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Verunreinigungen im Astrazeneca-Impfstoff – was sagen Experten zur Studie?

  • Bei einer Untersuchung des Astrazeneca-Vakzins haben Forschende Verunreinigungen in Impfstoffchargen entdeckt.
  • An sich sei das erwartbar, sagen Impfstoffexperten.
  • Ein vager Verdacht in Verbindung mit Nebenwirkungen müsse trotzdem überprüft werden.
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Bei einer Untersuchung von Vaxzevria-Impfstoffdosen des Herstellers Astrazeneca haben Forschende Anfang Mai Verunreinigungen entdeckt. Gefunden wurden einer noch zu begutachtenden Preprint-Studie von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Ulm zufolge über 1000 verschiedene menschliche wie virale Proteine. Die Mehrzahl dürfte den Studienautoren zufolge keine negativen Auswirkungen auf Geimpfte haben. Sorge bereiten ihnen aber extrazelluläre Hitzeschockproteine, die bekannt dafür sind, dass sie Entzündungsreaktionen und Autoimmunreaktionen verstärken können.

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Auch nicht an der Studie beteiligte Forschende mit Impfstoffexpertise sehen in den Ergebnissen der Studie zwar keinen akuten Grund zur Sorge. Es sei aber denkbar, wenngleich noch nicht bewiesen, dass bestimmte solcher Proteine daran beteiligt sein könnten, dass infolge einer Impfung starke Immunreaktionen und seltene Nebenwirkungen wie Thrombosen entstehen. Diese Verbindung bleibt allerdings noch sehr vage.

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„Es ist völlig normal und wenig überraschend, dass in Impfstoffen Proteinbestandteile gefunden werden“, sagt etwa Prof. Andreas Greinacher von der Universitätsmedizin Greifswald. „Es ist vor allem eine Frage der Menge an Proteinen und diese scheint im Astrazeneca-Impfstoff relativ hoch zu sein“, erklärte der Immunologe und Transfusionsmediziner gegenüber dem Science Media Center (SMC).

Proteine aktivieren bestimmte Autoantikörper

Wichtig sei mit Blick auf die Studienergebnisse der Ulmer Forschenden, dass die im Impfstoff gefundenen Eiweiße für eine kurzfristige Immunreaktion sorgten. Kurz nach der Impfung würden diese vom Immunsystem erkannt, was ein Warnsignal bewirke und bestimmte Autoimmunreaktionen anstoße. Die Proteine selbst seien zwar aus dem Impfstoff schnell wieder abgebaut, führten aber aus noch nicht eindeutig geklärten Gründen bei einigen wenigen Menschen dazu, dass sich bestimmte Autoantikörper bilden. Und diese könnten auch laut dem Immunologen zu den weltweit bei einigen seltenen beobachteten Fällen von schweren Thrombosen führen.

„Der Impfstoff ist also der Anstoß, der den Stein ins Rollen bringt“, erklärt Greinacher den möglichen Mechanismus, räumt aber ein: „Die Proteine sind damit aber wahrscheinlich nicht der einzige Grund, warum seltene Nebenwirkungen auftreten. Ansonsten müssten viel mehr Menschen betroffen sein.“ Jetzt müsse untersucht werden, ob eine weitere Aufreinigung des Impfstoffs zum einen die ungefährlichen, aber unangenehmen akuten Impfreaktionen verringert – vor allem aber, ob dadurch die schweren Komplikationen reduziert werden könnten.

Astrazeneca-Immunreaktion könnte auch durch Impfviren ausgelöst werden

Überrascht, dass in dem Impfstoff neben viralen Proteinen auch menschliche Proteine nachgewiesen wurden, ist auch der Impfstoffexperte Erik-Leif Sander von der Berliner Charité nicht. „Wenn Vektorimpfstoffe aufgereinigt werden, ist immer ein gewisser Beifang zu erwarten. Das sind Bestandteile aus den produzierenden Zellen und den Kulturmedien in denen das Virus vermehrt wird“, erläuterte er dem SMC. „Es ist noch nicht klar, ob die beschriebenen Nebenprodukte in der Astrazeneca-Impfung irgendeine Relevanz für die Immunreaktion oder die seltenen Nebenwirkungen haben.“

Die starke Immunreaktion, die viele Geimpfte nach der ersten Dosis mit dem Impfstoff erfahren, werde am ehesten durch die Impfviren selbst ausgelöst, da diese Moleküle enthalten, die das angeborene Immunsystem erkennt und sofort reagiert. „Wir analysieren das gerade auch intensiv hier in unserem Labor in Berlin“, sagt Impfstoffforscher Sander zu den unterschiedlichen Hypothesen. Bestätige sich der Zusammenhang, könnten Produktions- und Aufreinigungsprozesse natürlich verbessert werden. „Aber je weiter man ein Produkt aufreinigt, desto mehr Verlust werden Sie auch haben, und am Ende entsteht weniger Produkt.“

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Masern, Influenza, Röteln: Bei allen Impfungen gibt es Zusatzbestandteile

Auch bei anderen Impfungen wie zum Beispiel dem Influenza-Impfstoff, der zum Teil in Hühnereiern produziert wird, finde man Bestandteile aus dem Produktionsprozess. Ähnlich sei es bei den Impfstoffen gegen Masern und Röteln. „Das ist aber gut kontrolliert und nicht schädlich“, betont der Vakzinologe. Solche Medikamente, die mithilfe andere Organismen wie Bakterien, Zellkulturen oder auch in Hühnereiern produziert werden, würden nämlich vor einer Freigabe immer auf Verunreinigungen untersucht. Und genau das passiere auch beim Vakzin von Astrazeneca.

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