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  • Von Australien bis Deutschland: Welche Länder erleben zurzeit eine zweite Corona-Welle?

Deutschland zittert vor der zweiten Welle – diese Länder sind schon mittendrin

  • In Deutschland steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen.
  • Damit wächst die Angst vor einer zweiten Welle.
  • Auch ein Blick auf Länder wie Australien und Luxemburg zeigt: Das Virus könnte sich schnell wieder ausbreiten.
Laura Beigel
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Erlebt Deutschland zurzeit eine zweite Corona-Welle? Erst vor knapp einer Woche hatte der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, in einem kurzfristig einberufenem Presse-Briefing vor der Entwicklung der Fallzahlen gewarnt: “Wir müssen feststellen, dass wir eine zunehmende Fallzahl in Deutschland haben.” Nachdem das RKI am vergangenen Samstag 955 neue Corona-Infektionen in Deutschland gemeldet hatte, waren es am Montag “nur noch” 509 Neuinfektionen.

Der leichte Anstieg der Infektionen lässt Warnungen vor einer zweiten Corona-Welle lauter werden. Die beiden Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) und Michael Kretschmer (CDU) glauben gar, dass Deutschland bereits jetzt eine zweite Welle erlebt. “Sie schleicht durch Deutschland”, sagte Söder der “Bild am Sonntag”. Die Statistiken zeigen jedoch ein anderes Bild:

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Den Daten der Johns-Hopkins-Universität (JHU) und des RKI zufolge erreichte die Zahl der Corona-Neuinfektionen ihren Höchststand Ende März – mit mehr als 6900 neuen Fällen. Seit Anfang April sind die Zahlen deutlich zurückgegangen und haben sich seit Anfang Mai auf einem relativ niedrigen Niveau eingependelt. Eine zweite Welle ist anhand der Daten nicht ersichtlich. Was sich jedoch sagen lässt: Bei einem R-Wert über 1,0 breitet sich das Virus aus, bei einem unter 1,0 ist es rückläufig.

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Ärzteverband: Zweite Corona-Welle schon da
0:55 min
Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus steigt wieder. Nach Einschätzung des Ärzteverbandes Marburger Bund ist die zweite Welle bereits eingetreten.  © dpa
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Anstieg der Neuinfektionen bei zweiter Welle schwächer

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“Wir sind jetzt noch näher an einer Häufung von lokalen Ausbrüchen als an einer kontinuierlichen Übertragung in der Gesellschaft”, sagt der Epidemiologe, Prof. Dr. Rafael Mikolajczyk vom Universitätsklinikum Halle (Saale). “Da man davon ausgehen kann, dass die zweite Welle in Deutschland weniger steil anfangen würde als die erste, wird es schwieriger sein, ihren Beginn von kleineren Schwankungen abzugrenzen.”

Ein Kriterium einer zweiten Corona-Welle ist nach Einschätzung von Mikolajczyk ein kontinuierlicher Anstieg von Fällen, der sich nicht durch lokale Ausbrüche beziehungsweise Einschleppung von Fällen aus dem Ausland erklären lässt. “Wir haben es in der Hand – wenn unsere Kontakte auf vor Corona-Level steigen würden, ist es kaum zu erwarten, dass sich gerade in Deutschland das Virus anders verhält als in den anderen Ländern.”

Melbourne ordnet Ausgangssperre an

Wie schnell die Ausbreitung des Coronavirus wieder zunehmen kann, zeigt das Beispiel Australien. Dort hat der Bundesstaat Victoria wegen eines deutlichen Anstiegs der Corona-Infektionen den Notstand erklärt. Australiens zweitgrößte Stadt Melbourne hat zudem am Sonntag eine Ausgangssperre verhängt, die jeden Abend von 20.00 Uhr bis 5.00 Uhr des Folgetags (Ortszeit) gelte, wie der Regierungschef des Bundesstaates, Daniel Andrews, erklärte.

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Australischer Bundesstaat Victoria ruft wegen Corona-Pandemie Notstand aus
1:42 min
Für die Metropole Melbourne wurde eine nächtliche Ausgangssperre verhängt.  © Reuters
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Die Einwohner Melbournes dürfen seit dem Wochenende außerdem nur noch einmal täglich zum Einkaufen und bis zu einer Stunde im Umkreis von fünf Kilometern um ihr Zuhause Sport machen. Ab Mittwoch müssen zusätzlich die meisten Geschäfte, Pubs und Hotels geschlossen bleiben. Andrews rief die Bürger dazu auf, im Homeoffice zu arbeiten – sofern dies für sie möglich ist.

