Höchststand: USA verzeichnen 40.000 Corona-Neuinfektionen an einem Tag

  • Die USA verzeichnen einen neuen Höchststand an Corona-Neuinfektionen: Am Donnerstag wurden 40.000 neue Fälle gemeldet.
  • In den USA sind damit über 2,4 Millionen Infektionen mit Sars-CoV-2 bekannt.
  • US-Präsident Trump spielt die Lage erneut herunter.
1:27 min
Die Zahl der bekannten Neuinfektionen mit dem Coronavirus ist in den USA auf einen Rekordwert gestiegen. Am Donnerstag zählte die Nachrichtenagentur Reuters fast 40.000 neue Fälle. Viele Bundesstaaten meldeten Rekordanstiege, unter ihnen auch Kalifornien, wo manche Krankenhäuser an die Grenze ihrer Aufnahmefähigkeiten gelangen. Diese Notärztin sagt, es seien vor allem jüngere und mittelalte Menschen, die sie nun behandeln muss.  © Reuters
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Washington. Mit rund 40.000 gemeldeten Fällen hat die Zahl der Corona-Neuinfektionen in den USA am Donnerstag einen neuen Höchststand erreicht. Damit ist der bisherige Rekordwert von rund 36.400 Neuinfektionen vom 24. April überstiegen, wie aus Zahlen der John-Hopkins-Universität hervorgeht. Die “Washington Post” hatte zuvor von über 39.327 gemeldeten Neuinfektionen am Donnerstag berichtet. Noch vor zwei Wochen lagen die täglich gemeldeten Infektionszahlen bei etwas mehr als der Hälfte des Wertes vom Donnerstag.

Die USA sind weltweit das Land mit den meisten gemeldeten Corona-Infektionen. 2,4 Millionen Ansteckungen mit Sars-CoV-2 sind bisher bekannt geworden. Über 124.000 Menschen sind mit dem Virus gestorben.

Trump macht Tests für hohe Zahl verantwortlich

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US-Präsident Trump spielte die steigenden Fallzahlen schon vor Bekanntwerden des neuen Rekords herunter. “Wenn wir nicht testen würden, hätten wir keine Fälle”, sagte Trump in einem am Donnerstagabend (Ortszeit) ausgestrahlten Interview des Senders Fox News.

Die USA hätten bislang rund 30 Millionen Menschen auf das Virus getestet, mehr als jedes andere Land der Welt. Trumps Einschätzung zufolge geht darauf die hohe Zahl der nachgewiesenen Infektionen in den USA zurück.

Pence sieht Erfolge in der Virusbekämpfung

Trotz der steigenden Infektionszahlen sieht US-Vizepräsident Mike Pence deutliche Erfolge im Kampf gegen das Virus. “Wir haben wirklich bemerkenswerte Fortschritte gemacht”, sagte er am Freitag in Washington beim ersten Briefing der Coronavirus-Taskforce des Weißen Hauses seit fast zwei Monaten.

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Zwar steige die Zahl der bestätigten Neuinfektionen besonders in südlichen Bundesstaaten. Die Zahl der Todesopfer sinke aber landesweit. Die Lage sei daher deutlich besser als vor zwei Monaten. Pence verteidigte, dass Trump und er wieder Wahlkampfveranstaltungen aufgenommen haben, obwohl Gesundheitsexperten weiterhin von Versammlungen abraten.

“Wir haben noch Arbeit vor uns”

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“Die Freiheit der Rede, das Recht, sich friedlich zu versammeln, sind in der Verfassung der Vereinigten Staaten verankert. Und wir haben im Herbst diesen Jahres eine Wahl vor uns”, sagte er. Auch in einer Gesundheitskrise hätten die Amerikaner ihre verfassungsmäßigen Rechte.

Ziel sei es, “Leben zu schützen und sicher wieder zu öffnen”. Alle 50 US-Bundesstaaten hätten Maßnahmen zur Wiedereröffnung getroffen. Pence rief die Einwohner der USA dazu auf, weiterhin den Richtlinien zum Schutz vor einer Ausbreitung des Virus zu folgen.

Pence betonte, mit den bisher getroffenen Maßnahmen habe man eine “solide Grundlage für alle Herausforderungen geschaffen, die in den kommenden Tagen oder Monaten auf uns zukommen könnten”. Er räumte aber auch ein: “Wir haben noch Arbeit vor uns.”

CDC: Nur ein Bruchteil Infektionen erfasst

Die Gesundheitsbehörde CDC schätzt jedoch, dass bisher wahrscheinlich nur ein Bruchteil der Infektionen erfasst wurde. “Für jeden Fall, den wir verzeichnet haben, gab es wahrscheinlich zehn weitere Infektionen”, sagte CDC-Direktor Robert Redfield am Donnerstag. Die meisten renommierten Experten machen in erster Linie die von Trump vorangetriebene Lockerung von Corona-Beschränkungen in den Bundesstaaten für die steigenden Fallzahlen verantwortlich.

Tut die USA zu wenig gegen die Verbreitung?

Der US-Milliardär Bill Gates kritisierte die Regierung für ihr Vorgehen in der Corona-Krise. Die USA habe “nicht einmal annähernd” genug getan, um die Epidemie zu bekämpfen, sagte der Microsoft-Gründer bei einer Veranstaltung des Sender “CNN”. Es werde zu wenig getestet, zu wenige Kontakte nachverfolgt und zu wenige Masken getragen.

Am Donnerstagabend (Ortszeit) war zudem bekannt geworden, dass das US-Justizministerium den Obersten Gerichtshof zur Abschaffung von “Obamacare” aufgefordert hat. Präsident Trump hatte die von seinem Vorgänger Barack Obama eingeführten Erweiterungen der Krankenversicherung mehrmals als “Desaster” kritisiert und für ihre Aufhebung plädiert.

Angekündigte Lockerungen werden nicht umgesetzt - Krankenhäuser am Limit

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Angesichts der dramatischen Entwicklung planen einige Bundesstaaten, angekündigte Lockerungen vorerst nicht umzusetzen. Einem Bericht der “Washington Post” zufolge betrifft das etwa Texas, Arizona, Florida oder New Mexico. Alleine in Texas sei ein neuer Rekord von 6000 neuen Fällen binnen 24 Stunden erreicht worden. Die Kapazitäten der Krankenhäuser seien bereits wieder am Limit.

Das Gesundheitsministerium in Florida gab am Freitag mit fast 9000 Neuinfektionen innerhalb eines Tages ebenfalls einen neuen Höchstwert bekannt. Der Verkauf von Alkohol in Bars wurde untersagt.

Zuvor hatte angesichts der hohen Zahl an Neuinfektionen und des Anstiegs der Aufnahmen in Krankenhäusern auch der texanische Gouverneur Greg Abbott Gegenmaßnahmen angeordnet. Unter anderem ordnete er an, dass von Freitag an Bars, die mehr als 51 Prozent ihrer Einnahmen mit dem Verkauf alkoholischer Getränke erzielten, keine Gäste mehr empfangen können.

RND/dpa

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