Der Preis von Weihnachten: Steigen nach den Feiertagen die Corona-Zahlen?

  • Die Zahl der Corona-Toten hat am Mittwoch einen neuen Höchststand erreicht.
  • Auch die Anzahl der Neuinfektionen steigt seit einigen Tagen wieder.
  • Was droht zu Beginn 2021, wenn zu Weihnachten und Silvester mehr Kontakte stattfinden? Und was empfehlen Wissenschaftler Familien konkret für die Feiertage?
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Es sind keine guten Voraussetzungen, um entspannt Weihnachten und Silvester im Kreise der Liebsten zu feiern: Die Zahl der nach einer Sars-CoV-2-Infektion gestorbenen Menschen hat am Mittwoch mit 590 übermittelten Fällen einen traurigen Höchststand erreicht. Die Meldedaten des Robert-Koch-Instituts (RKI) machen wenig Hoffnung, dass dieser Trend gebrochen wird.

Zwar stagniert die Inzidenz in den jüngeren Altersgruppen, nimmt teilweise auch leicht ab. „In den Altersgruppen ab 75 Jahre sind hingegen weiterhin zum Teil deutliche Inzidenzanstiege zu beobachten“, heißt es im RKI-Situationsbericht von Dienstag. Besonders dramatisch: Die Anzahl der Covid-19-Fälle in Altenpflegeheimen macht seit der Woche vom 23. November den größten Anteil bei den Ausbruchsituationen aus.

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Folge von vielen Kontakten: Mehr Tote, Dauerbelastung der Krankenhäuser

Wissenschaftler fürchten, dass sich das Infektionsgeschehen durch das Zusammentreffen mehrerer Haushalte über Weihnachten und Silvester noch verschärft. „Die Weihnachtszeit und der Jahreswechsel bergen mit ihren traditionell verstärkten und engen sozialen Kontakten große Risiken für eine weitere Verschlechterung der Infektionslage“, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme der Akademie der Wissenschaften Leopoldina.

Schon jetzt sei die Lage sehr ernst, machen die Unterzeichner klar, darunter auch der Virologe Christian Drosten und RKI-Chef Lothar Wieler. In den vergangenen sieben Tagen seien mehr Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben als 2019 im Straßenverkehr. Die Gesundheitsämter, die Krankenhäuser und insbesondere das medizinische Personal seien bereits jetzt an der Grenze des Leistbaren. „Für eine Dauerbelastung auf diesem Niveau sind das Gesundheitssystem und auch die großen Kliniken nicht eingerichtet“, heißt es in der Stellungnahme.

Weihnachten und Silvesterfeier könnten Sterbezahlen ansteigen lassen

Auch die Mathematikprofessorin Anita Schöbel hat das Papier unterschrieben. „Die Anzahl der Neuinfektionen ist trotz des Teil-Lockdowns auf hohem Niveau und in den letzten Tagen sogar wieder gestiegen“, sagte die Leiterin des Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik dem RND. „Das macht uns besonders Sorgen wegen Weihnachten und Silvester.“ Sie habe Verständnis, dass jeder Familie und Freunde „über die Jahre“ sehen wolle. „Aber bei der derzeitigen Infektionslage ist das gefährlich und kann zu einem drastischen Anstieg bei den Infektionen im Januar und Februar führen, denen leider auch ein Anstieg der Sterbezahlen folgen wird“, prognostiziert Schöbel.

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Das Credo aus der Wissenschaft lautet: Auf jeden Fall weniger Kontakte – statt mehr. Die Leopoldina fordert auch von der Politik, Maßnahmen stark zu verschärfen und den weniger wirksamen Teil-Lockdown schnellstmöglich in einen harten Lockdown über Weihnachten und Silvester umzuwandeln. Werde jetzt nicht nachreguliert, drohe „Ende Januar und über den gesamten Februar hinaus“ ein Lockdown mit massiven Folgen für die Wirtschaft, machte Virologe Drosten im NDR-Podcast am Dienstag den knappen Spielraum deutlich.

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Angesichts der noch ausstehenden politischen Entscheidungen können Modellierer keine präzisen Szenarien für den Start ins Jahr 2021 liefern. „Im Moment sind die Fragen vor allem zur Entwicklung der nächsten Wochen sehr schwer zu beantworten, da sich die Maßnahmenlage praktisch täglich ändert und die Maßnahmen vor allem auch regional mittlerweile verschieden sind“, erläuterte Mathematiker Jan Fuhrmann vom Forschungszentrum Jülich gegenüber dem RND. Eines sei mit Blick auf die aktuellen Daten aber klar: „Bleibt es bei dem Trend, dass viele Ausbrüche in Seniorenheimen und Pflegeeinrichtungen stattfinden, dann ist mit einem baldigen Fallen der Todeszahlen nicht zu rechnen.“

Was die Leopoldina-Wissenschaftler Familien zwischen Weihnachten und Silvester empfehlen:

  • Während der gesamten Feiertage einschließlich Silvester sollten Kontakte nur in einem sehr engen, auf wenige Personen begrenzten Familien- oder Freundeskreis stattfinden, der über den gesamten Zeitraum unverändert bleibt.
  • Jeder sollte mit den Menschen im engsten Kontaktkreis vorher vereinbaren, wie man sich gegenseitig schützt. „Die wirkungsvollsten Mittel im Umgang mit dem Virus sind Mund-Nasen-Schutz, Abstand, Hygiene und Lüften. Es ist besonders wichtig, auch mit nahestehenden Menschen diese Regeln einzuhalten“, heißt es in der Stellungnahme der Akademie der Wissenschaften Leopoldina.
  • Wo immer möglich, sollten gemeinsame Aktivitäten ins Freie verlegt werden. Vermieden werden sollten Gedränge, Gruppen und Situationen, in denen laut gesprochen oder gesungen wird.
  • Wer Menschen aus Risikogruppen, also vor allem ältere Menschen, persönlich trifft, sollte äußerste Vorsicht walten lassen. „Das bedeutet insbesondere, vorher zehn Tage lang in Quarantäne zu gehen und während des eigentlichen Treffens soweit möglich Abstand zu halten, Mund-Nasen-Schutz zu tragen und zu lüften“, empfehlen die Wissenschaftler.
  • Selbst bei nur leichten Symptomen – also auch bei Erkältungssymptomen – sollte zum Schutz der anderen für mindestens fünf Tage auf jeden Kontakt verzichtet werden. Antigenschnelltests allein seien keine hinreichende Absicherung für die Feiertage, weil sie nur eine Momentaufnahme böten.
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