Eigentlich – so schien es – hatte Australien die Zahl der Corona-Infektionen schnell unter Kontrolle bringen können. Zwischen Anfang März und Ende April hatte der Sars-CoV-2-Erreger mehrere tausend Menschen infiziert. Die Zahl der Neuinfektionen war auf mehr als 600 gestiegen, dann aber schrittweise auf weniger als 30 zurückgegangen.

Seit Ende Juni zeigen die Daten des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) wieder einen sichtbaren Anstieg der Fallzahlen. Am 31. Juli erreichte die Zahl der Neuinfektionen mit rund 721 einen neuen Tageshöchststand.

Auswärtiges Amt warnt vor Reisen nach Luxemburg

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Auch die Länder Japan und Luxemburg weisen derzeit ähnliche, wellenartige Statistiken auf. Am vergangenen Mittwoch infizierten sich in Japan erstmals mehr als 1000 Menschen an einem Tag. Ende Mai hatte das Land den Notstand aufgehoben, weil die Corona-Krise so gut wie unter Kontrolle gebracht worden sei, hieß es damals. Jetzt erlebt das Land eine zweite Welle.

In Luxemburg ist die Zahl der Neuinfektionen seit Anfang Juli wieder gestiegen, nachdem sie von Mai bis Juni auf einem niedrigen Niveau stagnierte. Inzwischen warnt das Auswärtige Amt sogar vor Reisen in das Land. Knapp 160 neuer Fälle meldete Luxemburg alleine am vergangenen Donnerstag.

Die Daten des ECDC weisen eine zweite Corona-Welle ebenfalls in Kroatien auf. Von Anfang März bis Anfang Mai erlebte das Land einen Anstieg und Rückgang der Corona-Neuinfektionen. Mehr als einen Monat lang hatten sich die Fallzahlen auf einem niedrigen Niveau eingependelt, dann nahmen sie wieder zu. Am 11. Juli überschritt die Zahl der Neuinfektionen das erste Mal seit Beginn der Pandemie die 100er-Marke in Kroatien.

Die Mehrheit der Neuinfektionen wurde in Zagreb und in der Region Slawonien, also im kroatischen Binnenland, registriert. Zwei Tage später, am 13. Juli, führte das Land eine Maskenpflicht in Geschäften, öffentlichen Verkehrsmitteln und Gesundheitseinrichtungen ein.

USA haben mit erster Infektionswelle zu kämpfen

Hohe Infektionszahlen verzeichnen auch die USA. Seit Mitte März macht der Sars-CoV-2-Erreger den Vereinigten Staaten zu schaffen. Seitdem steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen: Registrierten die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) im April durchschnittlich rund 30.000 neue Fälle, waren es im Juli bis zu knapp 80.000. Statistiken zeigen, dass dieser Anstieg immer noch auf die erste Corona-Welle zurückzuführen ist.

Der US-Gesundheitsexperte Anthony Fauci sagte, es müssten alle Stoppzeichen herausgeholt werden. “Wenn wir das machen, denke ich, sind wir gut unterwegs, das unter Kontrolle zu bringen. Wenn nicht, dann können wir wirklich keine Vorhersage treffen, wie lange das dauern wird.”

Kein Ende der ersten Infektionswelle in Indien in Sicht

Von der Pandemie besonders stark betroffen ist auch Indien. Seit Ende März steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen kontinuierlich an. Am vergangenen Samstag verzeichnete das Land knapp 58.000 neue Fälle. Ein Ende der ersten Infektionswelle ist demnach vorerst nicht in Sicht. Angesichts des Anstiegs der Infektionszahlen haben viele indische Staaten wieder Ausgangsbeschränkungen angeordnet.

Großbritannien will Schnelltests gegen die Covid-19-Pandemie einsetzen

In Großbritannien zeichnet sich hingegen ein schrittweiser Rückgang der Corona-Neuinfektionen ab. Im April registrierte das Land teilweise bis zu 5500 neue Fälle am Tag, inzwischen sind es weniger als 1000.

Um die Ausbreitung des Sars-CoV-2-Erregers einzudämmen, setzt das Vereinigte Königreich auf Corona-Schnelltests. “Millionen neuer Coronavirus-Schnelltests werden vor Ort in weniger als 90 Minuten Ergebnisse liefern und uns helfen, Übertragungsketten schnell zu unterbrechen”, wird Gesundheitsminister Matt Hancock in einer Mitteilung seines Ministeriums zitiert.

Großbritannien ist nach Angaben der JHU das am stärksten von der Pandemie betroffene, europäische Land. Premierminister Boris Johnson hatte jüngst Fehler im Umgang mit der Corona-Pandemie eingeräumt: “Wir haben (das Virus) in den ersten Wochen und Monaten nicht in der Art und Weise verstanden, wie wir das gerne getan hätten”, sagte er im Gespräch mit der BBC.

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