Vibrionen: So erkennen Sie die Symptome – so schützen Sie sich

  • Die gesundheitsgefährdenden Vibrionen haben in Mecklenburg-Vorpommern zwei Todesopfer gefordert.
  • Seit Juni haben die Behörden fünf weitere Erkrankungen registriert.
  • Die Erkrankung zeige sich durch eine Wundinfektion, daher komme auch der Begriff „fleischfressende Bakterien“.
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Rostock. Die Vibrionen in der Ostsee haben in diesem Jahr bereits zweit Todesopfer in Mecklenburg-Vorpommern gefordert. Eine "sehr hoch betagte Frau", die bereits vor vier Wochen verstarb, gehörte zu der Risikogruppe der Immungeschwächten, so Heiko Will, Erster Direktor des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) in Mecklenburg-Vorpommern. Auch im zweiten Fall starb eine Frau, die an einer chronischen Krankheit litt.

Daneben wurden seit Juni fünf weitere Erkrankungen registriert, wie Will bestätigt. Im vergangenen Jahr waren es 18 Infektionen, darunter drei Todesfälle. Aber was sind Vibrionen überhaupt, wie entstehen sie und was sind die Symptome?

Vibrionen auch in Ausläufern der Ostsee

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„Vibrionen gehören zu der Gattung der Bakterien und kommen in allen salzhaltigen Gewässern vor“, erklärte Will gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Auch in Ausläufern der Ostsee würden sich Vibrionen befinden. Da der Salzgehalt in der Nordsee nicht so hoch sei, gebe es dort insgesamt weniger Bakterien sowie eine weniger aggressive Art.

Den ersten Fall einer Vibrionen-Infektion gab es 2003. Seit dem habe es nach Angaben von Will insgesamt 51 Erkrankungen und acht Todesfälle gegeben. Der Direktor macht deutlich, dass das Erkrankungsrisiko dennoch sehr gering sei. „Wir haben fünf bis acht Millionen Badegäste pro Jahr. Im Vergleich zu der Anzahl der Erkrankung ist das immer noch ein sehr seltenes Phänomen.“ Der Klimawandel hätte damit allerdings nichts zu tun. Dafür seien die Zahlen zu schwankend. Will betont: „Die Vibrionen gehören zur natürlichen Bakterienflora dazu.“

Infektion auch über die Nahrungskette möglich

Besonders sprunghaft würden sich die Vibrionen ab einer Wassertemperatur von über 20 Grad vermehren. Aber auch wenn die Temperatur sinkt, seien die Bakterien noch nachweisbar.

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Die Erkrankung zeige sich durch eine Wundinfektion, daher komme auch der Begriff „fleischfressende Bakterien“. Diese könne sich auch auf andere Körperteile ausweiten und im schlimmsten Fall zu einer Amputation der Betroffenen Gliedmaße oder einer Sepsis führen. Im normalen Fall erfolgt die Behandlung durch die Einnahme von Antibiotikum.

In extrem seltenen Fällen können die Bakterien auch über die Nahrung aufgenommen werden, sofern Meeresfrüchte nicht richtig gegart worden sind, sagt Will: „Das kommt aber bisher nur im Mittelmeerraum vor.“ In diesem Fall äußere sich die Infektion durch Schüttelfrost sowie Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts.

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Risikopatienten sollten Baden in der Ostsee vermeiden

Wird eine Infektion vermutet, sollte so schnell wie möglich ein Arzt aufgesucht werden. Er sollte dann darüber informiert werden, dass man in einem salzhaltigen Gewässer gebadet hat. Eine Faustregel, wie schnell eine Behandlung stattfinden muss, gebe es nicht. „Das kommt immer auf die Gegenwehr des Körpers an“, so Will. Besonders betroffen seien ältere Menschen und Patienten mit chronischen Erkrankungen.

Derzeit werde die Ostsee an sieben Stellen überwacht. Sobald an einer Stelle Vibrionen nachgewiesen werden, treten sie dem Experten zufolge auch an den anderen Stellen auf. Will rät: „Schon jetzt haben wir eine ausreichend hohe Konzentration der Vibrionen, so dass ich immunschwachen Menschen mit einer offenen Wunde kein Baden im Salzwasser empfehlen würde.“ Wer noch vorsichtiger sein will, sollte eine gechlorte Schwimmhalle besuchen.

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Von Cecelia Spohn/RND