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Virologin über Pandemieende: „Ohne Immunität wird es keine Normalität geben“

  • Wann ist die Corona-Pandemie vorbei? Über die Antwort zu dieser Frage können Expertinnen und Experten bislang nur spekulieren.
  • Für Virologin Jana Schroeder steht fest, dass es dafür in jedem Fall eine Grundimmunität in der Bevölkerung braucht.
  • Wer sich nicht impfen lässt, könnte für diesen Schutz mitunter einen hohen Preis zahlen.
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Um die Pandemie zu beenden, müssen möglichst viele Menschen immun gegen das Coronavirus sein. Ein derartiger Schutz lässt sich nach Ansicht von Virologin Jana Schroeder nur mithilfe einer Impfung oder einer Infektion erzielen.

„Ohne Immunität wird es keine Normalität geben“, sagte die Chefärztin des Instituts für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie der Stiftung Mathias-Spital im Interview mit „t-online“. „Ich vermute, mit der Delta-Variante wird es zügig so kommen, dass sich die meisten Ungeimpften infizieren.“

Risiko für Long Covid nicht unterschätzen

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Stecken sich Menschen mit dem Coronavirus an, produziert ihr Körper – ähnlich wie bei einer Impfung – Antikörper gegen den Erreger. Allerdings ist bei einer Infektion die Gefahr für Nebenwirkungen größer.

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Insbesondere das Risiko für Long Covid, also Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung, dürfe nach Einschätzung der Virologin nicht unterschätzt werden. Selbst bei leichten Krankheitsverläufen könnten Symptome auftreten, die noch Monate nach der Erkrankung anhalten.

Coronavirus wird zum endemischen Erreger

„Covid ist gekommen, um zu bleiben“, sagte Schroeder. Das Virus habe das Potenzial, sich zu einem endemischen Erreger zu entwickeln. Das bedeutet, dass es zukünftig saisonale Infektionswellen geben könnte, in denen schwere Verläufe und Ausbrüche auftreten. „Wir können uns ziemlich sicher aus der Pandemie herausimpfen, aber wir können uns ganz bestimmt nicht heraustesten – das war immer als Übergangslösung gedacht.“

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Um zu Vor-Corona-Verhältnissen zurückzukehren, müsse die Impfquote „wesentlich“ erhöht werden – und zwar „noch vor dem Herbst“. Zurzeit sind in Deutschland knapp 68 Prozent der Bürgerinnen und Bürger erstgeimpft, fast 64 Prozent haben einen vollständigen Impfschutz.

Impfresistente Corona-Variante ist „sehr unwahrscheinlich“

Auch für Kinder sei eine Impfung sinnvoll, da auch sie schwer erkranken und Long Covid entwickeln könnten. Zudem seien sie, genauso wie Erwachsene, in der Lage, das Coronavirus zu übertragen und so in der Bevölkerung zu verbreiten.

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„Die kommende Welle kann man nicht auf Kosten derer weiterlaufen lassen, die sich bisher in der Pandemie für die Älteren zurückgenommen haben – sodass sie sich sozusagen zum Dank kurz vor der Impfung noch infizieren sollen“, machte Schroeder deutlich.

Zirkuliert das Coronavirus in einer Bevölkerungsschicht, steigt damit ferner die Gefahr, dass Virusvarianten entstehen, die gefährlicher und ansteckender sind. Aber: Dass dabei auch eine Mutante entsteht, die vollkommen immun gegen die Impfstoffe ist, hält die Virologin für „sehr unwahrscheinlich“.

Pandemie im Frühjahr vorbei – mit neuen 3Gs

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Ihrer Ansicht nach könnte die Pandemie im Frühjahr kommenden Jahres vorbei sein, vorausgesetzt es kommt keine neue Virusvariante hinzu. Zu diesem Zeitpunkt werde es keine Unterscheidung mehr zwischen Geimpften, Genesenen und Getesteten geben, so Schroeder. Dann gebe es andere 3Gs: Genesene (mit eventuellen Long-Covid-Symptomen), Geimpfte und Gestorbene.

Die entscheidende Frage der kommenden Wochen und Monate sei deshalb: Wie viele Corona-Tote nimmt Deutschland in Kauf? Auch hierbei sei die Impfquote ein bedeutsamer Einflussfaktor. Sie müsse laut Schroeder allein deshalb erhöht werden, „um das dritte G – die Gestorbenen – möglichst klein zu halten, und auch die Zahl der Langzeiterkrankten“.

RND/lb

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