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Wann feiert Deutschland seinen Freedom Day?

Dänemark genießt seine neuen alten Freiheiten: 50.000 Konzertbesucherinnen und ‑besucher feiern in Kopenhagen – ohne Corona-Auflagen. Solche Szenen dürfte es bald auch in Norwegen und Schweden geben.

Liebe Leserinnen und Leser,

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die Normalität ist zurückgekehrt – allerdings nicht nach Deutschland, sondern nach Norwegen. Am vergangenen Wochenende hat das Land alle Corona-Maßnahmen beendet und einen Freedom Day gefeiert. Kinos, Theater und Diskotheken dürfen ab sofort wieder ohne Einschränkungen öffnen, Abstandsregeln fallen, Impf- und Testnachweise werden nicht mehr gebraucht. Auch Dänemark ist diesen Schritt in die Freiheit gegangen. Ende September will Schweden nachziehen.

Und Deutschland? Die Sehnsucht nach einem Freedom Day hierzulande ist groß, wäre da nicht das diffuse Infektionsgeschehen. Noch immer infizieren sich zu viele Menschen mit dem Coronavirus. Die Sieben-Tage-Inzidenz, die angibt, wie viele Infektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner binnen sieben Tagen auftreten, ist zuletzt nur langsam gesunken – und zwischenzeitlich wieder leicht gestiegen. Expertinnen und Experten wie der Virologe Christian Drosten befürchten, dass sich die Infektionslage in den kommenden Wochen noch einmal zuspitzen könnte.

Der Freedom Day hängt an der Impfquote

Trotz 2G- und 3G-Regeln, Abstandsgeboten und Maskenpflicht scheint sich das Coronavirus nicht abschütteln zu lassen. Der Grund dafür ist schnell gefunden: die schleppende Impfkampagne. 64 Prozent der Deutschen sind vollständig geimpft. Für einen Freedom Day reicht diese Quote nicht. Norwegen und Dänemark haben es vorgemacht. Dort haben rund 84 Prozent der Bürgerinnen und Bürger einen vollen Impfschutz. Deutschland dürfte dieses Ziel mit seinem derzeitigen Impftempo erst in ein paar Monaten erreichen.

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Klar ist jedoch: Eine Prä-Corona-Normalität wird ohne eine ausreichende Immunität in der Bevölkerung nicht möglich sein. Und diese lässt sich entweder mithilfe von Infektionen oder eben Impfungen erzielen. Immungeschwächte Menschen in Deutschland sollen sich zum Schutz vor einer schweren Corona-Erkrankung sogar ein drittes Mal impfen lassen. Das hat vor wenigen Tagen die Ständige Impfkommission empfohlen. Mehr zu den Auffrischungsimpfungen lesen Sie in unserer „Erkenntnis der Woche“.

Bleiben Sie zuversichtlich!

Ihre Laura Beigel

 

Erkenntnis der Woche

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat sich am vergangenen Freitag zu möglichen Auffrischungs­impfungen geäußert. Das Expertengremium, das am Robert Koch-Institut angesiedelt ist, empfiehlt eine dritte Dosis vorerst nur für immungeschwächte Menschen. Deren Immunschutz soll sechs Monate nach der zweiten Impfung mit einem mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer oder Moderna aufgefrischt werden. Menschen, deren Immunsystem besonders strapaziert ist, weil sie eine Chemotherapie oder Organtransplantation benötigen, können sogar schon nach vier Wochen eine dritte Impfdosis erhalten.

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Mit dieser Entscheidung reagiert die Stiko deutlich zurückhaltender als die Gesundheits­ministerinnen und Gesundheits­minister. Sie hatten im August beschlossen, dass alle Menschen ab 60 Jahren eine Boosterimpfung wahrnehmen können. Seit Anfang September sind nun erste Senioren – bis dato ohne Stiko-Empfehlung – zum dritten Mal geimpft worden. Ob noch eine generelle Booster-Impfempfehlung für Ältere vonseiten der Impfkommission folgt, ist unklar. Das Expertengremium teilte jedoch mit, dass derzeit die Studienlage für eine Auffrischung anderer Bevölkerungsgruppen aufgearbeitet werde.

In den USA empfiehlt die Arzneimittelbehörde FDA hingegen allen Menschen über 65 Jahren und Jüngeren mit gesundheitlichen und beruflichen Risikofaktoren wie Beschäftigte im Gesundheitswesen, in Lebensmittel­geschäften und in Obdachlosenheimen eine Boosterimpfung. Auch sie sollen sechs Monate nach der zweiten Impfung eine zusätzliche Dosis bekommen. Zur Verfügung steht in den Vereinigten Staaten nur der mRNA-Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer. Das Vakzin von Moderna hat von den dortigen Zulassungs­behörden noch keine Genehmigung als Booster erhalten.

 

Pandemie in Zahlen

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Alltagswissen

Kostenlose Corona-Schnelltests auf dem Alexanderplatz in Berlin: Im Oktober werden diese für die meisten Bürgerinnen und Bürger kostenpflichtig.

Kostenlose Corona-Schnelltests auf dem Alexanderplatz in Berlin: Im Oktober werden diese für die meisten Bürgerinnen und Bürger kostenpflichtig.

Ab dem 11. Oktober soll es keine kostenlosen Bürgertests mehr geben. Wer also in Testzentren, Arztpraxen und Apotheken einen Corona-Test machen möchte, muss diesen künftig selbst bezahlen. Bislang hatte der Staat noch die Kosten übernommen. Weil mittlerweile jedoch allen Menschen in Deutschland ein kostenloses Impfangebot gemacht werden kann, soll diese Kostenübernahme nun entfallen. Einen allgemeingültigen Preis für die Schnelltests gibt es jedoch nicht, wie meine Kollegin Anne Grüneberg berichtet. Das bedeutet, die Anbieter entscheiden selbst darüber, für wie viel Geld sie die Tests bereitstellen. Der Corona-Testzentren­betreiber Coronatest.de, der zu den deutschlandweit größten Schnelltestanbietern zählt, will an seinem Preis von 24,99 Euro pro Test festhalten.

Doch nicht für alle Bürgerinnen und Bürger wird der Corona-Schnelltest kostenpflichtig. Für all diejenigen, die sich nicht gegen Covid-19 impfen lassen können oder für die es noch keine Impfempfehlung gibt (etwa Kinder unter zwölf Jahren), bleibt der Test kostenlos. Auch Menschen, die zum Beenden einer Quarantäne einen Corona-Test brauchen, müssen diesen nicht bezahlen. Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren sowie Schwangere, für die es erst seit Kurzem eine Impfempfehlung gibt, können ebenfalls noch bis zum 31. Dezember kostenlose Bürgertests in Anspruch nehmen.

 

Zitat der Woche

Wir haben klar eine andere Situation als letztes Jahr, aber wenn wir eines gelernt haben, dann doch: Die Pandemie verläuft in Wellen, und die Höhepunkte der Wellen liegen eher in den kalten Jahreszeiten.

Prof. Hajo Zeeb,

Epidemiologe, warnt vor einem erneuten Anstieg der Inzidenzen in den kommenden Wochen.

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Forschungsfortschritt

Seit mehr als eineinhalb Jahren infizieren sich Menschen weltweit mit dem Coronavirus. Ihre Therapie in den Kliniken gestaltet sich jedoch nach wie vor schwierig, denn den Ärztinnen und Ärzten stehen nur wenige Medikamente zur Verfügung. Etabliert haben sich inzwischen Dexamethason, das bei Corona-Intensiv­patientinnen und ‑patienten mit künstlicher Beatmung zum Einsatz kommt, und Remdesivir, das – in der Frühphase der Erkrankung angewendet – die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus reduzieren kann. Beide Wirkstoffe müssen intravenös, also über die Venen, verabreicht werden.

Der Nutzen ist geringer als anfangs gehofft: Das Arzneimittel Remdesivir sollten Corona-Patientinnen und ‑Patienten möglichst früh erhalten.

Der Nutzen ist geringer als anfangs gehofft: Das Arzneimittel Remdesivir sollten Corona-Patientinnen und ‑Patienten möglichst früh erhalten.

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Prof. Clemens Wendtner, Chefarzt der Klinik für Infektiologie an der München-Klinik Schwabing, stellte im RND-Interview jedoch klar: „Covid-19 lässt sich nicht medikamentös heilen.“ Die beste Medizin sei die Prophylaxe – „und das ist die Impfung“. Hoffnung setzt er allerdings auf das Arzneimittel Molnupiravir. Dieses kann als Tablette über den Mund eingenommen werden und hat sich in ersten Tests als sicher, verträglich und effektiv erwiesen. Es hemmt die Vermehrung von Coronaviren, weil es einen falschen Baustein einbaut. Endgültige Ergebnisse zur Wirksamkeit des Medikaments fehlen aber noch.

„Die Entwicklung von Medikamenten wird auch 2022 noch ein Thema sein“, glaubt Wendtner. Es werde immer Menschen geben, die sich mit dem Coronavirus infizieren, weil sie sich nicht impfen lassen oder die Impfung zu lange zurückliegt. Angewiesen auf eine wirksame Therapie seien etwa immunsupprimierte Menschen wie Rheumapatientinnen und ‑patienten oder Krebskranke. „Für diese große Gruppe mit hohem Risiko für Covid-19 brauchen wir Medikamente“, sagt der Infektiologe.

 

Pandemie im Ausland

Die Corona-Pandemie wirkt sich auf Familien in Europa unterschiedlich stark aus – so lautet das Resümee von RND-Autorin Leonie Schulte. Sie hat mit fünf Eltern und ihren Kindern aus Schweden, Österreich, Dänemark, Frankreich und der Schweiz darüber gesprochen, mit welchem Gefühl sie auf den kommenden Corona-Herbst blicken.

Die Reaktionen gehen weit auseinander: Während in Schweden das normale Leben ohne Maskenpflicht und Abstandsregeln zurückgekehrt ist, berichtet ein Vater aus Österreich von einer „Corona-Lethargie“. Nach einem friedlichen Sommer seien die Sorgen wieder zurückgekehrt: „Ich sehe zwar ein kleines Licht am Ende des Tunnels, habe aber auch das Gefühl, dass das jederzeit wieder dunkel werden kann.“ Ähnlich gespalten sind die Familien auch in der Frage, wie es derzeit um den Infektionsschutz an den Schulen steht. Kritik daran kommt vor allem aus der Schweiz: Corona-Tests für Schülerinnen und Schüler seien dort freiwillig. „Oder es wird gar nicht getestet, wie bei uns an der Schule“, bemängelt eine Mutter.

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Was kommt

Deutschland hat am vergangenen Sonntag nicht nur über die Zusammensetzung des neuen Bundestages abgestimmt, sondern auch über die künftige Corona-Politik. RND-Autorin Irene Habich hat sich die Wahlprogramme der Parteien, vor allem ihre Pläne zum weiteren Umgang mit der Pandemie, einmal angeschaut. Die Ergebnisse ihrer Recherche lesen Sie hier.

Einig sind sich CDU, SPD, FDP, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und die AfD zumindest in einem Punkt: Sie wollen einen weiteren Lockdown unter allen Umständen vermeiden. Diskussionsbedarf dürfte es dennoch geben. Zum Beispiel in der Frage, welche Freiheiten Genesenen, Geimpften und Ungeimpften zuteilwerden. Während die Grünen etwa eine 2G-Regel präferieren, bei der nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt zu bestimmten Bereichen wie Restaurants erhalten, lehnt die Linke eine solche Maßnahme strikt ab. Auch die FDP sieht die 2G-Regel kritisch. Einen konkreten Plan zum Ausstieg aus den Corona-Maßnahmen hat wiederum keine Partei vorgelegt. Egal, welche der beiden bisherigen Regierungsparteien sich am Ende in der Kanzlerfrage durchsetzt, eine radikale Wende in der Corona-Politik ist von CDU und SPD nicht zu erwarten.

 

Was die Pandemie leichter macht

Die letzten Sonnenstrahlen auskosten: Beim Aufenthalt im Freien produziert unser Körper Vitamin D, welches das Immunsystem stärkt und einem Herbstblues vorbeugt.

Die letzten Sonnenstrahlen auskosten: Beim Aufenthalt im Freien produziert unser Körper Vitamin D, welches das Immunsystem stärkt und einem Herbstblues vorbeugt.

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Wenn die Tage kürzer werden, stellt sich bei manchen Menschen Herbstmüdigkeit ein. Schuld daran ist die geringe Sonneneinstrahlung, die den Hormonhaushalt unseres Körpers durcheinanderbringt. Dagegen hilft eine gesunde Ernährung und viel Bewegung an der frischen Luft. Wer sich öfter im Freien aufhält, regt den eigenen Kreislauf an und kommt mit Tageslicht in Kontakt, was die Produktion von Vitamin D fördert.

Das Sonnenhormon findet sich ebenfalls in Lebensmitteln wie Forellen, Pilzen, Eiern und Avocados. Grund für ein Stimmungstief kann zudem ein Vitamin-B₁₂-Mangel sein. Dieser lässt sich etwa durch den Verzehr von Lammfleisch, Thunfisch oder Leber ausgleichen. Auch genügend Schlaf und eine ausbalancierte Tagesroutine, mit der sich Stress vermeiden lässt, kann gegen den Herbstblues helfen.

 

Was neben Corona sonst noch wichtig ist

Menschen mit Autismus, Aufmerksamkeitsdefizit- oder Hyperaktivitätsstörung (ADS/ADHS), Lese- oder Rechenschwäche sowie Koordinationsstörungen fällt es oftmals schwer, einen Arbeitsplatz zu finden. Viele von ihnen sind arbeitslos oder in Behindertenwerkstätten tätig. Doch inzwischen zeichnet sich in der Arbeitswelt ein erfreulicher Trend ab: Es gibt immer mehr Diversität in den Unternehmen – und das branchenübergreifend.

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Gefördert werde diese Entwicklung vor allem durch den in Deutschland bestehenden Fachkräftemangel, schreibt meine Kollegin Kristina Auer. Um die Inklusion in den Firmen weiter voranzutreiben, müssten nach Einschätzung des Vorstandsvorsitzenden der Bundesarbeits­gemeinschaft Inklusionsfirmen, Ulrich Adlhoch, die Stärken und Bedürfnisse der Betroffenen stärker berücksichtigt werden. Außerdem brauche es Schulungen für Mitarbeitende, Ausbildende und Vorgesetze im Umgang mit Menschen mit neurobiologischen Störungen. „Es ist eine Herausforderung für die Unternehmen, aber es lohnt sich“, ist Adlhoch überzeugt.

 

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