Corona-Nachweis: Was der PCR-Test wirklich aussagt

  • PCR-Tests gelten immer noch als bestes Mittel, um Infektionen mit dem Coronavirus nachzuweisen.
  • Sie sind genauer als die neuen Antigenschnelltests, falsch positive Ergebnisse sind selten.
  • Dafür schlagen sie auch bei Infizierten mit geringer Viruslast an, die gar nicht ansteckend sind.
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Mit einem PCR-Test lassen sich Erbgutsequenzen des Virus in Nasen-Rachen-Abstrichen Infizierter nachweisen. Der Nachweis einer Infektion gelingt damit genauer als mit den neuen Antigenschnelltests. Wie zuverlässig der Test eine Infektion erkennt, hängt aber auch davon ab, zu welchem Zeitpunkt er durchgeführt wird. Direkt nach einer Ansteckung ist oft noch kein Virusmaterial im Abstrich nachweisbar. Einige Tage später ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Test anschlägt, höher.

Grundsätzlich ist es möglich, dass ein PCR-Test trotz Infektion negativ ausfällt. Besteht ein begründeter Verdacht auf eine Infektion, wird daher empfohlen, den Test zu wiederholen. Bei sogenannten Ringversuchen zur Qualitätssicherung in deutschen Laboren hatten PCR-Tests Proben Infizierter in 98 Prozent der Fälle richtig erkannt.

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Falsch positive Ergebnisse fallen kaum ins Gewicht

Auch der umgekehrte Fall kann eintreten: Dass ein PCR-Test positiv anschlägt, obwohl der Getestete nicht infiziert ist. Man spricht dann von einem falsch positiven Ergebnis. Die Fähigkeit eines Tests, einen nicht Infizierten richtig zu erkennen, nennt man die Spezifität.

In deutschen Laboren werden unterschiedliche PCR-Tests verwendet. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) liegt deren Spezifität „bei korrekter Durchführung und Bewertung“ bei „nahezu“ 100 Prozent. In den Ringversuchen waren rund 0,35 Prozent der Ergebnisse teilnehmender deutscher Laboren falsch positiv.

Bei den allermeisten Positivgetesteten ist also von einer echten Infektion auszugehen. Das liegt auch an den momentan hohen Fallzahlen: Falsch-positiv-Raten würden vor allem dann zum Problem, wenn es nur wenige Infizierte unter den Getesteten gibt. Die Wahrscheinlichkeit für ein falsch positives Ergebnis nähert sich dann der Wahrscheinlichkeit für ein richtig positives Ergebnis an. Derzeit ist die Infektionsrate unter den Getesteten jedoch hoch: Mehr als 10 Prozent aller durchgeführten Tests fallen positiv aus. Falschpositive Tests dürften sich daher statistisch kaum auf die Ergebnisse auswirken.

Schlagen auch bei geringer Viruslast an

Die PCR-Tests sind also tatsächlich relativ genau, wenn es darum geht, Neuinfektionen zahlenmäßig zu erfassen. So wie sie momentan eingesetzt werden, scheinen sie aber weniger gut geeignet, um über Quarantänemaßnahmen zu entscheiden. Denn sie schlagen auch dann an, wenn ein Getesteter zwar infiziert, aber gar nicht ansteckend ist, weil er nur sehr wenige Viren in sich trägt.

Genau genommen sind dies zwar keine „falschpositiven Ergebnisse“. Sie führen aber dazu, dass viele Positivgetestete sich unnötig isolieren – und ihre Freunde und Familien vermutlich gleich mit. Dabei ließen sich die PCR-Tests auch gezielter anwenden. Dafür müsste lediglich ein weiterer Laborparameter, der Ct-Wert, richtig ausgewertet und an die Behörden übermittelt werden.

Ärzte für anderen Einsatz der Tests

Ein Testergebnis würde dann nicht nur anzeigen, ob ein Getesteter sich infiziert hat. Sondern auch, ob seine Viruslast überhaupt ausreicht, um andere anzustecken. Bereits im Oktober hatte der bayrische Ärztetag gefordert, die Ct-Werte zu berücksichtigen, um die Aussagekraft von PCR-Tests zu erhöhen. Quarantänemaßnahmen sollten dann nur noch für diejenigen gelten, bei denen ein „nennenswertes Risiko“ für die Weiterverbreitung von Covid-19 bestehe. Bislang richten sich Maßnahmen aber weiterhin rein am positiven oder negativen Testergebnis der PCR-Tests aus. Obwohl, oder gerade weil sie „ungenauer“ sind, bieten Antigenschnelltests hier momentan einen Vorteil: Sie schlagen erst dann an, wenn ein Infizierter ansteckend ist.

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