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Unwetter in Deutschland: Ab wann wird Starkregen gefährlich?

  • Die Hochwasserkatastrophe in Deutschland wurde durch extrem starken Regen ausgelöst. Bis zu 200 Liter pro Quadratmeter gingen innerhalb kurzer Zeit nieder.
  • Wetterereignisse wie dieses werden wir in der Zukunft öfter erleben, sagen Experten.
  • Aber welche Regenmenge ist eigentlich noch normal und wann drohen Niederschäge gefährlich zu werden? Ein Überblick.
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Mehr als 200 Liter Regen sind zwischen Dienstag und Donnerstag vergangener Woche in einigen Orten Deutschlands niedergegangen, wie Messungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) bestätigen. Genau diese Niederschlagsmenge hatte der DWD bereits am Montag vorhergesagt. In einer Warnung hatte es geheißen, Niederschlag von bis zu 200 Litern pro Quadratmeter könne für die nächsten Tage in einigen Regionen nicht ausgeschlossen werden, es sei daher auch mit Überflutungen zu rechnen. Ab wann genau es wo gefährlich wird, hängt allerdings von mehreren Faktoren ab und ist nicht immer leicht abzusehen.

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Der DWD hat verschiedene Warnstufen für den Fall definiert, dass außergewöhnlich starke Regenfälle drohen. Gewarnt wird zum einen vor Starkregen, bei dem innerhalb eines kurzen Zeitraums sehr große Niederschlagsmengen fallen. Gefährlich ist das deshalb, weil das Wasser dann nicht so schnell abfließen kann, wie es herabregnet und sich staut. Die höchste Warnstufe 4 gilt hierbei, wenn innerhalb einer Stunde mehr als 40 Liter Regen pro Quadratmeter fallen oder innerhalb von 6 Stunden mehr als 60 Liter Regen pro Quadratmeter, der DWD definiert das als extrem heftigen Starkregen.

Gewarnt wird auch vor Dauerregen, hiervon spricht man, wenn innerhalb weniger Tage insgesamt eine hohe Regenmenge niedergeht. Auch dann besteht die Gefahr, dass die Wassermassen nicht abfließen oder versickern, sondern sich stauen und für Überflutungen sorgen. Die Warnstufen richten sich bei Dauerregen an der vorhergesagten Niederschlagsmenge pro Quadratmeter in einem Zeitfenster von 12 bis 72 Stunden aus. Die höchste Warnstufe 4 ist erreicht, wenn zum Beispiel innerhalb von 12 Stunden mehr als 70 Liter niedergehen oder innerhalb von drei Tagen mehr als 120 Liter. Der DWD spricht dabei von extrem ergiebigem Dauerregen, in den vergangenen Tagen waren mehrere Regionen in NRW und Rheinland-Pfalz von solchem Dauerregen betroffen.

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Sicherheitshalber das Haus verlassen

Weil sowohl Starkregen als auch Dauerregen der höchsten Stufe erwartet worden waren, hatte der DWD in der vergangenen Woche vor extremem Unwetter gewarnt und auch auf die Möglichkeit von Überschwemmungen hingewiesen.

Eine Wassermenge von 200 Litern, die zum Beispiel in Hagen in Westfalen pro Quadratmeter gefallen war, entspricht etwa dem Inhalt einer großen blauen Regentonne. Bei einem Vorgarten von 20 Quadratmetern Größe würde das also bedeuten, dass 20 solcher Fässer über die Fläche ausgeschüttet würden. Der DWD gibt Regenmengen auch noch in einer anderen Einheit an, um sie besser zu veranschaulichen. Die Niederschlagshöhe in Millimetern ist ein Maß dafür, wie hoch das Regenwasser auf einer Fläche stehen würde, wenn es nicht abfließen, verdunsten oder versickern könnte. 200 Liter Niederschlag pro Quadratmeter würden eine Niederschlagshöhe von 200 Millimetern, also 20 Zentimetern bedeuten.

Allerdings ist zu beachten, dass Wasser von den umgebenden Flächen zufließen und den Wasserstand deutlich erhöhen kann, wenn ein Grundstück auch nur etwas niedriger liegt als die Umgebung. Die Gefahr für Überschwemmungen ist also hoch. Sobald Flussläufe über die Ufer treten, kann ein Hochwasser zudem schnell auch weiter entfernte Häuser erreichen. Bei einem vorhergesagten Niederschlag von 200 Litern pro Quadratmeter empfiehlt ein Metereologe des DWD, sicherheitshalber das Haus zu verlassen und sich in einen höher gelegenen Ortsteil zu begeben. Wie groß die Gefahr für Überflutungen bei einer bestimmten Regenmenge in einem Gebiet ist, muss bei jeder Unwetterwarnung von regional zuständigen Stellen und Hochwasserzentralen eingeschätzt werden.

Größte Regenmenge beim Elbhochwasser gemessen

Die in einzelnen Regionen gemessenen Regenmengen von über 200 Litern pro Quadratmeter in ein bis zwei Tagen entspricht dem, was sonst innerhalb von zwei bis drei Sommermonaten gemessen würde. Ein Rekordwert ist das aber noch nicht. Die stärksten Regenfälle innerhalb von 24 Stunden in Deutschland waren 2002 in Zinnwald im Erzgebirge gemessen worden. Dort hatte es innerhalb eines Tages 312 Liter pro Quadratmeter geregnet. Damals war es zu einem Jahrhunderthochwasser an der Elbe gekommen.

Der DWD hat in den vergangenen Jahren eine Zunahme von Starkregen beobachtet. Wie der Tornadobeauftragte des DWD, Andreas Friedrich, im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland erklärte, ist das auf steigende Temperaturen aufgrund des Klimawandels zurückzuführen. So kann sich in einer wärmeren Atmosphäre mehr Wasserdampf anreichern und es können größere Regenmengen auf einmal niedergehen.

Eine weitere Rolle spielt laut Friedrich der sogenannte Jetstream, eine Windbahn in etwa zehn Kilometern Höhe. Vermutlich auch durch den Klimawandel bedingt, nimmt die Stärke dieser Winde immer mehr ab. Dadurch bewegen sich feuchte Luftmassen langsamer fort und es kommt öfter dazu, dass eine große Niederschlagsmenge auf demselben Gebiet abgeregnet wird. Das gleiche gilt für warme Luft, auch sie verharrt länger an einer Stelle, was Dürren begünstigen kann. Dadurch könnte sich die Gefahr von Überschwemmungen noch verstärken: Ein ausgetrockneter Boden kann Wasser schlechter aufnehmen, wenn plötzlich viel Regen fällt.

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