es auch zu einer häufigeren intensivmedizinischen Behandlungsnotwendigkeit des Neugeborenen.

Ungeimpft im Kundenkontakt

Ich habe Angst vor der Impfung und will noch abwarten. In meinem Beruf treffe ich aber auf viele Ungeimpfte. Worauf sollte ich achten?

Schöbel: In der aktuellen Situation ist die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken so groß wie bisher noch nie in der Pandemie. An Ihrer Stelle hätte ich mehr Angst davor, an Covid‑19 zu erkranken als vor Nebenwirkungen der Impfung.

Binder: Angst kann man durch gute, sachliche Information oft in den Griff bekommen – auch Flugangst-Seminare funktionieren so, und die haben hervorragende Erfolgsraten! Ich würde mich deshalb mit meinem Hausarzt und gegebenenfalls einem zweiten Arzt unterhalten und ihm oder ihr meine Bedenken schildern. Ärzte haben große Erfahrung mit Impfungen und meinem Hausarzt vertraue ich mehr, als irgendwelchen Leuten auf Youtube oder Instagram. Wenn ich bei meiner Entscheidung bleibe, würde ich im Kundenkontakt auf eine FFP2-Maske setzen, die sowohl mein Gegenüber als auch mich selbst sehr gut schützen kann.

Angst vor dem Booster

Ich bin vollständig geimpft und habe nach der zweiten Dosis allergisch reagiert. Als über 70-Jährige müsste ich mich bald ein drittes Mal impfen lassen, bin aber noch zurückhaltend, weil ich weitere allergische Reaktionen fürchte. Wie sollte ich mich jetzt am besten verhalten?

Schöbel: Ihre Situation ist verständlich. Ich empfehle, dass Sie mit Ihrem Arzt offen darüber reden, was er Ihnen empfiehlt.

Binder: Echte allergische Reaktionen auf die aktuellen Impfstoffe sind extrem selten und ungewöhnlich. Unter Umständen lag also gar keine allergische Reaktion vor, sondern nur eine (zugegeben: unangenehme) Impfreaktion. Die jedoch wäre kein Grund zur Sorge und zeigt im Gegenteil eher an, dass die Impfung ihre Wirkung tut. Nach zwei, drei Tagen sind die Beschwerden dann auch wieder weg. Da gerade für über 70-Jährige das Coronavirus im Gegensatz zu solchen Impfreaktionen tatsächlich schwerwiegende, teils sogar lebensbedrohliche Risiken mit sich bringt, würde ich auf jeden Fall die dritte Impfung bekommen wollen. Lassen Sie sich am besten von Arzt oder Ärztin beraten!

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