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Kommentar zur Stiko-Empfehlung

Viertimpfung ab 60: Warum nicht gleich so?!

Ein älterer Mann wird gegen Covid-19 geimpft.

Ein älterer Mann wird gegen Covid-19 geimpft.

Diese Entscheidung ist längst überfällig gewesen: Nach monatelanger Beratung empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) nun auch allen Menschen ab 60 Jahren eine vierte Impfung gegen das Coronavirus. Bisher lag die Altersgrenze bei 70 Jahren. Warum? Zum Zeitpunkt, als das Expertengremium erstmals über den zweiten Booster beratschlagt hatte, waren es vor allem die über 70-Jährigen, die in den Kliniken wegen Covid-19 behandelt werden mussten. Insofern war es nachvollziehbar, diese Gruppen mit einer weiteren Impfdosis vor der hochansteckenden Virusvariante Omikron zu schützen.

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Doch schon damals zeichnete sich ab: Auch ab 60-Jährige können von der Viertimpfung profitieren. Das zeigte etwa eine Studie aus Israel, die die Stiko sogar in ihrer wissenschaftlichen Begründung zur Impfempfehlung ab 70 Jahren anführte. Das Expertengremium hatte die Daten der Untersuchung genau analysiert, wusste um die gute Wirksamkeit und Sicherheit des zweiten Boosters für ab 60-Jährige und entschied sich am Ende dennoch dafür, die Altersgrenze höher anzusetzen.

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EMA hat Altersgrenze für Viertimpfung längst herabgesenkt

Diese Entscheidung wider besseres Wissen war unverständlich. Und vor allem hatte sie Konsequenzen: Hätte die Stiko von Anfang an allen ab 60-Jährigen eine vierte Impfung empfohlen, wären jetzt schon mehr Risikopersonen besser vor Omikron geschützt. So sind bis dato nur 8,4 Prozent der Deutschen vierfach geimpft. Für den Herbst, in dem steigende Infektionszahlen und schlimmstenfalls wieder stark belastete Krankenhäuser drohen, ist das zu wenig.

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Warum ist die Stiko nicht längst der Empfehlung der Europäischen Arzneimittel-Agentur gefolgt? Die hatte bereits Mitte Juli geraten, den zweiten Corona-Booster auf ab 60-Jährige auszuweiten. In den USA genehmigte die Arzneimittelbehörde FDA sogar Viertimpfungen ab 50 Jahren. Die Daten, auf denen diese Entscheidungen fußen, dürften dieselben sein, die auch die Stiko zur Verfügung hat.

Stiko-Empfehlungen lassen zu lange auf sich warten

Wieder war die Impfkommission zu zögerlich. Wieder hat sie zu lange gebraucht, um die richtigen Schlüsse zu ziehen. So war es auch schon bei der Impfempfehlung zur ersten Auffrischungsimpfung gewesen: Im Sommer 2021 waren Studien erschienen, die nahegelegt hatten, dass der Impfschutz von zwei Dosen mit der Zeit schwindet; Länder wie Israel hatten sofort mit Booster-Kampagnen begonnen, während die Empfehlung der Stiko erst im Oktober gefolgt war.

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Das Arbeitstempo des Expertengremiums steht schon seit längerer Zeit in der Kritik – mitunter zurecht. Problematisch daran ist: Das lange Zögern könnte sich dieses Mal rächen. Denn bei vielen liegt die letzte Impfung schon Monate zurück, der Impfschutz hat nachgelassen. Das gilt auch für die Altersgruppe der 60- bis 70-Jährigen, die nicht weniger gefährdet ist als die der über 70-Jährigen. Ohne eine weitere Auffrischungsimpfung steigt ihr Risiko, sich mit Corona zu infizieren und unter Umständen schwer zu erkranken, allmählich wieder an.

Was es nun braucht, ist vor allem Schnelligkeit. Die Impfkampagne muss ausgeweitet werden. Es müssen so viele Risikopersonen wie möglich noch vor dem Herbst ein weiteres Mal gegen Covid-19 geboostert werden. Nur so lässt sich verhindern, dass es in den kommenden Monaten zu vielen Schwerstkranken und Todesfällen kommt und dass das Personal in den Kliniken zu stark belastet wird. Oberstes Ziel muss es sein, ein weiteres Corona-Chaos zu verhindern.

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