• Startseite
  • Gesundheit
  • UKSH-Chef Jens Scholz: Manche Corona-Patienten lügen bezüglich ihres Impfstatus

Klinik-Chef Scholz: Manche Corona-Patienten lügen bezüglich ihres Impfstatus

  • Manche Corona-Patientinnen und -Patienten behaupten, sie seien geimpft, obwohl das nicht stimmt, berichtet Jens Scholz.
  • Der Chef des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) geht daher von einer höheren Quote ungeimpfter Corona-Erkrankter auf Intensivstationen aus.
  • „Die Datenlage wäre schon wesentlich präziser, wenn der Impfstatus komplett erfasst würde“, sagte der Mediziner in einem Interview.
Anzeige
Anzeige

Kiel. Jens Scholz, Chef des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), geht davon aus, dass die Quote der ungeimpften Patientinnen und Patienten auf der Intensivstation höher ist, als man annimmt. Denn nicht alle Patienten und Patienntinnen würden ihre Impfstatus wahrheitsgemäß angeben, sagte Scholz im Interview mit den „Kieler Nachrichten“. „Kurz bevor sie den Beatmungsschlauch in den Hals geschoben bekommen, geben manche dann doch noch zu, dass sie nicht die Wahrheit gesagt haben.“

Die Pandemie und wir Unser Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise ‒ jeden Donnerstag.

Das Krankenhauspersonal könne niemanden zwingen „seinen Impfnachweise als Beweis vorzulegen“ – vor allem nicht in Notfällen. „Und behandeln müssen wir am Ende jeden, egal ob geimpft oder nicht. Aber die Datenlage wäre schon wesentlich präziser, wenn der Impfstatus komplett erfasst würde“, sagte der Mediziner den „Kieler Nachrichten“.

Anzeige
Prof. Jens Scholz im Gespräch mit „KN“-Chefredakteurin Stefanie Gollasch. Der Bruder des neuen Bundeskanzlers leitet das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH). © Quelle: Ulf Dahl

Scholz: Gleiche Behandlung von Geimpften und Ungeimpften

Anders als in Bayern oder Sachsen arbeiteten Schleswig-Holsteins Kliniken bislang noch nicht an ihren Belastungsgrenzen. Dennoch sei auch für sie die Arbeit „zermürbend“. Man sehe „Erkrankte auf der Intensivstation, die dort nicht sein müssten, hätten sie sich impfen lassen“, sagte Scholz, der der Bruder des neuen Bundeskanzlers ist.

In Triage-Situationen würden Geimpfte und Ungeimpfte nicht unterschiedlich behandelt. „Generell handeln Ärzte ja nicht nach Sympathie, sondern gehen allein nach ethischen und medizinischen Kriterien vor, das ist nicht erst seit Corona so“, sagte Scholz.

Anzeige
Video
Intensivmediziner: Freie Bettenanzahl in Krankenhäusern auf Tiefstand
1:01 min
Auf den Intensivstationen sei es mit nun knapp 5000 Covid-19-Patienten „ziemlich voll“.  © dpa

Scholz begrüßte die Entscheidung für eine Impfpflicht in Pflegeheimen und Kliniken. Im UKSH seien etwa 96 Prozent des Personals geimpft. Mit ungeimpften Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen führe er auch Gespräche. „Das lässt sich leider nicht vermeiden, es ist schon erstaunlich, was man sich da zum Teil anhören muss. Trotzdem finde ich es wichtig, solche Leute nicht so zu behandeln, als wären sie schlechte Menschen.“ Manche brauchten eben länger bis zu einer Entscheidung.

RND/mr

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen