Verbraucherzentrale rät: Pflegedienst sorgfältig aussuchen

  • Den passenden Pflegedienst zu finden, ist mitunter eine Herausforderung.
  • Die Verbraucherzentrale empfiehlt, die Wahl sorgfältig zu treffen.
  • Sie erklärt, worauf besonders geachtet werden sollte – von Vor-Ort-Gespräch bis Kostenvoranschlag.
Gerald Dietz
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Potsdam. Ein akuter Pflegebedarf kann plötzlich und überraschend eintreten. Viele Betroffene sind dann vor eine Herausforderung gestellt, die nicht so einfach zu bewältigen ist: Wie finde ich schnell einen passenden Pflegedienst? „Zu Betreuende selbst und Angehörige sollten sich aber die Zeit nehmen, mehrere Anbieter zu vergleichen“, rät die Pflegefachfrau Felizitas Bellendorf. Leistungen und Preise könnten durchaus unterschiedlich sein, so die Referentin für den Pflegemarkt bei der Verbraucherzentrale NRW, die sich im bundesweiten Organisationsnetz besonders um dieses Thema kümmert. Sinnvoll ist, genau zu überlegen, welche Art der Unterstützung grundsätzlich benötigt wird. Ist beispielsweise Hilfe bei der Körperpflege erforderlich, etwa beim morgendlichen Waschen oder Duschen? Oder wird hauswirtschaftliche Unterstützung gebraucht, bei der Wohnungsreinigung oder beim Einkauf? Auch Maßnahmen der pflegerischen Betreuung sind möglich, wie Beschäftigungsangebote zur Gestaltung des häuslichen Alltags.

Pflegeberater bietet Unterstützung

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Der Bedarf an professioneller Hilfe dabei sollte ebenfalls vorab geklärt werden. Dafür sei den Versicherten die ihnen zustehende sachkundige Unterstützung durch einen Pflegeberater etwa an einem Pflegestützpunkt zu empfehlen, so Bellendorf. Diese Serviceeinrichtungen (pflegestuetzpunkte-brandenburg.de) waren auf Initiative des jeweiligen Bundeslandes in Kreisen und Städten eingerichtet worden.

Liegt ein Pflegegrad vor, übernimmt die Pflegeversicherung Leistungen des Pflegedienstes in der gesetzlich festgelegten Höhe. Die Einordnung in einen solchen Pflegegrad erfolgt nach einer Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MDK) oder bei privaten Kassen durch Medicproof. Das sind beispielsweise 689 Euro bei Pflegegrad zwei oder sogar 1612 Euro bei vier.

Pflegedienste werden auf Qualität geprüft

Für die Auswahl eines Pflegedienstes können die Ergebnisse der regelmäßigen Qualitätsprüfungen durch den MDK zu Rate gezogen werden. Die hier vorgenommenen Benotungen werden bald durch ein neues System ersetzt. Die vielschichtigen vorliegenden Prüfungsergebnisse seien aber dennoch für eine grundsätzliche Einordnung nutzbar, so Bellendorf. Einzusehen sind sie etwa auf der entsprechenden Plattform des Verbands der Ersatzkassen (pflegelotse.de).

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Im Vorfeld eines Hausbesuchs durch ausgewählte Pflegedienste sollte auch noch geklärt werden, ob der entsprechende Anbieter die notwendigen Unterstützungen im Programm hat. Viele Dienste, ob gemeinnützig oder privatwirtschaftlich, haben sich inzwischen auf ausgewählte Einsatzfelder fokussiert.

Beratungsgespräch vor Ort vereinbaren

Nach der Vorauswahl des Pflegedienstes sollte ein Beratungsgespräch vor Ort stattfinden. Hier müssten verschiedene elementare Fragen wie etwa die Erreichbarkeit des Dienstes, feste Ansprechpartner, Kapazitäten für unterschiedliche Einsatzfelder und die Terminplanung, also was, ab wann zu erwarten ist, zur Sprache kommen, so Bellendorf. Auch persönliche Vorlieben oder Dinge, die dem zu Betreuenden guttun, gilt es anzusprechen. „Selbstbestimmung und Wohlgefühl müssen im Mittelpunkt stehen“, sagt die Pflegeexpertin.

Kostenvoranschlag erstellen lassen

Wenn alle diese Fragen geklärt und die Aufgaben des Pflegedienstes abgesprochen sind, erstellt dieser einen Kostenvoranschlag. Er wird Basis für den späteren Vertrag und sollte genau auflisten, welche Leistungen das Unternehmen bietet und wie viel dafür im Einzelnen berechnet wird. Dort muss auch aufgelistet sein, welcher Anteil der Kosten von der Pflegekasse getragen wird und was der Pflegebedürftige eventuell noch zuzahlen muss.

Der Kostenvoranschlag muss unbedingt aufgehoben werden, denn er kann unter Umständen von der Pflegekasse überprüft werden – um nachzuvollziehen, ob der Dienst auch so abrechnet, wie mit dem Pflegebedürftigen vereinbart. Werden künftig mehr oder weniger Leistungen des Dienstes in Anspruch genommen, erstellt die Einrichtung einen neuen Kostenvoranschlag.

Über rechtliche Aspekte informieren

Auch rechtliche Aspekte sollten Bestandteil des Beratungsgesprächs sein – also etwa Kündigungsfristen, speziell auch seitens des Unternehmens. Schließlich muss in einem solchen Fall schnell für Ersatz gesorgt werden. Geklärt werden muss auch, wann der Pflegedienst haftet, etwa bei Schäden im Verlauf des Einsatzes oder beim Verlust ausgehändigter Schlüssel.

Prinzipiell sind Fragen der Bezahlsystematik anzusprechen. Wobei Leistungen immer erst nach Erbringung vergütet und Nachweise als Kopie ausgehändigt werden sollten. Als Vertragspartner sollte nur der Pflegebedürftige selbst im Vertrag stehen. Stirbt er, endet der Vertrag automatisch. Geldforderungen des Pflegedienstes an Angehörige sind so ausgeschlossen.

Welches Leitbild hat der Pflegedienst?

Sinnvoll ist auch, sich ein eventuell zugrunde liegendes Leitbild des Pflegedienstes erläutern zu lassen. „Wünschenswert sind hier grundsätzliche Konzepte, die sich an den persönlichen Ressourcen und Bedürfnissen des Pflegebedürftigen orientieren und deren Ziel es ist, Eigenständigkeit und Wohlbefinden zu ermöglichen“, so Bellendorf.

Die späteren Einsätze können nicht immer durch die gleiche Person erfolgen. „Aber der zu Betreuende sollte Bezugspflegekräfte haben“, meint Bellendorf. Deren Aufgabe ist es, neben dem eigentlichen Betreuungsdienst etwa neue Kollegen vorzustellen und einzuführen. Die Verfügbarkeit von bestimmten Pflegekräften ist nicht zuletzt eine Frage der Einsatzregion.

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Wenn es irgendwann im Verlaufe der Betreuung hakt, sollte es die Möglichkeit eines schnellen Gesprächs mit der Pflegedienstleitung geben.