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RKI zieht Bericht zurück - ursprüngliches Papier sprach von “Verfügbarkeit eines Impfstoffs bis Herbst 2020”

  • Das Robert-Koch-Institut hatte ein neues Thesenpapier veröffentlicht, das als strategische Vorlage für den Umgang mit dem Coronavirus zu betrachten ist.
  • Darin wurden Ziele definiert und bisher Erreichtes kategorisiert.
  • Wenige Stunden später musste das RKI den Bericht wieder offline nehmen.
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Das RKI hatte fälschlicherweise am Mittwoch ein veraltetes Strategiepapier veröffentlicht. Der folgende Bericht stützt sich auf dieses Papier und ist nun in dieser Form nicht mehr aktuell. Das RKI bedauert den “sehr ärgerlichen Fehler” (alles dazu lesen Sie hier). Den nachfolgenden Bericht haben wir aus Gründen der Transparenz nicht verändert. Der folgende Artikel ist von Mittwoch, den 12. August, um 16.30 Uhr.

Nach Einschätzungen des Robert-Koch-Instituts könnte ein Impfstoff gegen das Coronavirus binnen weniger Wochen verfügbar sein. Das geht aus einem Positionspapier hervor, das am Mittwoch veröffentlicht wurde. “Die Impfstoffentwicklung gegen Sars-CoV2 läuft unter Verfolgung verschiedener Ansätze weltweit unter Hochdruck. Vorläufige Prognosen lassen die Verfügbarkeit eines Impfstoffs (ggf. mehrerer) bis Herbst 2020 möglich erscheinen”, heißt es darin.

Die bisher getroffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie wertet das RKI als Erfolg – warnt allerdings davor, sich darauf auszuruhen. ”Stand heute kann eine insgesamt positive Zwischenbilanz für den Umgang mit der Sars-CoV2-Pandemie in Deutschland gezogen werden. Dieser Erfolg war und ist mit erheblichen sektorübergreifenden Einschränkungen und Anstrengungen verbunden, an denen viele Akteure der Gesellschaft ihren Anteil haben.” Weiter heißt es allerdings, es wäre “gefährlich, zum jetzigen Zeitpunkt darauf zu vertrauen, dass mit einer Impfung ab dem Herbst 2020 die Pandemie beherrschbar wird, da Unwägbarkeiten wie Mutationen oder nur kurze Immunitätszeiten den Nutzen von Impfungen relativieren könnten”.

Als entscheidend sieht das RKI die Präventionsarbeit an. Die Verringerung des Ansteckungsrisikos will man in erster Linie durch eine Anpassung des Verhaltens in der Bevölkerung und eine Verringerung der “Einschleppungswahrscheinlichkeit aus Risikogebieten” erreichen. Weitere Punkte zur Risikominimierung: Entwicklung von Impfstoffen und anderen Prophylaktika und eine schnelle “Durchimpfung” der Bevölkerung, sobald ein Impfstoff vorhanden sei.

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RKI korrigiert sich: Doch keine Hoffnung auf Impfstoff im Herbst
2:25 min
Am Dienstag hatte Russlands Präsident Wladimir Putin verkündet, in seinem Land werde der erste Impfstoff gegen das Corona-Virus zugelassen.  © Reuters

Ein zweiter Schwerpunkt soll die Eingrenzung im Falle von Infektionen beziehungsweise größerer Ausbruchsgeschehen werden. Dazu gehören laut RKI etwa “konsequente Quarantäne, schnelle Testung, Isolierung von potenziell Infizierten und Abklärung des Kontaktumfeldes, Identifizierung von Clustern und Nachverfolgung von Infektionsketten”.

Beibehaltung der zusätzlichen Klinikkapazitäten

Teil der praktischen Maßnahmen sollen auch “der Erhalt der zusätzlich aufgebauten Klinikkapazitäten für die Versorgung” und die “Adaption und Weiterentwicklung der Behandlungsstrategien (z.B. Nutzung internationaler Forschung, eigene Forschung und Studien, Vernetzung und Erfahrungsaustausch)” sein.

Entscheidend für das RKI sind auch flankierende Maßnahmen wissenschaftlicher und logistischer Natur wie etwa die “Sammlung internationaler Erfahrungen und Forschungsergebnisse, Vernetzung von Kompetenzträgern und Organisation von Erfahrungsaustausch zu Schwerpunktthemen”. Dabei werde die zügige Förderung von medizinischen Innovationen ebenso eingefordert wie eine rechtzeitige Eindeckung mit ausreichend Schutzkleidung und anderen medizinisch notwendigen Artikeln.

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Bessere Datenverfügbarkeit

Auch ein Hinweis auf die aktuelle Debatte um die Corona-Warn-App fehlt nicht. Laut Robert-Koch-Institut müsse eine datenschutzkonforme “Verfügbarkeit von Daten nahe der Echtzeit für die Steuerung von Infektionsfällen und die Beobachtung und das Management des umfassenden Infektionsgeschehens” her. Dazu gehörten auch eine effizientere Überwachung und Kommunikation.

Die Benchmarks bis April 2021

Übergeordnetes Ziel sei es, “auch während der Pandemie das gesamtgesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in Deutschland in allen Sektoren nachhaltig zu ermöglichen”. Dafür setzt das RKI klare Benchmarks für den April 2021. Man erwartet, dass bis dahin

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  • eine digitale Rundumüberwachung der Infektionslage abgeschlossen ist;
  • die Kontaktnachverfolgung zur Unterbrechung der Infektionsketten und zur Vermeidung von Clustern optimiert ist;
  • eine nationale Teststrategie formuliert und eine Diagnostik flächendeckend verfügbar sind;
  • kürzeste Zeiten im Testprozess vor Ort realisiert werden;
  • die Verfügbarkeit von hinreichender persönlicher Schutzausrüstung sichergestellt ist;
  • ebenso eine umfassende Gesundheitsversorgung unter Pandemiebedingungen;
  • eine Impfstrategie erarbeitet ist;
  • Impfungen gegen Influenza, Pneumokokken und Pertussis verfügbar sind und bevölkerungsdeckend angewendet werden;
  • der Umgang mit Mobilität (intern und grenzübergreifend) geregelt ist;
  • differenzierte Empfehlungen und Bestimmungen zum Infektionsschutz bei größeren Veranstaltungen erarbeitet und kommuniziert worden sind.

Beinahe drohend heißt es am Ende des Papiers: “Dieser Katalog operativer Ziele erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.”

RND/no

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