Verunreinigter Wirkstoff: Weltweiter Rückruf von Magenmedikament

  • Zantac ist ein weltweit eingesetztes Arzneimittel gegen Sodbrennen – doch der enthaltene Wirkstoff Ranitidin ist durch Verunreinigungen möglicherweise krebserregend.
  • Nun gibt es einen weltweiten Rückruf von Zantac-Produkten.
  • Auch andere Sodbrennenblocker, die Ranitidin enthalten, wurden bereits zurückgerufen.
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Hannover. Der Sodbrennenblocker Zantac muss weltweit zurückgerufen werden. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA habe „inakzeptable“ Konzentrationen wahrscheinlich krebserregender Verunreinigungen im Wirkstoff Ranitidin festgestellt. Der Hersteller von Zantac, das britische Pharmaunternehmen Glaxo Smith Kline, habe vier verschreibungspflichtige Zantac-Arzneimittel als „Vorsichtsmaßnahme“ zurückgerufen: einen Sirup, eine Injektion und Tabletten mit Dosierungen von 150 und 300 Milligramm. Die rezeptfreie 75-Milligramm-Dosierung werde von einem anderen Unternehmen hergestellt und ist vom Rückruf nicht betroffen.

Die britische Regulierungsbehörde für Arzneimittel und Gesundheitsprodukte (MHRA) forderte am Montag Gesundheitspersonal dazu auf, „die Ausgabe der Produkte sofort einzustellen, alle verbleibenden Vorräte in Quarantäne zu stellen und sie an ihren Lieferanten zurückzugeben“, berichtet Reuters. In Deutschland erhält man Zantac vor allem über Onlineversandapotheken.

Auch Deutschland betroffen

Bereits Ende September hatte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mitgeteilt, dass in der Europäischen Union ein Rückruf von Arzneimitteln erfolgt, die Ranitidin vom Hersteller Saraca Laboratories Limited enthalten. Von diesem Rückruf ist auch Deutschland betroffen. Es würden Indizien vorliegen, dass auch weitere Wirkstoffhersteller von der Verunreinigung betroffen sein könnten, hieß es.

Medikamente mit Ranitidin werden zur Kontrolle der Magensäureproduktion bei Sodbrennen, zur Behandlung der Refluxerkrankungen und zur Prophylaxe von Magengeschwüren eingesetzt. Patienten, die Fragen zu ihrer aktuellen Behandlung haben, könnten sich an ihren Arzt oder ihren Apotheker wenden, teilte die Behörde mit. Ein akutes Risiko für Patienten bestehe nicht.

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Laut dem Wissenschaftlichem Institut der AOK (WIdO) wurden Arzneimittel mit dem Wirkstoff Ranitidin im vergangenen Jahr 748.000-mal verordnet. Die Zahl bezieht sich auf Arzneimittel, die von niedergelassenen Ärzten ambulant verordnet und über öffentliche Apotheken zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung abgegeben wurden.

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RND/Alice Mecke/dpa