Warum Hitze nicht nur für alte Menschen und kleine Kinder eine Gefahr ist

  • Die erste Hitzewelle dieses Sommers steht unmittelbar bevor. Besonders kleine Kinder und ältere Menschen müssen sich dann schützen.
  • Aber auch für alle anderen sind die hohen Temperaturen ein Risiko.
  • Besonders betroffen sind Menschen mit Atemwegserkrankungen.
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Es wird wieder heiß. Nach einem eher kühlen Frühjahr steht Deutschland nun die erste Hitzewelle des Jahres bevor. Bereits am Mittwoch steigen die Temperaturen im Süden und in der Mitte Deutschlands vielerorts über 30 Grad. Am Donnerstag werden auch 35 Grad erwartet.

Hitzesommer sind in Deutschland längst keine Seltenheit mehr. „Was früher ein extrem heißer Sommer war, ist heute ein normaler (durchschnittlicher) Sommer“, berichtete der Deutsche Wetterdienst (DWD) im vergangenen Jahr. Und warnte: Diese Entwicklung wird sich fortsetzen, sodass „Sommer, die heute für uns extrem heiß sind, Ende des Jahrhunderts der Normalfall sein werden“. Extreme Sommer wiederum werden dann noch extremer sein.

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Klimawandel sorgt für Zunahme von Hitzetoten

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Doch schon heute sind Hitzewellen, tropische Nächte und urbane Hitzeinseln ein Problem für die Gesundheit. Hitze ist eine Belastung für den Körper, die im schlimmsten Fall und bei fehlender Vorsorge zum Tod führen kann. Ein Anstieg bei der Zahl der Hitzetoten infolge des Klimawandels ist auf allen Kontinenten bereits heute schon feststellbar, berichtete kürzlich ein internationales Forscherteam im Fachmagazin „Nature Climate Change“.

„Die Kombination aus Überhitzung und Dehydrierung kann tödlich sein, besonders für Menschen, die sowieso schon anfällig sind. Das gilt insbesondere für Kinder und Ältere, bei denen die Thermoregulierung noch nicht beziehungsweise nicht mehr richtig funktioniert“, erklärt Katja Trippel im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Die Journalistin hat gemeinsam mit Claudia Traidl-Hoffmann, Direktorin am Institut für Umweltmedizin des Helmholtz Zentrums München, ein Buch über die Folgen des Klimawandels für unsere Gesundheit geschrieben. Doch die Expertinnen warnen davor, Hitze nur als Problem für alte Menschen und junge Kinder anzusehen.

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Auch gesunde Menschen leiden unter Hitze

Viele Auswirkungen von Hitzewellen seien noch nicht genau erforscht, erklärt Trippel. Doch fest steht: Unter Hitze leiden alle Menschen – auch gesunde Erwachsene. Ein Beispiel dafür sind Magen-Darm-Probleme. Denn bei Hitze werden die inneren Organe schlechter durchblutet, was den Magen-Darm-Trakt anfälliger für Infektionen macht.

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„Die große Mehrheit gesunder Menschen kann auch nachts bei Hitze nicht gut schlafen und ist am nächsten Tag noch weniger fit. Dazu kommen Kopfschmerzen oder vielleicht sogar Schwindel“, sagt Trippel. Je extremer die Hitze, so berichten es die Expertinnen in „Überhitzt“, desto eingeschränkter seien auch die psychische Belastbarkeit und etwa die Urteilsfähigkeit.

Claudia Traidl-Hoffmann, Katja Trippel: „Überhitzt: Die Folgen des Klimawandels für unsere Gesundheit. Was wir tun können“, Dudenverlag, 20 Euro © Quelle: Dudenverlag

Hitze ist für Menschen mit Atemwegserkrankungen ein großes Problem

Vor allem aber wird Hitze dann zum Problem, wenn sie Menschen mit Vorerkrankungen betrifft. „Früher dachte man, davon sind vor allem Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen betroffen. Aber inzwischen weiß man, dass das für Menschen mit Atemwegserkrankungen wie Asthma sogar noch viel dramatischer ist“, sagt Trippel im RND-Interview. Bei Hitzewellen erhöhe sich das Sterberisiko bei Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen je nach Dauer um bis zu 41 Prozent, warnte die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) schon vor einigen Jahren. Häufig trifft dabei auch ein Problem auf das andere. In überhitzten Städten entstehe ein „toxischer Mix aus Hitze und schlechter Luft“, so Trippel. Zudem zeigen Experimente, dass Pollen bei einer höheren Stickstoffdioxidkonzentration aggressiver werden.

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Doch auch andere Vorerkrankungen führen dazu, dass Menschen stärker unter den Folgen von Hitze leiden. Das Umweltbundesamt zählt zu den durch Hitze gefährdeten Menschen etwa auch Patienten und Patientinnen mit neurologischen Krankheiten, Herz-Kreislauf-Krankheiten, Stoffwechselkrankheiten, Infektionskrankheiten; sowie Menschen unter bestimmter medikamentöser Behandlung wie Beruhigungsmittel, entwässernde und blutdrucksenkende Medikamente oder auch Menschen mit Gedächtnisstörungen.

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Risiko für Herzinfarkte

Tatsächlich, das schreiben Trippel und Traidl-Hoffmann, haben beispielsweise Alzheimerpatienten eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, während einer Hitzewelle ins Krankenhaus eingeliefert zu werden. Forschende aus München haben 2019 eine Studie veröffentlicht, laut der das Risiko, aufgrund erhöhter Außenlufttemperaturen einen Herzinfarkt zu erleiden, in den vergangenen Jahren signifikant gestiegen ist. „Besonders Patienten mit einer Herzschwäche müssen an heißen Tagen darauf achten, genügend zu trinken“, erinnert die Deutsche Herzstiftung. Sie sollten allerdings auch nicht zu viel trinken. „Denn eine übermäßige Flüssigkeitszufuhr kann bei herzkranken Patienten zur Verschlechterung ihrer Herzleistung führen.“

Auch für Diabetes-Patienten und -Patientinnen ist das Herzinfarktrisiko wohl erhöht. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft schreibt 2019 mit Verweis auf eine Studie: „Bei Hitze häufen und verschlimmern sich bei Menschen mit Diabetes Begleit- und Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck und Herzkreislauferkrankungen“.

Senioren und Seniorinnen sind besonders gefährdet

Dass Senioren und Seniorinnen bei Hitzewellen besonders gefährdet sind, liegt daran, dass bei ihnen verschiedene Faktoren zusammenkommen: Sie leiden häufig unter Vorerkrankungen, aber auch ihre Hitzeregulation funktioniert nicht mehr richtig. „Das Durstgefühl nimmt ab. Sie trinken zu wenig, sind gefährdet zu dehydrieren und schlimmstenfalls auszutrocknen. Gleichzeitig sinkt die Fähigkeit zu schwitzen, was wiederum die Wärmeabgabe einschränkt“, schreibt das Umweltbundesamt.

Vor der Hitze schützen sollten sich allerdings alle Menschen – ob jung oder alt. Das geht am besten durch kühlen, ausreichend trinken und essen und den Tagesablauf, wenn möglich an die Hitze anpassen. Weitere Tipps finden Sie hier.

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