Verschlimmert Luftverschmutzung Covid-19-Erkrankungen?

  • Forscher der Martin-Luther-Universistät in Wittenberg haben die Vermutung, dass die Luftverschmutzung in einigen Gebieten schwere Verläufe der Covid-19-Erkrankung begünstigen.
  • In Regionen mit hoher Schadstoffbelastung sterben den Forschern zufolge mehr Menschen an dem Coronavirus.
  • Andere Wissenschaftler betrachten diese Vermutung eher als spekulativ.
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Berlin. Einige Wissenschaftler glauben: Starke Luftverschmutzung und schwerere Verläufe der Covid-19-Krankheit stehen möglicherweise in einem Zusammenhang. Wie eine Studie des Geowissenschaftlers Yaron Ogen von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) zeigt, sind in Regionen mit einer dauerhaft hohen Schadstoffbelastung deutlich mehr Menschen nach der Infektion mit dem Coronavirus gestorben als in anderen Regionen. Auch eine Studie von US-Forschern der Harvard-Universität deutet darauf hin, dass es einen Zusammenhang gibt. Pneumologen äußern sich aber zurückhaltend.

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Lufverschmutzung kann die Immunabwehr schwächen

Wie groß der Einfluss des Faktors Umweltbelastung im Vergleich zu anderen Faktoren wie etwa Begleiterkrankungen auf den Verlauf von Covid-19 ist, kann Ogen nicht sagen. Aber genau das müsse man herausfinden, fordert er. Er analysierte in seiner Studie Satelliten-Daten zur Luftverschmutzung auf der Erde, Wetterdaten zu Luftströmen und Angaben zu Corona-Todesfällen aus Italien, Frankreich, Spanien und Deutschland. Vor allem in stark mit Stickstoffdioxid belasteten Regionen sind demnach Menschen nach einer Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben. US-Wissenschaftler der University Harvard fanden in einer Untersuchung heraus, dass eine höhere Feinstaubbelastung mit einem Anstieg der Covid-19-Sterberate zusammenhängt.

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Laut Berthold Jany, ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), ist das noch nicht sicher. Jany zufolge hängen Luftverschmutzung und Sterblichkeit zwar zusammen, ob dies aber auch zu einem schlimmeren Verlauf der Covid-Krankheit führt, sei spekulativ. Auch Frank Heimann, Vorsitzender des Bundesverbands der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner sieht bislang keinen ganz eindeutigen Zusammenhang zwischen Schadstoffen in der Luft und dem Tod nach Corona-Infektion. Luftverschmutzung könne aber die Abwehr von Infektionen langfristig schwächen, sagte er.

RND/dpa

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