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Virologe Drosten: Hohe Temperaturen allein bringen Coronavirus nicht unter Kontrolle

  • Inzwischen ist klar, dass auch saisonale Effekte wie steigende Temperaturen die Übertragung des Coronavirus beeinflussen.
  • Der Einfluss der Saisonalität dürfe aber nicht überschätzt werden, meint Virologe Christian Drosten.
  • Hohe Temperaturen alleine würden nur wenig zur Entwicklung des Infektionsgeschehens beitragen.
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Berlin. Dass die Infektionszahlen in Deutschland derzeit zurückgehen, hat drei verschiedene Ursachen. Erstens: Die von Bund und Ländern verschärften Corona-Maßnahmen haben verhindert, dass sich das Virus in der Gesellschaft weiterhin schnell ausbreiten kann. Zweitens: Durch die voranschreitende Impfkampagne sind knapp 16 Prozent der Bürgerinnen und Bürger inzwischen vollständig gegen Covid-19 immunisiert, mehr als 41 Prozent sind erstgeimpft. Und drittens: Die saisonalen Effekte, also steigende Temperaturen und mehr Sonnenlicht, schwächen das Coronavirus ab.

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Gerade Letzteres würden viele Menschen als Argument für die positive Entwicklung der Infektionszahlen heranziehen, sagte Christian Drosten von der Berliner Charité in seinem NDR-Podcast „Coronavirus-Update“. Dabei dürfe man den Effekt der Saisonalität nicht überschätzen – oder gar davon ausgehen, dass die steigenden Temperaturen alleine das Virus unter Kontrolle bringen.

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Sommereffekt reduziert Virusübertragungen um rund 20 Prozent

Der Virologe erklärte, dass die Übertragung von Sars-CoV-2 in den Sommermonaten um 20 Prozent zurückgehe. „Es ist nicht so, dass irgendjemand jemals behauptet hätte, es gäbe keinen Temperatureffekt“, sagte er. „Es ist aber auch nicht so, dass man davon ausgehen könnte, dass die Temperatur das alles erledigt.“

Drosten verwies auf andere europäische Länder wie Griechenland. Dort sei zurzeit die Zahl der täglich gemeldeten Corona-Neuinfektionen hoch. Anfang Mai, als es im Land wärmer wurde, seien die Inzidenzen sogar noch einmal gestiegen. Das heißt, die Temperaturen haben scheinbar keinen Einfluss auf das Infektionsgeschehen genommen.

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Klimazone beeinflusst Saisonalität

Einschätzungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zur Saisonalität des Coronavirus beruhen vor allem auf Erfahrungen mit anderen humanen Coronaviren, auch bekannt als Schnupfenviren. Diese Erreger verbreiten sich in den kalten Jahreszeiten grundsätzlich besser als in den warmen. Je nach Klimazone kann die Saisonalität der Viren unterschiedlich stark ausgeprägt sein, schreibt das Robert Koch-Institut in seinem Coronavirus-Steckbrief: „Während in Europa stärkere saisonale Effekte beobachtet werden, lassen sich in (sub)tropischen Regionen weniger starke Effekte feststellen.“

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Konkrete Daten zur Verbindung zwischen Corona-Übertragungen und Temperaturen lieferte Mitte Februar eine US-amerikanische Studie, die im Fachmagazin „Plos One“ erschienen ist. Darin brachte ein Forscherteam meteorologische Daten mit Covid-19-Fällen in 50 Ländern der Nordhalbkugel in Zusammenhang. Es zeigte sich, dass die Rate neuer Corona-Fälle bei steigenden Temperaturen abnahm.

Aruni Bhatnagar, Co-Autor der Studie und Direktor des Christina Lee Brown Envirome Institutes an der University of Louisville, schlussfolgerte daraus: „Obwohl Covid-19 eine Infektionskrankheit ist, die nicht temperaturabhängig übertragen wird, deuten unsere Untersuchungen darauf hin, dass es auch eine saisonale Komponente haben kann. Natürlich wird der Einfluss der Temperatur auf die Übertragungsrate durch soziale Eingriffe wie Distanzierung sowie die in Innenräumen verbrachte Zeit und andere Faktoren verändert.“ Am Ende sei es die Kombination der Faktoren, die die Virusverbreitung bestimme.

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