Coronavirus: Wann sind Infizierte besonders ansteckend?

  • Es ist noch nicht abschließend geklärt, wann Corona-Patienten besonders ansteckend sind.
  • Eine schottische Studie zeigt, dass die Viruskonzentration in den ersten fünf Tagen nach Symptombeginn besonders hoch ist.
  • Damit unterscheidet sich Sars-CoV-2 hinsichtlich des Zeitraums der Ansteckungsfähigkeit deutlich von anderen Coronaviren.
Laura Beigel
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St. Andrews. Nicht alle Menschen, die sich mit dem Coronavirus infizieren, entwickeln Symptome. Das bedeutet aber nicht, dass sie andere nicht anstecken können. In welchem Zeitraum diese Ansteckungsfähigkeit besteht, „ist noch nicht klar definiert“, heißt es im Epidemiologischen Steckbrief zu Sars-CoV-2 vom Robert-Koch-Institut. Eine Forschungsarbeit aus Schottland liefert nun neue Erkenntnisse.

Demnach weisen Patienten, die an Covid-19 erkranken, in den ersten fünf Tagen nach Symptombeginn die höchste Viruskonzentration auf. Neun Tage nach Beginn der Symptome seien keine aktiven Coronaviren mehr nachweisbar, die eine Infektion auslösen können, schreibt das Forscherteam der University of St. Andrews in seiner Studie. Diese wurde in der Fachzeitschrift The Lancet Microbe publiziert.

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Virusmenge und virale RNA-Abgabe untersucht

In ihrer Studie konzentrierten sich die Forscher nicht nur auf Sars-CoV-2, sondern auch auf die Coronaviren Sars-CoV und Mers-CoV. Sie analysierten wissenschaftliche Publikationen, die zwischen dem 1. Januar 2003 und dem 6. Juni 2020 in Datenbanken wie MedRxiv oder Europe PubMed Central erschienen waren.

Dabei standen Schlüsselfaktoren wie die Viruslast und die virale RNA-Abgabe im Fokus. Untersucht wurde also zum einen, wie sich die Virusmenge im Körper durch eine Infektion verändert, und zum anderen wie lange Patienten genetisches Material der genannten Erreger ausscheiden.

„Dies ist die erste systematische Übersicht und Metaanalyse, die die Viruslast und die Ausscheidung dieser drei humanen Coronaviren umfassend untersucht und verglichen hat“, wird die Virologin Muge Cevik in einer Pressemitteilung der University of St. Andrews zitiert. „Sie liefert eine klare Erklärung dafür, warum Sars-CoV-2 sich effizienter als Sars-CoV und Mers-CoV verbreitet und so viel schwieriger einzudämmen ist.“

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Infizierte müssen sich umgehend isolieren

Während bei Covid-19-Patienten die höchste Viruslast in den ersten fünf Tagen nach Symptombeginn nachweisbar ist, tritt dieser Höhepunkt bei Sars-CoV erst nach zehn bis 14 Tagen ein und bei Mers-CoV nach sieben bis zehn Tagen. Die Forscher raten deshalb, Covid-19-Patienten sofort zu identifizieren und zu isolieren. Zudem sollten sich Kontaktpersonen, die Symptome zeigen, in Quarantäne begeben.

„Die unterstützte Isolation muss in Zukunft die Norm sein“, sagt Cevik. „Das Testen allein stellt keine Intervention dar, wenn die Menschen nicht in der Lage sind, sich während der ansteckendsten Zeitspanne selbst zu isolieren.“

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Die Ergebnisse der Studie legen zudem nahe, dass wiederholte PCR-Tests nicht unbedingt sinnvoll sind, um festzustellen, ob ein Covid-19-Patient noch infektiös ist. Denn Infizierte scheiden das Virus durchschnittlich 17 Tage lang aus. Ein PCR-Test würde in diesem Zeitraum positiv ausfallen, obwohl die Getesteten nicht mehr ansteckend sind.

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